Sonntag, 26. Oktober 2008

Wehret den Anfängen

Informationsblatt der Ultras Rapid Block West 1988 Nr. 1/08


Bereits im Frühjahr dieses Jahres wandten wir uns angesichts des Einstieges der OMV als Sponsor des SK RAPID mit folgendem Text im GO WEST! 01/08 an Euch:

Der SK RAPID präsentierte sich gerade in den letzten`Jahren immer als traditionsbewusster Fußballklub, bei dem die Fans das größte Mitspracherecht im ganzen Land genießen. Man bildete damit einen Gegenpol zum FK Magna (vor langer Zeit Austria Wien) und Red Bull-Salzburg (vormals Austria Salzburg). Doch seit einigen Wochen halten auch bei uns gewisse Tendenzen inne, die dem kritischen Fan nicht entgehen.

In der offiziellen Vereinszeitschrift „Rapid Magazin" wird unser glorreiches Wappen plötzlich vom Konterfei des Sponsor WIEN ENERGIE untermalt und erinnert damit schon leicht an das Wappen des Stadtrivalen. Bei der offiziellen Weihnachtsfeier das selbe Bild: Kein RAPID-Logo ohne Sponsorlogo.

Mitte Jänner dann schließlich wird mit OMV ein neuer Sponsor an Land gezogen, der einige Millionen in den Verein buttert und im Gegenzug wird die Nordtribüne in "OMV-Familientribüne" umbenannt.

Selbst uns Fundamentalisten ist klar, dass ein schon fast chronisch finanzmaroder Klub wie der unsere froh über jeden Sponsorencent sein muss, allerdings fragen wir uns wohin der jetzt eingeschlagene Weg führt, zumal die OMV Millionen (rund 5,4 in drei Jahren) ja Großteils nur dazu dienen werden, jetzige und zukünftige Budgetlöcher zu stopfen. Wird, bzw. muss in drei Jahren der Stadionname verkauft werden um die Lizenz zu bekommen, oder wird der Block West zur WIEN ENERGIE-Tribüne? Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die Sponsoren an sich, ohne die es wie gesagt unseren Verein schon lange nicht mehr geben würde. Mit der Umbenennung der Nordtribüne wurde unserer Meinung nach aber ein Schritt in die leider Gottes falsche Richtung gesetzt. Die Klubführung muss damit in Kauf nehmen, dass der selbst so oft gepriesene Traditionsklub SK RAPID ein wenig von seinem Glanz verliert und sich ein wenig in die Richtung aller anderen Bundesligaklubs entwickelt. 

Durch den nunmehr erfolgten Einstieg des nächsten Großsponsors ORANGE werden diese Zeilen wieder aktueller denn je. Beim vergangenen Heimmatch gegen Sturm Graz, sowie im aktuellen RAPID-MAGAZIN wurde, bzw. wird der sehr professionellen Marketingabteilung von ORANGE unserer Meinung nach zu viel Raum für die eigene Selbstdarstellung gelassen. Das Trikot wird immer mehr zur Litfaßsäule. RAPID ist ein Fußballverein und wir Fans wollen im Stadion Fußball sehen und erleben, aber nicht vor, während und nach dem Match das Gefühl haben einem Werbeevent bzw. einem Vortrag über die „MARKE" RAPID beizuwohnen. Unsere Sorge ist, dass gewisse Szenarien, wie es sie in Deutschland oder bei Red Bull Salzburg schon längst gibt, eintreten könnten. Bei den Heimspielen des 1. FC Nürnberg werden beispielsweise bei jedem Eckball der Heimmannschaft automatisch Werbejingles über die Lautsprecheranlage eingespielt: „Dieser Eckball wird präsentiert von der Brauerei.. Prost allen Fußballfans"). Da dies natürlich einige Zeit dauert, kommt es oft genug vor, dass der Eckball schon längst ausgeführt wurde und der eventuelle Torjubel von der Werbung übertönt wird. PROST!

Wir appellieren daher an den Verein, dass er weiterhin den gemeinsamen Weg mit den Fans geht. Die Identität des Vereins beruht auf dem Bewahren seiner Tradition und des Miteinander. Nicht umsonst spricht man immer von der RAPIDfamilie. Der sehr schwierige Drahtseilakt des Wahrens der Tradition auf der einen Seite und des gleichzeitigen sportlichen Führungsanspruches auf der anderen Seite, was natürlich nur durch eine gewisse Kommerzialisierung möglich ist, hat in den letzten Jahren zu zwei Meisterschaften und einer Champions League Qualifikation geführt. Dies gelang ohne dass die wesentlichen Parameter, die den Verein und dessen Tradition ausmachen, verkauft wurden. Der Name des Vereins, die Farben, das Wappen und auch der Name des Stadions und des Block West müssen weiterhin unangetastet bleiben.

Die Grenzen sind mit dem Wien Energie Logo unter dem Wappen und der Umbenennung der Nordtribüne erreicht. Der nächste Schritt wäre die Integrierung eines Sponsorlogos in unser Wappen bzw. die Umbenennung des Stadions. Dann würde dieses vom Verein und auch uns jahrelang aufgebaute und gelebte Konstrukt aus Tradition, Leidenschaft und dem Kampf gegen den modernen Fußball wie ein Kartenhaus in sich selbst zusammenstürzen.

Wie schon erwähnt, solange der Name des Vereins, die Farben, das Wappen und auch der Name des Stadions und des Block West nicht angegriffen werden, wird es keinerlei Protestaktionen geben. Das Treiben rund um die aus Sponsorensicht gesehene „goldene Kuh" RAPID werden wir jedoch weiter mit Argus-Augen verfolgen.

Es liegt an uns Fans das zu bewahren, was RAPID wirklich ausmacht: TRADITION, KAMPFGEIST & LEIDENSCHAFT!

- ULTRAS RAPID BLOCK WEST 1988 - Wien, Oktober 2008 

Sponsor im Vereinsnamen

Dass der Vereinsname mit einem Sponsornamen verunziert wird, dürfte eine österreichische Spezialität sein:

Werbefrei sind nur LASK Linz, SK RAPID Wien und FK Austria Wien (noch nicht so lang)

Sponsorbehaftet sind alle anderen: Cashpoint SCR Altach, KSV Superfund, SK Austria Kelag Kärnten, SV Josko Fenster Ried, SK Punktigamer Sturm Graz, FC Red Bull Salzburg

In Deutschland ist es eigentlich nur Bayer Leverkusen, das aber eigentlich immer schon, denn die Mannschaft hat sich aus der Firma entwickelt, ähnlich wie seinerzeit VOEST-Linz oder Chemie-Linz. In Tschechien haben zwei Vereine einen verdächtigen Namen: Tescoma Zlin, Sigma Olomouc. Bei den großen Ligen fällt mir nichts derartiges ein.

Es dürfte eine Folge der vergleichsweise geringen Reichweite einfacher Werbung in Österreich sein, sodass die Firmen den Vereinen dieses Zugeständnis abpressen können. Mit Ausnahme von Red Bull wird das ja kein Verein gerne tun.

Auf einer der letzten Mitgliederversammlungen wurde der Kompromiss vorgestellt, der mit Wien Energie geschossen wurde: das Wien-Energie-Logo wird nur bei Schriftstücken des Vereins unterhalb des RAPID-Wappens angebracht, nicht aber auf den Dressen oder auf der Homepage. Ich habe den Eindruck, dass diese Abmachung von Wien Energie bisher nicht erweitert wurde und hoffe, dass die Vereinsführung diese Linie beibehalten kann.

Die Frage wird sich ja erst stellen, wenn man trotz all dieser Werbeaktivitäten mit dem Geld nicht das Auslangen findet und man den Mitglieder die Gretchenfrage stellen muss: "Was wollt Ihr? Weiter vorne an der Tabellenspitze mitmischen und den Namen verkaufen oder ins Mittelmaß absacken?" Und auf diesen Fall wird man sich vielleicht vorbereiten müssen. Firmen und Vereine melden ja positive Botschaften und bis einen Tag vorm Konkurs. Es ist daher von außen schwer zu beurteilen, wie es denn tatsächlich um den Verein steht.

Hoffentlich wollte der Flyer nur uns und den Verein vor diesem Szenario warnen.

In den Jahren 1974-1982 hieß RAPID tatsächlich RAPID-Wienerberger. Soweit ich mich erinnern kann, stand das auch so in den Tabellen der Tageszeitungen. In der gedruckten RAPID-Chronik ist das nicht unmittelbar sichtbar, weil immer nur die Gegner angegeben sind aber nicht die Paarungen. Es gibt aber Bilder in der RAPID-Chronik, hier jenes aus dem Jahr 1977/78:

Rapid-Wienerberger Mannschaftsfoto

Rapid-Wienerberger Logo
Man sollte das aber nicht dramatisieren, Finanzprobleme kommen in den besten Familien vor. Man hat ja nicht immer einen Finanzminister im Präsidentenamt.

Samstag, 25. Oktober 2008

Für Sponsoring

Heute, am 25.10.2008 wurde von den Rapid-Ultras ein Flyer verteilt, der die Werbung im Stadion kritisiert und eine Grenze erreicht sieht.

Ich frage mich, ob Rapid aus einem gegebenen System ausbrechen kann ohne gleichzeitig die Mitglieder zu einem bedeutenden Beitrag aufzufordern, um die Verluste auszugleichen? Bedeutet nicht ein Verzicht auf Sponsorgelder auch einen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit?

Das Finanzierungskonzept moderner Fußballklubs ist durch das mediale Umfeld vorgegeben. Sponsorangebote, die man selbst ausschlägt, bekommt der jeweils unmittelbare Konkurrent.

Wir können nicht erwarten, Sponsorgelder zu bekommen, ohne dem Sponsor die Öffentlichkeit zu bieten, die er sich erwartet. Und die besteht eben in der Präsenz im Stadion und damit indirekt auch in den Medien.

Ob diese Präsenz zu groß oder gerade vertretbar ist, ist natürlich von der persönlichen Einstellung abhängig.

Anlässlich des 32. Meistertitels wurde in deutschen Medien das Finanzierungskonzept von Rapid mit den vielen Kleinsponsoren belächelt. Aber dieses Konzept dürfte sich aus der Kleinheit des österreichischen Wirtschaftsraums ergeben. Da in Österreich nur etwa ein Zehntel der Zuschauerzahl der Deutschen Bundesliga erzielbar ist, sind auch die Sponsorgelder entsprechend geringer, daher braucht man mehr davon.

Wenn wir jetzt zu den Großen schauen, die lediglich eine einzige Marke auf den Trikots haben (zum Beispiel AIG oder Gazprom), dann sollten wir uns über unser kleinteiliges Konzept mit der geringeren Anhängigkeit von einem einzelnen Großsponsor eher freuen, denn wenn - so wie jetzt AIG - dieser Sponsor abspringt, kann das auch einen Großverein ganz schön treffen, und die Rezession kommt ja erst.

Die Diskussion erinnert an den Benzinpreis. Der Benzinpreis sind in unserem Fall die Betriebskosten des Vereins, in erster Linie die Personalkosten für die Spieler. Diese Kosten entstehen auf einem Markt. Die Regierung hier und die Vereinsführung da sind in ihrem Bemühen, diese Kosten zu verringern, auf verlorenem Posten. So, wie uns die Regierung nicht versprechen kann, etwas gegen den Benzinpreis zu unternehmen, kann auch die Vereinsführung nicht den Marktpreis unserer Spieler beliebig festlegen. Und diese Abhängigkeit vom Markt zwingt die Vereinsführung auch dessen Regeln zu befolgen.

Rapid hat zusätzlich einen Vorteil aber auch einen Nachteil zu tragen: einerseits ist Rapid eine begehrte Marke, sowohl bei den Spielern als auch bei den Sponsoren, sodass vielleicht junge Spieler nicht nur durch das Geld sondern durch den Namen angezogen werden; anderseits muss aber Rapid einen vergleichsweise großen Aufwand als Großklub bestreiten, braucht daher das Geld nicht nur für die Kampfmannschaft sondern auch für das Drumherum.

Übrigens sind Kirchen praktisch werbefrei (sieht man von der Verpackung des Stephansdoms während der Renovierungsarbeiten ab). Wenn Rapid eine Religion ist und wir das Finanzierungskonzept der Kirche, das uns aus unsäglicher Zeit erhalten geblieben ist (wie auch die in Österreich offenbar unausrottbare Ideologie) übernehmen, dann müssen wir "nur" erreichen, dass Rapidler Farbe bekennen. Nicht nur in der Diskussion, sondern auch durch Zahlung. Nehmen wir die kolportierte Zahl von 600.000 Rapid-Sympathisanten ernst, dann brauchen wir nur mehr dafür zu sorgen, dass alle diese Sympathisanten ihren Beitrag zu ihrer Religion liefern. Wenn nur jeder Zehnte Mitglied wird und die 100 Euro einzahlt, gibt das ein zusätzliches Jahresbudget von 6.000.000.

Das ist aber natürlich nur eine Milchmädchenrechnung, weil man genau das nicht schafft. Die Kirchen bekommen das Geld auch nicht freiwillig sondern durch Verordnung erreicht.

Ich freue mich daher darüber, dass ich durch meine Anwesenheit im Stadion, durch meine Mitgliedschaft, durch meine Einkäufe ein wenig dazu beitragen kann, dass die Marke Rapid jene Stellung hat, die es der Vereinsführung erlaubt, Geld aus dieser Beliebtheit zu schlagen und populäre und stabile Sponsoren an die Marke Rapid zu binden. Das notwendige Übel der Werbeaufschriften kann man durch die Einsicht abschwächen, dass eine Werbeaufschrift auf einer Leistung der Fans, der Mannschaft, der Vereinsführung beruht. Ein werbefreies Stadion hieße auch, dass es für Sponsoren unattraktiv wäre, zu werben. Rapid, unattraktiv?

Eine aktive Bekämpfung der Werbetätigkeit im Stadion ohne eine brauchbare Finanzierungsalternative sehe ich als riskantes Vorgehen und wünsche es nicht.

Fallweise Hinweise auf die Unantastbarkeit des Namens und den Stadion-Namen sind aber sicher gut, damit die Vereinsführung nicht die Richtung aus den Augen verliert. Aber schon beim Stadionnamen haben wir das Problem mit der Eigentümerschaft. Denn wenn die Gemeinde als Eigentümer draufkommt, dass man aus dem alten Gemäuer durch Umbenennung auch noch Geld herausholen kann, dann wird wohl nur ein Sternmarsch der Rapidler zum Rathaus als letzter Widerstand übrig bleiben.

Noch ein Nachtrag zum Flyer:

Wenn die Überschrift "Wehret den Anfängen" nur gewählt worden ist, um Aufmerksamkeit zu erregen, gut.

Was mir aber mehr Sorge macht, ist, dass sich ehrliche Anhängerschaft zur Idee RAPID mit einer weniger ehrenhaften Anhängerschaft zu längst vergangen geglaubten Idealen vermengt, und das gerade an einem Ort, wo das nicht erwünscht ist: im Stadion.

Man kann den Titel des Flugblatts daher auch in diesem Doppelsinn verstehen.

Man fragt sich, warum ein "Negermusik" verachtender Schiedsrichter gerade ein Spiel pfeift, das sich gegen den Rassismus wendet.

Man fragt sich, warum am Rasen gegen Rassismus agitiert wird und auf den Tribünen eine Ideologie laut wird, die gerade dafür eintritt und das gerade in einem Stadion eines Arbeiterfußballklubs.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Die Zahlen sprechen gegen Plautz

Vorschau Rapid:Mattersburg

Die Zahlen sprechen gegen Plautz:

RAPID gewann im Schnitt der letzten Jahre etwa 63% der Heimspiele, doch wenn Plautz pfeift, dann nur etwa 46%.

RAPID gewann im Schnitt der letzten Jahre etwa 35% der Auswärtsspiele, doch wenn Plautz pfeift, dann nur etwa 26%.
Davon gegen Mattersburg

2008-03-14 A 0:1 Niederlage
2007-07-25 A 2:3 Niederlage
2006-02-18 H 2:0 Sieg
2004-11-06 A 0:0 Unentschieden
2003-11-29 A 1:1 Unentschieden
Daher auch die Bilanz gegen Mattersburg mit Plautz-Beteiligung insgesamt negativ.

Jetzt zum Kaffeesudlesen: Der 25.10. ist ein guter Tag für RAPID: An einem 25.10. gab es 16 Spiele (8 Heim, 8 Auswärts). Nur ein Heimspiel war unentschieden, alle anderen gewonnen. Auswärts wurde nur ein Spiel verloren (gegen Fiorentina 1961), 2 waren unentschieden.

Seien wir zuversichtlich, Plautz kann ja an seiner negativen Bilanz arbeiten. Vielleicht stört ihn ja auch die RAPID-Tormelodie und er hätte lieber den Radetzkymarsch.

Wenn man Cup und Meisterschaft rechnet, fand das erste Spiel bereits am 12. 09. 1998 statt.

Die letzten 5 Heimspiele wurden nicht verloren (letztes Heimspiel am 10.11.2007 wurde mit 3:1 gewonnen).

Gesamt: 50% Siege, 21% Unentschieden, 29% Niederlagen
Heim: 80% Siege, 10% Unentschieden, 10% Niederlagen
Auswärts: 29% Siege, 10% Unentschieden, 43% Niederlagen

Interessant ist der Zuschauerschnitt in allen diesen Spielen, er ist nämlich auswärts höher als in Hanappi:

Zuschauerschnitt Heim: 12.370
Zuschauerschnitt Auswärts: 13.536

Also der Heimschnitt wird sich morgen sicher erhöhen, hoffentlich auch die Gesamtbilanz.