Montag, 15. November 2010

Rapidfans oder ASB?

Das Forum Rapidfans.at ist wenig tolerant. Andersartige Meinungen werden rasch unterdrückt, Objektivität ist nicht unbedingt gefragt.

Aber die einzigen, die einen Verein wirklich ausmachen, sind die Fans - bei Rapid kommt noch Andy Marek dazu. Alle anderen Akteure sind weitgehend austauschbar.

Die Spieler spielen den Fans eine Zuneigung zum Verein vor, die aber in Wahrheit eine reine Zweckbeziehung ist. Für ein paar Euro mehr sind sie jederzeit bereit, andere Farben zu küssen. Steffen Hofmann ist vielleicht ein bisschen anders.

Und da das so ist, ist mir ein Saurer genau so recht wie ein anderer, Hauptsache, er kann sein Können einbringen.

Es liegt am Verein und am Trainer diesen zusammengewürfelten Talenten den notwendigen Teamgeist einzuimpfen, dass die Summe der Einzelleistungen eben mehr wird als nur ein durchschnittliches Team - den Rapidgeist. Unser Trainer sieht das nicht als seine Aufgabe, daher wird er nur Durchschnitt ernten.

Die Gefahr ist, dass die Vereinsführung die Verpflichtung und den Verkauf von Spielern lediglich als Geschäft versteht, das dazu dient, den Fortbestand des Vereins zu sichern. Die Randbedingung dazu sind aber die Emotionen der Fans, die dieses Geschäft beeinflussen, so ähnlich wie die Ökologie eine wichtige Randbedingung in der Wirtschaft einnimmt. Ich habe gehört, dass es bei spanischen Klubs sogar Abstimmungen der Vereinsbasis über die Verpflichtung von Trainern oder Spielern gibt.

Meine Motivation, bei Rapidfans mitzutun ist die, dass mir aufgefallen ist, dass die ganze Szene ziemlich rechtslastig ist. Ohne jetzt eine gezielte gegen-Agitation betreiben zu wollen (das ist zu offensichtlich und hat keinerlei Wirkung), will ich mit moderaten Beiträgen das Klima ein bisschen beeinflussen.

Aber eines konnte ich dort doch auch lernen: ein unbeteiligter Betrachter der Fußballszene meint, dass alle Vereine gleichermaßen das Recht haben, der beste Verein zu sein, die besten Fans zu haben, die beste Mannschaft usw. Der Wettbewerb zeigt dann das wahre Ranking.

Aber Anhänger einer Mannschaft zu sein, bedeutet, dass man für 90 Minuten jede Objektivität vergessen darf und einer Idee bedingungslos folgen darf und sogar muss, um dieser Idee zum Erfolg zu verhelfen. Das scheint mir in unserer christlichen und durchdemokratisierten Welt psychisch sehr erleichternd, denn in allen anderen Situation muss man (mit Recht) Rücksicht auf andere nehmen und seine eigenen Bedürfnisse beschränken. Hier am Fußballplatz muss das nicht sein. Daher bewerte ich auch die verschiedenen untergriffigen Schlachtrufe nicht mehr so wie vor 10 Jahren.

Diese Unobjektivität ist nun im Rapidforum geradezu die Regel und ich habe das Gefühl, dass das dort auch so sein darf.

Schließlich habe ich die Hoffnung, dass die Gruppe der Ultras nicht nur radikal sondern auch lernfähig ist. Das Problem dieser Gruppe ist, dass es sich nicht um eine demokratische sondern eine sehr autoritäre Gruppe handel und das Verhalten der Gruppe stark von den jeweiligen Leithengsten abhängt. Solange diese eine Zusammenarbeit mit der Vereinsführung pflegen, üben sie einen positiven Einfluss auf die Gruppe aus. Leider kann aber eine solche Organisationsform auch ins Extreme ausarten - so, wie es altgediente Fußballplatzbesucher befürchten.

Für mich ist jedenfalls das ASB kein geeignetes Forum; das ASB ist eher dafür geeignet, kleineren Vereinen, die kein eigenes Forum verwalten können eine Plattform zu bieten.

Sonntag, 14. November 2010

Es geht bergab

Das gestrige Spiel gegen den Vorletzten in Mattersburg lässt nichts Gutes ahnen. Ein mit Mühe gerettetes Unentschieden zeigte deutlich wie schlecht die derzeitige Verfassung von Rapid ist.

Am Abgang von Boskovic allein kann es nicht liegen, denn der wurde während der Zeit seines Armbruchs eine lange Zeit ohne besondere Probleme ersetzt. Kann daher die derzeitige Unform allein am fehlenden Hofmann, Jelavic/Vennegoor liegen oder an einer Auswärtsschwäche?

Dass im Hanappi einfach besser Fußball gespielt wird dürfte stimmen. Die Kulisse motiviert RAPID und leider oft auch die Gegner. Es scheint fast so, als würden die Spieler durch die prächtige Heimkulisse etwas verwöhnt. Aber natürlich würde keiner der Spieler das zugeben.

Die Mannschaft scheint eher einen Mentaltrainer zu brauchen. PP erklärt sich ja in Interviews für die Spiellaune der Spieler nicht zuständig (das müssten sie mitbringen), daher muss das jemand anders machen. Ob ein Manager sich das erlauben kann, irgendetwas, was für das Funktionieren des Teams wesentlich ist, als "nicht in seinem Zuständigkeitsbereich gelegen" abtun darf, ist eine andere Frage.

Beobachter der RAPID-Trainings berichten oft, dass die Trainings, vielleicht mit Ausnahme des Konditionstrainings stereotyp und wenig abwechlungsreich sind - ähnlich wie das Spiel der Mannschaft derzeit.

Schaut Euch einmal die Seite der Trainer auf der RAPID-Homepage an: http://www.skrapid.at/9642.html

Bis hinunter zum kleinsten Mitarbeiter gibt es einen persönlichen Steckbrief, wo man Details zur Person, der Laufbahn und Privates erfährt; nur nicht bei den Ko-Trainern. Sind die so unwichtig? Wenn sie so unwichtig sind, warum hat man sie dann getauscht? Also sind sie wichtig! Warum gibt man dann nichts über sie bekannt? Ist ihnen das egal? Haben sich die schon je die Homepage angeschaut?

Warum bedienen wir uns nicht mehr der Quellen des eigenen Nachwuchses. Gerade heute haben wir wieder eine Lektion von einem Mattersburger Eigenbaustürmer Bürger, 22 Jahre bekommen. Die zeigen es uns vor, wie das geht.

Das wäre alles egal, wäre man erfolgreich. So aber hinterfragt man jedes Detail, dessen man habhaft wird, natürlich auch den Trainer. Der ist auch irgendwie ratlos. Er hat in seiner Verzweiflung die ganze Offensivabteilung getauscht und Trimmel und Nuhui haben in letzter Minute einen Punkt gerettet. Glück für RAPID, Glück für den Trainer.

Ich hoffe, dass das so ist, denn wenn das Trainer-Umfeld die Ursache ist, dann werden wir wegen der Aussage des Präsidenten, dass Pacult den Karren aus dem Schlamm ziehen soll, noch ein bisschen weiter nach unten abrutschen müssen, bis man Handlungsbedarf sieht.

Vielleicht ist die Verweildauer eines Trainers bei einer Mannschaft einfach durch einen mehr oder weniger deutlichen Abnützungseffekt limitiert, der allein nichts über seine Qualität aussagt. Der Erfolg war ja da, es ist aber im letzten Jahr deutlich schlechter geworden; durch ein neues Trainerteam, durch Abgänge, durch Angst vor Neuerungen, durch Abnützung eben.

Wir werden vermutlich morgen auf Platz 7 abrutschen und mit ein bisschen Pech (LASK gewinnt gegen Rapid und Kapfenberg gegen Ried), dann in der nächsten Woche weiter auf Platz 8 und dann sind wir auf Tuchfühlung mit der Abstiegszone. Dann kommt ein Derby mit einem extra motivierten Gegner und wir können die Weihnachtsfeier in die Nähe des Zentralfriedhofs verlegen; die Geier warten schon.

Ist vielleicht ein bisschen übertrieben aber im Fußball ist alles planbar, nur nicht das Ergebnis eines Spiels.