Donnerstag, 28. Oktober 2010

Rapid-Viertelstunde total

Die heutige Begegnung zwischen Rapid und Kärnten war nichts für schwache Nerven. Bis zur Rapid-Viertelstunde lief man einem Tor nach; und dann gab es gleich drei.

Laufende Saison:

RAPID hat 44 % der Tore, nämlich 13 von insgesamt 29 in der letzten Viertelstunde geschossen aber nur 9% der Tore in der letzten Viertelstunde erhalten, nämlich eines von insgesamt 11. So ausgeprägt war die RAPID-Viertelstunde schon lange nicht.

Ein kleiner Nachteil ist das hohe Herzinfarktrisiko für die Zuschauer. Ein bisschen weniger Bedeutung der RAPID-Viertelstunde kann Menschenleben retten.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Wer ist schuld...

...dass Rapid heute gegen die Retorten-Mannschaft von Magna Wiener Neustadt spielen muss?

Nun, vordergründig ist es wohl der Standort von Magna in Oberwaltersdorf und die Attraktivität des nahe gelegenen Wiener Neustadt, dass Frank Stronach dem dortigen Fußballverein eine Zusammenarbeit vorgeschlagen hat. Ich möchte aber etwas weiter ausholen und folgendes vorschlagen:

Schuld an dem heutigen Spiel ist eigentlich eigentlich der englische König Richard I. "Löwenherz". Und warum?

Nun, wie wir alle wissen, reiste damals (1192) der englische König über Triest Richtung England und wurde in Wien-Erdberg (Schwalbengasse 17) festgenommen. Nur gegen eine enorme Summe an Lösegeld von 23 Tonnen Silber wurde er wieder freigelassen. Der Babenberger Leopold V. wurde daraufhin exkommuniziert aber das hinderte ihn nicht, das Lösegeld für das Land einzusetzen:
  • "Münze Österreich" wurde gegründet (besteht heute noch)
  • Stadtmauern von Wien wurden errichtet (deswegen dürfte es un überhaupt in dieser Form geben)
  • Der Graben vom Stephansom zur Freyung wurdde zugeschüttet
  • Friedberg in der Steiermark und Hainburg an der Donau wurden befestigt 
  • bis 1957 wurde in den Schillingmünzen (und ihren Vorgängern) Silber verwendet (Hartwährung)
  • Wiener Neustadt wurde gegründet
Beziehen wir nun das morgige Spiel auf diese historischen Ereignisse vor 800 Jahren, dann können wir behaupten, dass ohne diesen Englischen König das heutige Spiel wohl nicht stattfinden würde. Allerdings würde es möglicherweise auch unsere Fußballkultur gar nicht geben, denn ohne die Wiener Stadtmauern hätte Wien den späteren großen Belagerungen nicht standgehalten und wäre überhaupt die ganze Geschichte anderswie verlaufen.

Alles Spekulation, natürlich, aber sie haben auch einen klingenden Namen: "Cleopatras Nose Theory", die im Prinzip dasselbe besagt, dass nämlich Kleinigkeiten in der Vergangenheit entscheidende Wirkung auf Ereignisse in der Zukunft haben. Hätte also Kleopatra nicht so eine hübsche Nase gehabt, wäre die Geschichte anders verlaufen.

Und weil eben Kleinigkeiten in der Gegenwart durchaus Wirkungen in der Zukunft haben (Chaostheorie), behaupte ich zum Abschluss, dass der Spielausgang wie wir ihn heute nachmittag erleben werden so sein wird, weil wir auch mit dabei sein werden. Unsere Anwesenheit (und die aller anderen Fans) wird für genau dieses Ergebnis verantwortlich sein, das wir heute nachmittag erleben werden. Und zwar egal, wie es ausgehen wird. Hätten wir (und alle anderen) uns entschlossen, nicht dabei zu sein, würde das Spiel anders ausgegangen sein.

Und das Schöne an der Geschichte: wir wissen es nicht und das ist gut so, denn sonst würden wir auch kein Interesse an dem Ergebnis haben.

Links


Dienstag, 5. Oktober 2010

Trainerfrage bei Grün-Weiß?

Die Ergebnisse im ersten Viertel der Liga sind ernüchternd: 0+0+3+3+3+0+0+0+3 = 12 Punkte, das sind 1.3 Punkte pro Spiel. Legen wir diese Zahl als Saisonergebnis zugrunde, dann gab es in der Rapid-Geschichte nur 7x ein so schlechtes Saison-Ergebnis: 1943 (kriegsbedingt), 1988, 1989, 1990, 1991, 1992, 2000.

Das Management muss zwischen Zufälligkeiten der Ergebnisse und einem Leistungs-Trend unterscheiden. Es wäre daher sehr hilfreich zu wissen, was der eigentliche Grund für die aktuelle Lage ist. Wir, Fans stochern herum ohne alle Randbedingungen zu kennen. Ein Ersatz des Trainers kann auch von einer gewissen Hilflosigkeit des Managements zeugen, wenn dieser gar nicht an der Lage verantwortlich ist. Man muss aber berücksichtigen, dass jeder weitere verlorene Punkt uns von dem (minimalen) Saisonziel "internationaler Platz" entfernt.

Niederlagen allein sind es nicht. Es ist ein Unterschied, ob eine Mannschaft gut spielt und dabei unglücklich verliert (wie beim Spiel gegen den VTK) oder ob sie durchschnittlichen Fußball bietet und dabei zufällig gewinnt (wie beim Salzburg-Spiel). Leider dominiert bei uns die Spielanlage "stereotyp und wenig variantenreich" mit den bekannten Ergebnissen.

Wenn die Zeitungsmeldung stimmt, dass man bereits beim Heimspiel gegen Kapfenberg im Fall eines Punkteverlusts einen Trainerwechsel als Plan B in der Schublade hatte, dann sollte man eine so wichtige Maßnahme nicht an den Zufälligkeiten eines Spiels aufhängen sondern an einem Trend, der nicht zu leugnen ist, egal, ob ein konkretes Spiel dabei gewonnen wird oder nicht. Fast könnte man angesichts der wenig hoffnungsvollen Lage eher für ein "Ende mit Schrecken" als einen "Schrecken ohne Ende" sein, leider aber mit dem bitteren Beigeschmack, dass man nicht wirklich weiß, ob man nicht möglicherweise nur ein Symptom aber nicht die Ursache trifft.

Vielleicht liegt der Wurm einfach in einer Abnutzung des Teams. Pacult ist der 40. Trainer bei Rapid. Gemessen an der Dauer seiner Arbeit ist er an der 5. Stelle. Vor ihm rangieren nur Bauer (297 Spiele), Schönecker (272), Körner (210+56+25+38+10) und Nitsch (201), Pacult (187), danach kommt Pesser (181).http://rapid.iam.at/statistics.aspx?id=trainer&id1=details&p=alle" (Sortieren nach "Einsätze").

Die meisten von uns sehen ja nur die Spiele, nicht das Training. Ich erinnere mich an ein Interview mit Zajicek in dem dieser über variantenreiches Tormanntraining berichtete. Er könne einen Monat oder länger trainieren ohne auch nur eine einzige Übung zu wiederholen. Wie schauen die aktuellen Trainings aus? Wird angesichts der Lage etwas verändert, gibt es ausreichend neue Ideen, die auch die Spieler wieder auf neue Spielideen bringen? Sind die Co-Trainer die richtigen? Mir erscheinen sie farblos und dafür, dass Fußball der schönste Beruf der Welt sein kann, etwas wenig emphatisch, was man bei Pacult nicht sagen kann.

Bei Pacult sieht man eher das Problem, dass er seine taktischen Ideen und Aufstellungen beim Interview absolut nicht vermitteln kann und vielleicht auch nicht will und gleich fragt man sich, wie er denn dann mit dem Spielern kommuniziert, wenn ihm das bei den Journalisten so schwer fällt? Und das würde ja alles nicht stören, sofern der Erfolg gegeben ist. Vielleicht ist sein Motto: "Theorie ist das, was man nicht versteht. Praxis ist das, was man nicht erklären kann." Aber ein Spruch aus der Schule besagt, dass man nur das richtig versteht, wenn man es auch erklären kann. Wenn also jemand mit seinem Handwerk mit Intuition erfolgreich ist, soll das gut sein, wenn aber der Erfolg nachlässt, wäre es vorteilhaft, wenn er es auch versteht, denn dann hätte die Intuition versagt und dann könnte er es - kraft Verständnis - auch bewusst verändern.

Man muss allen Mannschaften mit weit weniger Budget zu dem gratulieren, was sie aus ihren viel geringeren Mitteln herausholen. Mir scheint auch die Quote junger Eigenbauspieler bei Rapid eher gering zu sein. Bei den anderen Vereinen ist das Nachrücken junger Spieler ja oft mehr Not als Tugend aber wir verleihen mehr junge Spieler als wir selbst nutzen. Das aber wieder wäre eine Sache, die eher den Sportdirektor betrifft.

Über allem aber thront die Last der vorauseilenden Erwartung (der Journaille aber auch der Fans), dass Rapid der Favorit sei und gewinnen müsse. Das äußert sich bei den Ankündigungen, sieht man bei den Interviews und auch bei den Spielkommentaren. Es ist die Last der Vereinsgeschichte: "Hier kommt der Rekordmeister". Diesem Anspruch jederzeit zu entsprechen zu müssen, ist einfach auch ein bisschen unmenschlich und kann daher in einer unbewussten Abwehrreaktion der Spieler führen.

Freitag, 1. Oktober 2010

Ein Sieg der Fans

Gestern verlor Rapid gegen Besiktas Istanbul 1:2. Eine vermeidbare Niederlage?

Es gibt Tausende Trainer und alle wissen, was man tun sollte. Aber den Urgrund kann man keiner beseitigen, denn im Fußball kann man ein hohes Niveau ausschließlich durch entsprechende Gegner erreichen und in der österreichischen Liga gibt es die nicht.

Mängel in der Technik und im Mannschaftsspiel können nur durch Kampfgeist ausgeglichen werden. Das war auch gestern so.

Dennoch ein spannendes Spiel, immerhin entstanden die Tore durch vermeidbare Eigenfehler und war der Ausgleich noch möglich.

Aber Rapid-Fans machen die beste Choreografie, Rapid-Europa-League-Spiele haben den höchsten Zuschauerschnitt, Rapid verzeichnet die meisten Auswärtsfahrten (nicht gerade umweltfreundlich) in ganz Europa. Die Fans feiern sich selbst, wenn schon nicht den Sieg.

Für mich war die eindrucksvolle Choreografie und das enttäuschende Ende ein nicht untypisches österreichisches Schicksal:

"Bei einem Fußballspiel mit Choreografie und Gesang des Block West ist sogar verlieren schön." (In Abwandlung eines Zitats von Joseph Roth: "Bei den Klängen des 'Radetzkymarsch' stirbt es sich leicht.")