Samstag, 3. September 2011

Eine 8:2-Niederlage von Arsenal und kein Platzsturm

"Eine 8:2-Niederlage von Arsenal und kein Platzsturm", das waren etwa die Schlussworte von Gerhard Niederhuber beim Treffen mit dem Trainerteam beim Klub der Freunde des SCR.

Man sieht, dass die sehr sachliche und interessante Diskussion rund um die neuen Trainer dem Thema "Platzsturm" nicht ausweichen konnte.

Aber da gerade England als ein Musterland der Fan-Disziplin hingestellt wurde, möchte ich das durch meine eigenen Eindrücke beim Besuch englischer Stadien ergänzen.

Ja, das englische Publikum, wie man es heute erlebt, ist tatsächlich eine Art Musterknabe in Sachen Disziplin. Ein Zuruf eines Ordners genügt, und der wird auch sofort befolgt. In einem englischen Stadion erlebt man eine sehr disziplinierte heile Welt.

Das war aber nicht immer so. Vor etwa 25 Jahren waren englische Fans gefürchtet. Tragische Unglücke in Belgien, Heysel und England, Hillsborough mit Beteiligung radikaler englischer Fans änderten die Einstellung der Vereine gegenüber ihren Anhängergruppen, die dazu führten, dass radikale Gruppen aus dem Stadion gedrängt wurden und nur mehr der "pflegeleichte" Kommerzfan zurück blieb.

Wenn man nun als Tourist, durch die Gegenden um die großen Stadien wandert, wie zum Beispiel, City Stadion in Manchester, Anfield und Everton in Liverpool, Trinity Road in Birmingham, Westham oder Tottenham in London, dann hat man den Eindruck, dass die Menschen, die in diesen Gegenden leben, nicht gerade zu den Stadionbesuchern gehören. Die Preise der Eintrittskarten passen nicht zu den oft sehr verwahrlosten Siedlungen.

Dafür konnte man in den vergangenen Jahren immer wieder hören, dass es zwischen jugendlichen Banden zu Gewaltexzessen kam und Morde zwischen Jugendlichen an der Tagesordnung waren. Dass schließlich im heurigen Sommer diese Brutalität in diesen Vorstädten offen ausgebrochen ist, kann auch eine Folge dieser seinerzeit eingeleiteten Abweisung des problematischeren Publikums aus den Stadien gewesen sein.

Dazu muss man ergänzen, dass in England Fußball einen viel größeren Stellenwert hat als bei uns. Und dass die Vorstadtjugend heute durch kommerzielle Barrieren vom Besuch der Stadion ausgeschlossen ist, steigert den Frust und die Perspektivlosigkeit noch mehr.

Ich behaupte daher, dass die Ausgrenzungspolitik der 80er Jahre, die ganze Bevölkerungsschichten aus den Stadien gedrängt hat, eine Facette im Frust der Kinder dieser damaligen Generation ist.

Meine Schlussfolgerung aus dem Platzsturm am 22.5. wäre daher, keine Stadionverbote auszusprechen und stattdessen durch ein kollektives Bemühen (Heranführung der Randgruppen an das Vereinsgeschehen, Verpflichtende Übernahme von Arbeiten im Verein wie zum Beispiel Servieren im VIP-Bereich, Mitarbeit beim Training, Mitarbeit bei der Fanbetreuung...) für ein Mehr an gegenseitigem Verständnis zu sorgen.

Es muss uns bewusst sein, dass der Fußballsport eine sehr große Zahl völlig verschieden motivierter Besucher anzieht. Manche dieser Gruppen sind in problematisch und suchen die Anonymität der Masse in einem starken Fanblock.

Aber hier im Stadion haben sie ein Zuhause und im Normalfall gehören sie zu den durchaus willkommenen Stimmungsmachern. Was aber mehr zählt, ist ihre Integration in dieser Familie, auch dann, wenn sie der Gesellschaft problematisch erscheinen. Hier im Stadion kann man sie erreichen, hier kann man einen Dialog mit ihnen beginnen.

Denn was passiert, wenn man diesen Menschen auch noch die Perspektive dieser Rapid-Familie nimmt, das konnten wir im Fußball-Musterland England im heurigen Sommer brennen sehen.

Vielleicht ist das alles eine zu große Aufgabe für den Verein aber vielleicht ein weiterer Punkt der verstärkten Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Schließlich weiß man auch, dass man sich nur Freunde aussuchen kann, eine Familie aber nicht; die gehört zu Dir wie eine gute oder schlechte Angewohnheit und Du musst mit beiden leben lernen. Wenn man daher das Wort "Rapidfamilie" strapaziert, dann darf man es nicht nur in guten Zeiten als Werbung benutzen sondern muss auch in schlechten Zeiten dazu stehen.

Freitag, 2. September 2011

Was erwartet uns beim Derby?

Das schöne an der Zukunft ist, dass man sie nicht kennt. Alles andere ist langweilig. Und deshalb ist nicht, aber auch gar nichts, vorherbestimmt. So sehr wir uns bemühen, das tägliche Leben vorhersagbar zu machen, so langweilig wird es dann aber auch. Und weil es eben so langweilig ist, suchen wir nach einer Beschäftigung, in der die Ungewissheit noch eine große Rolle spielt, zum Beispiel den Fußball.

Die interessantesten Ergebnisse sind die seltenen. Wir können uns auch viel mehr freuen, wenn wir ein Ergebnis nicht erwarten.

Die Quoten für Sonntag laut William Hill: Austria: 1.9 X:3.4 Rapid: 4.0

Es scheint also etwa gleich wahrscheinlich zu sein, dass die Austria gewinnt (1) oder dass Rapid nicht verliert (X+2).

Ich bin dafür, dass Rapid nicht verliert.

Am Horr gab es in den letzten Jahren sehr viele Unentschieden. Für einen Tipp auf ein 2:2 würde man den 17-fachen Einsatz bekommen. nicht schlecht.

Wenn Salihi spielen darf, dann haben wir gute Chancen, nicht zu verlieren. Saurer und Schimpelsberger werden auch zeigen wollen, dass sie was können. Vielleicht ist ja die Schwächung durch die Ausfälle gar kein so großer Nachteil.

Migranten bei Rapid

Migranten bei Rapid

Migranten gehören zu den Stützen der Mannschaft. Aber wer weiß, was ihre Namen bedeuten?

  • Veli Kavlak  veli = 1.Vormund- 2. Heilig- 3. jemand, der für ein Kind verantwortlich ist; kavlak = Baum mit abgeschälter Rinde, Haut die beim Sonnenbrand abgeht, sich schälen
  • Tanju Kayhan  tanju = der Name, den die Chinesen den türkischen Gefangenen gegeben hatten; kayhan = der starke und mächtige Herrscher
  • Ümit Korkmaz  ümit = Hoffnung; korkmaz = der Furchtlose, jemand, der nicht aufgibt und mutig ist
  • Yasin Pehlivan yasin = Einleitungsbuchstaben der Koransure Yasin; pehlivan = Held (persisch))
  • Hamdi Salihi  hamdi= den Herrn preisen, Gott dankbar sein; salih = 1. geeignet, passend, brauchbar; 2. fromm, den Regeln der Religion anpassend
  • Muhammed Ildiz  ildiz = stern; muhammed (einer der weniger Namen, der einer Person folgt)

Quelle: Wikipedia



Viele türkische Namen können sowohl als Vornamen als auch als Nachnamen verwendet werden. Interessant zu wissen, dass in der Türkei Familiennamen erst im Jahr 1934 von Atatürk ("Vater der Türken") eingeführt worden sind. 

Frühere türkische und tschechische Migranten und Legionäre (Auszug)

  • Antonín Panenka panenka = Augenstern, Püppchen
  • Walter Zeman zeman = Edelmann
  • Josef Uridil uřídil = er hat gelenkt, gerichtet
  • Brüder Schediwy  šedivý = grau
  • Tomáš Došek  došek = Garbenbündel, Strohschaube
  • Josef Dworak dvořák = Hofer
  • Peter Hlinka  hlinka = Tonerde
  • Tomislav Knez kněz = Priester
  • Peter Orel orel = Adler
  • Eldar Topic  topic = Heizer
  • Franz Twaroch tvaroh = Topfen
  • Jozef Valachovic  valach = Wallach
  • Rudolf Vytlacil  vytlačil = ausgedrückt, verdrängt
  • Petr Voríšek  voříšek = kleine Nuss
  • Walter Vybiral  vybíral = ausgesucht
  • František Veselý veselý = lustig

Rapid und der Abstand zum europäischen Spitzenfußball

Rapid feierte einst Erfolge von europäischen Dimensionen. Wo sind diese Zeiten geblieben? Was war Schuld am Niedergang? Kann man etwas ändern?

Zuerst möchte ich von einem meiner Lieblingsspieler aus den ersten Tagen des Fernsehens berichten, von Ferenc Puskás. Seine Driblings bei Real-Madrid waren eine Augenweide. Und die Begegnungen mit Real Madrid waren sowohl für Real als auch für Rapid Meilensteine. Aber für Real zeigten die Pfeile nach oben und für Rapid nach unten. Die 50er Jahre waren der Knackpunkt.

Der Knackpunkt

Rapid war in diesen Jahren eine Mannschaft, die sich mit Real Madrid messen konnte. Alle (Bewerb-)Spiele gegen Real findet man hier: http://rapid.iam.at/statistics.aspx?id=perf&id1=opponent&detail=RealMadrid

Es was das Achtelfinale des Europacups der Meister. Nach der heutigen Auswärtstor-Regel wäre Rapid nach einem 2:4 auswärts und einem 3:1 zu Hause aufgestiegen. Damals aber gab es noch ein Entscheidungsspiel und das war unglücklicherweise auswärts in Madrid und wurde 0:2 verloren. Das war der Knackpunkt. Danach geht es mit Rapid eher abwärts und mit Real eher aufwärts.

Wie bedeutend aber Rapid damals war, zeigt der Umstand, dass für die Verabschiedung von Ferenc Puskás, des größten Spielers der damaligen Zeit, die Mannschaft von Rapid eingeladen wurde. Eine höhere Wertschätzung kann man einer Mannschaft kaum entgegenbringen. Ich erinnere mich gehört zu haben, dass Ferenc Puskás zuerst erwog zu Rapid in das nahegelegene Wien zu gehen. Als Ferenc Puskás Real Madrid altersbedingt verließ, kam gerade Johnny Bjerregaard als einer der ersten Legionäre zu Rapid.

Schon damals gab es aber zählbare Unterschiede. Während die Zuschauerzahl in Wien 50.000 betrug, zählte man in Madrid mehr als 100.000 Zuschauer.

Was dann genau den Rückgang des österreichischen Fußballs zur Folge hatte, ist nicht ein Umstand allein.

Jedenfalls kann man die Leistungen eines einzelnen Vereins nicht unabhängig von den Leistungen der heimischen Liga und der Nationalmannschaft sehen.

Vom Amateurfußball zum Profifußball

Es dürfte der Übergang von gemütlichen Vereinsfußball zum Profifußball gewesen sein, der diese Entwicklung begleitet. So sympathisch ein Walter Zeman von seinen Kollegen geschildert wird (er war gerne beim Heurigen und das dürfte auch mit seinem frühen Tod zusammenhängen), so wenig Platz hätte diese Gemütlichkeit im heutigen Fußballgeschehen, Diese Gemütlichkeit war aber möglich, solange es nicht ums Geld sondern nur um die Ehre ging.

Alle heute noch lebenden Legenden erzählen mit einer gewissen Wehmut wie die damaligen "Scouts" von Rapid auf den Abhängen des noch unbebauten Wienerbergs noch in den Nachkriegsjahren (erzählt von Walter Riegler) den Nachwuchs für Rapid rekrutiert haben. Von Rudolfhügel, Hertha, FavAc, Elektra usw.

Kinder von heute (besser ihre Eltern) spielen da nicht mit. Eine bessere Ausbildung ist gefragt. Und daran scheitern auch die besten Vorsätze. Beispiel: der Enkel von Robert Dienst, dem legendären Torschützenkönig spielte bis zum 8. Lebensjahr sehr erfolgreich im Rapid-Nachwuchs. Doch der Aufwand für die Eltern und die Abstriche, die einer besseren Schulausbildung entgegen stehen, ließen den Vater das Handtuch werfen. Aus ist's mit dem Talent, die Schule geht vor.

Junge Talente kann man nicht mehr wie früher einfach einsammeln sondern man muss sie heute mit viel Aufwand an den Profi-Fußball heranführen. Vielleicht hat man diesen Wandel im Schatten des Wiederaufbaus nicht erkannt oder es war einfach wirklich wichtiger sich am Wirtschaftsaufschwung zu beteiligen als am Fußballaufschwung.

Walter Riegler, Robert Dienst, wahrscheinlich der Großteil der damaligen Stars hatten alle einen Brotberuf. Es musste ein toleranter Dienstgeber sein, der die Fußballer bei Bedarf freistellte. Aber Fußball war für den Sportler nur ein Nebenjob. Das Geld verdiente er anderswo.

Auch der Verein war ein wirklicher Verein. Mit Kassier, Schriftführer und Präsident. Die Anhängerschaft bestand aus einem elitären Förderverein, dem man nicht einfach beitreten konnte; da musste man schon von jemanden dazu nominiert werden.

Dann kam aber der Wechsel zum Profifußball. Vielleicht war es so wie das dynamische Umschalten von Verteidigung auf Angriff: alle müssen den richtigen Moment erkennen und die Vorgangsweise konzertiert ändern. Es müssen praktisch von heute auf morgen Gelder aufgebracht werden, um die Spieler zu bezahlen. Wenn das entweder nicht erkannt wird oder durch Traditionalisten (des ham ma imma schon so gmacht) verhindert wird, dann ziehen vergleichbare Vereine/Länder auf und davon.

Auf der folgenden Grafik sieht man die Zuschauerentwicklung. http://rapid.localhost/statistics.aspx?id=graphics&id1=visitors Im gleichen Ausmaß als in den 50er Jahren die Zuschauerzahlen zurückgehen, schwinden auch die Erfolge, mit einem absoluten Tief in den 70er und 80er Jahren. Zuschauerzahlen sind aber gleichbedeutend mit Einnahmen und auch mit Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Fußballs. Ich glaube nicht, dass allein Rapid hier Versäumnisse vorzuwerfen sind, denn sonst hätten uns andere deutlich überholt (teilweise war das auch durch die Austria der Fall). Es war eher eine österreichische Art, nicht viel vom Fußball zu halten.

Jedenfalls verlaufen die Zuschauerzahlen von Rapid und der Bundesliga immer parallel, wobei Rapid immer deutlich über dem Durchschnitt liegende Zuschauerzahlen hat. Das heißt, Rapid hat sich nicht etwas vorzuwerfen, die Entwicklung ist nicht eine des Fußballs bei Rapid sondern eine des österreichischen Fußballs.

Wenn man einen Schuldigen sucht, würde ich jene vorschlagen, die die Zeichen der Zeit nicht richtig gedeutet haben und gemeint haben, alles könne so bleiben wie es war.

Ich vermute, dass man in Österreich die Bedeutung der Fan-Bindung nicht erkannt hat und dass man seitens des Vereins etwas für die Fans tun muss, will man die Zuschauer trotz der Konkurrenz durch das Fernsehen halten. Das hat bei Rapid erst Andy Marek in genialer Weise umgesetzt. Nicht nur, dass er die Verbindung zwischen dem Verein und den Fans herstellt, er ist diese Brücke auch ganz persönlich. Und das zeichnet die Rapid-Familie gegenüber den größeren kommerziellen Konstrukten der englischen Vorbildvereine aus. Rapid ist ein Verein, bei dem man nicht Kunde sondern Mitglied und Freund ist und auf dieser Grundlage solle man alle Überlegungen über eine bessere Zukunft aufbauen.


Der Wohlstand steht dem fußballerischen Erfolg entgegen

Der Wiederaufbau in Österreich und in Deutschland war eine Maschinerie, in der alle eingebunden waren. Fußball verlor seine Bedeutung für die Massen, den er in der Zeit nach dem ersten und nach dem zweiten Weltkrieg noch hatte.

Dieses Wiederaufbau-Phänomen ist typisch für Österreich und Deutschland. Entlegene Fußballhochburgen wie Schottland, England, Spanien, Frankreich waren davon nicht in dieser Intensität betroffen.

Genau in dieser Zeit wurde Deutschland Weltmeister und Österreich erreichte den dritten Platz. Und das in einer wirtschaftlich und politisch sehr tristen Zeit.

Genialer Fußball wächst auf einem sonderbaren Biotop der Tristesse der Lebensumstände armer Bevölkerungsschichten. Die größten Fußballer wie Pelé, Zidane, Eto'o und viele anderen stammen aus den allereinfachsten Verhältnissen. Der Leistungsdruck der Straße dürfte enorm sein und fokussiert sich mangels anderer Betätigungsfelder entweder in kriminelle Aktivitäten oder in besessene Fußballleidenschaft.

Wo hier bei uns gibt es dieses Biotop? Wir können nur mit der modernen Käfigkultur aufwarten und jenem Stürmer, der die dort erlernten Fähigkeiten perfekt umgesetzt hat: Ümit Korkmaz. Aber von seiner Sorte bräuchten wir mehr, viel mehr.

Der Sozialstaat ist der stabile Nachfolger der instabilen Zwischenkriegs-Republik und niemand wünschte sich diese zurück, nur damit wir bessere Fußballspieler hätten. Mittlerweile sind auch die Kinder der schwächsten sozialen Schichten, der Zuwanderer vom Sozialstaat wohlgenährt und damit für den Fußball verloren.

Zum Fußball gehört Hunger. Nicht nur der Hunger nach Essbarem sondern auch das Ziel, es auf diesem Gebiet zu etwas zu bringen. Und das erfordert einen Mangel, einen großen Mangel. Was wir auf der einen Seite als Sozialstaat schätzen, rächt sich bei der Rekrutierung junger, hungriger Fußballer.

Wir sprechen heute von der "neuen Armut" und definieren, wie gering das Haushaltseinkommen sein muss, um diese Armut zu beschreiben. Wie aber sind die Kinder in diesen Verhältnissen? Sie sind wohlgenährt, viele sind übergewichtig. Es ist eine Neue Armut, nicht eine existenzielle. Diese Neue Armut erzeugt keine Fußballer.

Das war nach dem Ersten Weltkrieg ganz anders. Hunger war allgegenwärtig. Eine warme Mahlzeit zu bekommen, war schon ein Motiv Fußball zu spielen (und wurde oft schon als Profifußball bezeichnet). Meine Großmutter hatte 1917 ein dreijähriges Kind aber zu wenig, um es zu ernähren. Es starb an der damals weit verbreiteten Tuberkulose.

Niemand wünscht sich solche Verhältnisse aber das waren ideale Bedingungen für die Rekrutierung junger Fußballer. Auf den weiten Wiesen vor der Stadt lernten die Kinder die Übersicht über ein großes Spielfeld zu haben. (Enge Verhältnisse wie in de brasilianischen Vororten oder in den modernen Käfigen bilden wieder andere Fußballertypen heran.) In dieser Welt des Mangels wuchsen die besten Talente heran. Fußballerisch gut war daher jene Großstadt, die über solche Verhältnisse verfügte.

Der Sozialstaat ist dieser Art von Scouting eher engegen gerichtet. So wie eben der Sozialstaat in der Zweiten Republik (teilweise nach schwedischem Vorbild) eingeführt wurde, verschwand auch die Basis für die damalige Art des Fußballs. Was auf der einen Seite eine Errungenschaft ist, dass es eben gelang, jedem ein ausreichendes Einkommen mit Kranken- und Sozialversicherung zu bieten, bedeutete für den Fußball eine Verkleinerung der Spielerbasis.

Und das hat sich bis heute nicht prinzipiell geändert. Nur sind viele neue Elemente dazu gekommen. Es gibt daher sowohl die Talenteschmiede der Spieler, die aus ärmsten Verhältnissen stammen http://www.brasilien.de/volk/sport/fussball/opium.asp aus Südamerika und Afrika (aber auch Spielertypen wie Wayne Rooney zählen in die Kategorie); es gibt aber gleichzeitig auch die kommerzialisierte, verwissenschaftlichte und systematische Ausbildung in den europäischen Ländern.

Wenn man aber die Zusammensetzung der Mannschaften der aktuellen Weltmeisterschaft betrachtet, stellt man fest, dass die europäischen Ligen die Bühne für den talentierten Nachwuchs aus den afrikanischen und südamerikanischen Ländern darstellt.

Was macht die große Zeit von Rapid und des österreichischen Fußballs aus?

Das hatte viel mit den politischen Befindlichkeiten nach den großen Kriegen zu tun. Ein nach dem Ersten Weltkrieg über Nacht verkleinertes Österreich fühlte sich ohnmächtig und bedeutungslos. Fußball kann nicht viel aber es kann den Menschen Kraft geben in einer Zeit, wo sie keine Hoffnung mehr haben. Ich habe das Gefühl, dass der Fußball der goldenen Zwanziger Jahre und auch darüber hinaus genau das gekonnt hat. Er hat die Massen mobilisiert, hat Arbeitslosenheeren Hoffnung gegeben. Und nach dem zweiten Weltkrieg gabe es eine ähnliche Aufbruchsstimmung. Schneller als Bagger und Kräne konnte Fußball eine heile Welt wiederauferstehen lassen und tat es auch.

Und warum ist es in Deutschland jetzt besser?

Vor allen anderen Gründen: ein Verein in der Deutschen Bundesliga verfügt über ein viel größeres Budget für dieselbe Leistung. Das liegt an den viel höheren Werbeeinnahmen und viel höheren Fernsehgeldern. Und das war seit dem Beginn der Kommerzialisierung des Fußballs so und reicht daher schon lange zurück. Daher konnte sich in Deutschland (und natürlich sinngemäß in den anderen großen Ligen) wirtschaftlich besser entwickeln und das bessere Spielermaterial aufbieten.

In Deutschland ist es schon früh gelungen, den Fußball als ein nationales Bindemittel zu verstehen. Patriotismus und Fußball gehören irgendwie zusammen. Deutschland hat die Chancen der Fußball-WM eindrucksvoll mit zahlreichen Stadionneubauten genutzt. Die Intergration der Zuwanderer gelingt in Deutschland in einem höheren Maß als es in Österreich der Fall ist. In Bielefeld saßen neben uns serbisch-stämmige Schalke-Fans und feuerten Schalke an. Die Zusammensetzung der Deutschen Nationalmannschaft ist ein Spiegel der deutschen Gesellschaft, wobei bei den Fußballern die Zuwandererquote noch viel höher ist als den realen Verhältnissen entspricht. Die halbe Nationalmannschaft stammt aus integrierten Zuwandererfamilien. Das erzeugt eine hohen wechelseitige Identifikation dieser beiden Bevölkerungsgruppen.

Das liebe Geld

Wir plakatieren gerne: "Geld spielt nicht Fußball" aber wir wissen es besser, denn ja, Geld spielt Fußball. Wir wissen zwar nicht genau wer von den großen Zehn im europäischen Klubfußball die nächste Championsleague gewinnt aber wir werden wieder - etwas gelangweilt - auch nächstes Jahr dieselben Paarungen im Fernsehen beobachten. Während unsere Spieler wieder frustriert einen Spätstart in die Frühjahrssaison hinlegen werden. Aber wir müssen gar nicht nach den Großen im europäischen Fußball schauen, ein Blick in die eigene Liga genügt. Wenn wir die Mannschaften nach ihrem Budget reihen, werden wir in etwa auch die Reihung in der Meisterschaft erhalten. Der heurige Einlauf entspricht genau diesen Zahlen: Red Bull, Austria, Rapid, Sturm. Und genau so sind die Budgets gereiht. Was freuen wir uns, wenn wir diese "natürliche Reihung" einmal umdrehen und als erster die Ziellinie passieren. Alles ist aber im Rahmen des natürlichen, zufälligen Geschehens. Mehr, als dass wir einen Goliath einmal ärgern, mehr ist es nicht.

Und noch viel größer ist die Geldschere im Vergleich mit internationalen (zum Beispiel dem deutschen) Fußball. Mit dem Budget (und den Zuschauerzahlen) von Rapid könnten wir gerade in der Dritten deutschen oder englischen Liga spielen. Was haben wir uns über den Aufstieg gegen Aston Villa, den Sieg gegen Hamburg gefreut, über die beiden Unentschieden gegen Celtic. Aber unter dem Strich hat es doch nur für den letzten Platz in der Gruppe gereicht. Und das entspricht auch der "natürlichen Reihung" des verfügbaren Geldes.

Ich war in der Nordbank-Arena in Hamburg und in der Trinity Road in Birmingham. Das sind um ein Vielfaches größere Geldbeschaffungsmaschinen namens Stadion. Nicht nur 4 mal so viele Plätze, auch 4 mal so viele Zuschauer, 5-10 mal so hohe Fernsehgelder, 5-10 mal so hohe Budgets. Mehr als die Rolle des David ist da nicht drinnen.

Wenn also der Wirtschaftsraum Österreich keine höheren Werbeeinnahmen zulässt, man aber dennoch ein internationaler Player sein will, müssten die Fußballklubs einer stattlichen, leistungsorientierten Förderung unterliegen, etwa wie beim (sehr erfolgreichen) ungarischen Staatsfußball der 50er Jahre oder dem (weniger erfolgreichen) DDR-Fußball. Das ist aber ein nicht realistisches Modell. Oder man muss sich zu einem größeren fußballerischen Wirtschaftsraum zusammenschließen.

Nicht genutzte Chancen

Der Fußball hatte in den letzten Jahrzehnten in Österreich kein großes Ansehen. Es muss aber etwas zählen, wenn die besten Mannschaften des Landes aufeinander treffen, denn Werbung braucht Öffentlichkeit und ohne Werbegelder kein konkurrenzfähiger Fußball.

Aber es schaut auch in der Gegenwart nicht viel besser aus. Die Euro war eine Jahrhundertchance und was ist daraus entstanden und was ist geblieben?
  • Innsbruck: nichts
  • Salzburg: ein Stadion für einen Retortenverein
  • Wien: nichts, was nicht schon da war
  • Kärnten: allein der Kärntner Landeshauptmann hat die Bedeutung des Fußballs für eine Region richtig gedeutet und auch der Stadionbau in Klagenfürt ist ein überraschendes Puls. Allein, es ist ein Stadion ohne Background, denn ohne die Rückendeckung des Landeshauptmanns wird es auch keine konkurrenzfähige Kärntner Mannschaft geben. Dass das Stadion am falschen Standort ist (ohne Bahn-, Autobahn-Anbindung) und im falschen Bundesland spricht stark gegen die Kompetenz der damals verhandelnden Fußballspezialisten.
Dass die Traditionsklubs Rapid, Austria und Sturm nichts, aber auch gar nichts aus der Euro mitnehmen konnten, ist ein Armutszeugnis, das kaum zu überbieten ist. Vereine die schon ein Jahrhundert lang den Fußball in Österreich tragen gehen bei dem Jahrhundert-Event der Europameisterschaft 2008 völlig leer aus.

Dass man mit einem neuen Stadion nicht gleich Weltmeister wird, ist klar aber man sichert dadurch einem Verein die Möglichkeit, über dem Umweg über höhere Einnahmen ein höheres Budget zu erwirtschaften.

Dass ein Stadion-Neubau auch wirtschaftlichen Randbedingungen genügen muss und soll, haben die Schweizer perfekt vorgeführt. Außer bei Letzigrund in Zürich sind alle Stadien Mehrzweckbauten mit einem Vielfachnutzen (Einkaufszentrum in Bern, Altersheim in Basel) sodass alle Nebenanlagen wie Parkplätze, Gastronomie auch neben den Spieltagen überlebensfähig sind und nicht so wie bei Rapid (Goleador) nach kurzer Zeit das Handtuch werfen müssen.

Ein Schmuckkästchen auf der grünen Wiese wie es das Klagenfurter Stadion ist, ist zwar schön aber mit einem sehr sehr geringen Nutzungsgrad verglichen mit dem eingesetzten Kapital.

Fußball braucht mehr Geld

Wenn wir uns mit regelmäßigem Ausscheiden in den internationale Qualirunden begnügen wollen, brauchen wir kein Geld. Wenn wir aber zumindest regelmäßig in den Gruppenphasen vertreten sein wollen, dann benötigen die Vereine mehr Geld. Die derzeit verfügbaren Gelder aus der Sportförderung sind viel zu gering, um beim Fußball etwas zu bewirken.

Fußball hat in Österreich einen zu geringen Stellenwert. Ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen kann für Werbung nur das bezahlen, was die Werbung wert ist, aber nicht mehr. Wegen des kleineren Marktes kann aus diesem Titel "Werbung" in Österreich zu wenig Geld erwirtschaftet werden. Daher wäre es in Österreich um so wichtiger, dass Klubs, die Bundesliga-Niveau erreichen, auch aus einem Sport-Fördertopf Gelder erhalten. Und das ist nicht unfair, denn der Fußballsport trägt aktiv (als Breitensport) und passiv (als positives Freizeitelement) zur körperlichen und emotionalen Gesundheit der Bevölkerung bei, ähnlich wie der Skisport.

Wenn daher die aus Fernsehen und Werbung zu erzielenden Erlöse zu gering sind, dann muss - wenn er das will - der Staat einspringen. Aktuelle Politiker hüten sich auszusprechen, dass sie etwas für den Fußball tun wollen (etwa einen Stadionneubau). Diese Situation ist in England und Deutschland ganz anders, weil dort der Fußball in viel stärkerem Maß in der Bevölkerung verankert ist und ein neues Stadion sich besser an die Wähler verkauft wie ein neues Krankenhaus. Wenn sich diese Situation verbessern soll, dann muss seitens der Fußballvereine viel in Lobbying investiert werden und viel am Image des Fußballs gearbeitet werden.

Damit Politikern den Fußball als positives Element verkaufen können, muss der Fußball für diese herzeigbar sein. Er muss einen Teil seines negativen Image ablegen und er muss den Politikern, die für diese Budget kämpfen auch jenes Image zurückgeben, das sie suchen.

Der einzige Politiker, den ich kenne, der das aktiv betreibt, ist der Bürgermeister Häupl (und eben der verstorbene Landeshauptmann Haider). Über die Gerechtigkeit der Verteilung dieser Steuergelder in Wien muss man nicht streiten: sie werden - völlig wettbewerbsverzerrend - weder proportional zur Anzahl der Mannschaften in der Bundesliga, noch zur Größe des Vereins, noch zum Erfolg des Vereins oder sonstwie nachvollziehbar einfach dem Lieblingsverein des Bürgermeisters - freihändig scheint mir - zugeschoben.

Aber es geschieht immerhin etwas. Und es hält ein traditionsreiches Derby am Leben, denn wer weiß, was aus unserem Lieblingsgegner nach dem Abgang des Mäzens ohne Hilfe der Stadt geworden wäre.

Mehr Werbegeld gibt es für mehr Öffentlichkeit durch den Fußball. Wie aber kann man mehr Öffentlichkeit erreichen?

Wir brauchen höhere Zuschauerzahlen. Rapid ist auf einem guten Weg, die Zuschauerzahlen steigen. Derzeit aber noch ohne zählbaren finanziellen Erfolg. Es geht nicht um ein paar Prozentpunkte, es geht um ein vollen Happelstadion bei den Top-Spielen. Aber das übersteigt auch die Zugkraft von Rapid.

Wenn wir nach England blicken, dann sehen wir, dass die dortigen Gemeinden sehr viel in Sportstätten investieren. Sie erschließen dadurch den Clubs höhere Einnahmen durch höhere Zuschauerzahlen. Ein Klub wie Rapid hätte in England oder Schottland oder Wales längst eine Kathedrale, nicht eine Ruine wie St. Hanappi. Dass wir das nicht haben, liegt einfach an den Wertigkeiten der Bevölkerung und damit der Politiker. Was wir am Sektor des Stadionneubaus bemängeln, begrüßen wir bei der sozialen Ausgeglichenheit unserer Länder und Städte. Wir haben keinen Wayne Rooney aber wir haben auch keine sozialen Schichten aus denen er stammt. Und da wir diese Schichten nicht haben, haben wir auch nicht die notwendigen Massen, die Spitzenfußball ausmachen.

Schottland und Wales sind anders

Schottland und Wales sind stark mit dem englischen Fußball verbunden. Der Spieleraustausch zwischen Clubs dieser Länder ist groß. Trotzdem wurde in Schottland laut darüber nachgedacht und möglicherweise schon beschlossen, dass beide Spitzenklubs Rangers und Celtic in der englischen Liga mitspielen. http://www.goal.com/de/news/835/premier-league/2009/04/01/1186526/bestatigt-celtic-und-rangers-in-die-premier-league Im Prinzip ist das eine Vorgangsweise, die auch die Spitzenvereine in Österreich verfolgen sollten, wenn sie europäisches Niveau erreichen wollen. Anders als in Österreich konnte man in Schottland wirtschaftlich mit den europäischen Spitzenklubs mithalten, doch fühlt man schon, dass der sportliche Abstand von Jahr zu Jahr größer wird und man dringend in einer größeren Liga mitspielen muss.

Der wichtigste Unterschied zu den österreichischen Verhältnissen ist, dass die Heimatgemeinde Glasgow mit nur 580.000 Einwohnern dem Club Celtic ein Stadion mit 60.000 Plätzen errichtet und gleichzeitig den Rangers ein solches mit 50.000. Und das ganz ohne eine Euro. Der Fußball ist den Briten einfach mehr wert als den Österreichern. Nicht nur, dass die Stadien mehr Menschen fassen, es gibt wahrscheinlich auch viel mehr Zuschauer vor den Fernsehern. Werbung in diesen Stadien oder bei diesen Spielen findet eine ungleich größere Öffentlichkeit als in Österreich und bringt daher auch viel höhere Einnahmen.

Alles in Allem haben die einfach viel mehr Budget, auch in Schottland. Nur die qualitätsvollen Gegner gehen ihnen allmählich aus.

Von einer solchen Fußball-Infrastruktur sind wir entweder noch weit entfernt oder werden sie vielleicht nie erreichen.

Sind wir selber schuld?

Und teilweise sind die Fußballfans in Österreich an diesen Verhältnissen und an dem Image des Fußballs mit beteiligt.

Wie schätzt der Durchschnittsbürger die Fußballer ein, wenn er hört, dass der Kapitän Andy Ivanschitz von den eigenen Fans auf das Allergröbste beschimpft wird.

Die Aktionen bei unseren violetten Freunden im Vorjahr haben ganz schöne Wellen geschlagen und blieben auch international nicht unbemerkt.

Und von denn immer wieder aufflammenden rechten Ausrutschern bei Fußballfans (fast aller Farben) ganz zu schweigen.

Und jetzt muss man sich in die Lage jenes Politikers versetzen, der sich für einen Stadionneubau einsetzen soll.

Rapid bilanziert nicht ausgeglichen.

Rapid benötigt ein Budget von etwa 16 Millionen Euro, davon sind aber nur 11 Millionen durch Eintrittsgelder, Fernsehgelder, Werbepartner und Merchandising abgedeckt. Damit nun das Budget ausgeglichen ist, muss Rapid 
  • in die Gruppenphase kommen und mit attraktiven Gegnern das Happel-Oval in drei Gruppenspielen füllen
  • bei Möglichkeit eine Top-Mannschaft für ein Eröffnungsspiel gewinnen (wie eben Liverpool im Vorjahr)
  • wenn beides nicht gelingt, müssen Spieler verkauft werden (damit wird Rapid zu einem Ausbildungsverein)
  • Gelingt beides nicht, dann muss Rapid derzeit einen Vorgriff auf Werbeeinnahmen der Folgejahre tätigen oder 
  • Rapid muss versuchen, attraktive Spiele der laufenden Saison (gegen RB und FAK) im Happel-Stadion auszutragen, um die Einnahmen aus den Spielen der Bundesliga zu erhöhen. hier sind aber die Fans gefordert auch wirklich in stattlicher Anzahl zu kommen. Das ist aber alles andere als gesichert, speziell, wenn es einmal nicht so gut läuft.

Was also müsste geschehen, damit wir wieder an bedeutender Stelle mitspielen können?

Es ist nicht vorstellbar, dass Rapid zu den europäischen Top-Klubs gezählt werden kann und gleichzeitig in der österreichischen Bundesliga mit Kapfenberg, Mattersburg, Kärnten und Ried um den zweiten Platz spielt. Wenn Rapid erstarken soll, dann muss das auch die österreichische Bundesliga. Europäische Spitzenklubs stammen aus starken Ligen. 

Wie kann man nun die Liga stärken?

Also die Übernahme von Austria Salzburg durch Red Bull ist schon eine solche Maßnahme, denn eine stärkere Liga bedeutet ja stärkere Gegner und genau das benötigt eine Mannschaft das ganze Jahr hinduch als Gegner, um dann auch in einem internationalen Vergleich zu bestehen. Wenn man auch die Symmetrie bei der Förderung der Wiener Spitzenklubs kritisieren kann (derzeit wird praktisch nur die Austria gefördert), so ist es für doch gut für die Bundeliga, denn es der Schaden hätte nicht größer sein können, wenn etwa die Austria nach dem Abgang von Stronach nicht mehr hätte finanziell mithalten können. Darunter hätte nicht nur die Austria sondern natürlich auch Rapid gelitten, denn welche Spiele sind schon ausverkauft? Jene gegen die Top-Teams, und davon können wir nicht genug haben.

Fußball ist ein Sport der Metropolen

...und nicht ein Sport der Provinz. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren nur die Wiener Vereine wettbewerbsfähig, weil nur die Wiener Verhältnisse eine ausreichende Zahl von Fußballern hervorgebracht hat. Damals gabe es ja keine künstlich zusammengewürfelten Mannschaften wie heute sondern man musste mit den Talenten der unmittelbaren Umgebung auskommen und die gab es naturgemäß nur in der Großstadt in ausreichender Zahl. Dass man heute in Mattersburg oder Kapfenberg Mannschaften aufstellen kann, gegen die auch Rapid so seine Schwierigkeiten hat, wird durch das heute verfügbare Kapital ermöglicht. Aber auch durch die Mobilität der Zuschauer, die aus einem viel größeren Einzugsgebiet kommen.

Aber: wirklich großen Fußball kann man nur in wirklich großen Metropolen erwarten. In Gebieten, wo große Menschenmassen ansprechbar sind. Denn die Mobilisierung der Menschen durch den Fußball ist es, die dem Fußball das notwendige Geld bringen. Man muss es schaffen, dass das einzige Stadion mit einer vernünftigen Größe, das Happel-Stadion bei Meisterschaftsspielen zu füllen. Rapid wäre schon längst bei den Top-Spielen dorthin ausgewichen, wenn man die 50000 Zuschauer schaffen würde. Aber man schafft es nur punktuell. Was in Deutschland oder England ganz selbstverständlich ist: ein volles Stadion fast unabhängig vom Gegner, das müssten wir erreichen. Dann gibt es auch mehr Werbegeld und wahrscheinlich auch bessere Fernsehverträge.

Es hängt aber direkt mit der Attraktivität der Gegner zusammen. Schon beim LASK ist nicht einmal St. Hanappi voll.

Aus diesem Dilemma sehe ich nur einen Ausweg: Eine übernationale Meisterschaft mit den Nachbarländern (die Eishockey-Liga macht es vor). Aber nicht so, dass unsere Spitzenvereine zum Beispiel in der Schweiz oder in Tschechien (oder umgekehrt) mitspielen, sondern in einer Einschaltung einer zusätzlichen Liga über der Bundesliga, vielleicht eine Neuauflage des Mitropacups. Diese Liga hat das Ziel: Mit attraktiven Gegnern für höhere Zuschauerzahlen und für mehr Werbegeld zu sorgen und die internationalen Startplätze festzulegen. Weiter bringt ein solcher überregionaler Bewerb etwas Wichtiges: eine Trophäe von Wert, denn die von der UEFA angebotenen Qualifikationen und die Gruppenphase bringen letztlich nur Frustration, denn nicht einmal der erste Platz in der Gruppenphase hat irgendeinen Wert.

Förderung von Spielern mit österreichischer Staatsbürgerschaft

Derzeit werden die finanzschwachen Vereine (das sind alle außer Red Bull) durch eine sonderbare Regelung dazu gezwungen, bevorzugt österreichische Spieler einzusetzen. Nur, wenn sie das tun, bekommen sie auch den ganzen Betrag aus den Fernsehgeldern ausbezahlt. Vereine, die mehr Österreicher einsetzen, bekommen auch mehr Geld. (Nach meiner Ansicht ist diese Vorgangsweise irgendwie uneruopäisch, denn es gibt ja bereits eine Niederlassungsfreiheit und es sollte eigentlich aus Sicht der EU keinen Unterschied geben, ob ein Arbeitgeber einen Inländer oder einen Ausländer beschäftigt. Fast scheint mir als wäre ein solcher Passus auf europäischer Ebene einklagbar.)

Aber was bekommt man dafür? Warum genau setzt ein Trainer überhaupt Ausländer ein? Ein Grund könnte sein, dass Ausländer oft zu einem geringeren Betrag zu haben sind und dass eben Menschen, die bereits den Sprung ins Ausland geschafft haben, flexibler und leistungfähiger als junge Inländer sind. Was auch immer der Grund ist: der Trainer erwartet sich bessere Leistungen. Und wenn er diese Leistungen von Ausländern bekommt, dann soll er sie nehmen (falls uns ein Meistertitel wichtiger ist als die Nationalität).

Wenn ich mich richtig erinnere, spielen zum Beispiel bei Arsenal überhaupt keine Engländer, nur Ausländer. Und was hat das für eine Folge? Nur die, dass England nicht Weltmeister wird. Das ändert aber nichts daran, dass die englische Liga zu den besten der Welt zählt, wenn es nicht überhaupt die beste Liga der Welt ist.

Wenn wir Meister werden wollen, müssen wir dem Trainer Freiheit bei der Wahl der Spieler geben und wir müssen ihm auch die bestmöglichen Spieler zur Verfügung stellen. Wenn wir aber österreichische Spieler fördern wollen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir nicht Meister werden. Das wird dann jener Verein, der sich um diese Regel nicht kümmert.

Man muss sich um die österreichischen Spieler, die in der österreichischen Liga keinen Vertrag bekommen, nicht sorgen. Es drängen ohnehin alle ins Ausland und ein heimischer Wettbewerb um Spielplätze wird die Spieler mehr ins Ausland ausweichen lassen.

Die österreichische Nationalmannschaft meint ein Problem zu haben, nämlich jenes, dass es im Inland zu wenige Österreiche für das Team gibt. Das spielt aber keine Rolle, wenn man die Spieler ja aus den ausländischen und meist stärkeren Ligen holen kann. Derzeit kann der Teamchef jederzeit ein Team aus Legionären zusammenstellen, die allein in der deutschen Bundeliga spielen. (In der Krone-Ausgabe vom Wochenende war das Ösi-Team in der Deutschen Bundeliga abgebildet.) Das sollte doch genügen, denn dass diese Liga gut genug sein müsste, kann man ja an den Ergebnissen bei der WM ablesen.

Ausländer im Rapid-Team?

Stimmen aus dem Publikum: nur gut spielende Ausländer sind gute Ausländer. Aber wehe, wenn der ausländische Spieler einen Fehler macht! Dann möchte man lieber nichts gehört haben. Ich fürchte, dass dem Rapid-Anhang ein Rapid-Team aus Ausländern wenig behagen würde. Traurigerweise muss ich feststellen, dass wir dafür noch nicht reif sind, vielleicht auch nicht so bald sein werden.

Engländer sind höchst erstaunt über die am Kontinent herrschende Xenophobie. Das ist etwas, was auf der Insel wenig bekannt ist. Man identifiziert mit Afrikanern genau so wie mit Spielern vom Balkan oder aus der Türkei. Allein die Leistung zählt.

Wenn wir daher Leistung wollen, dann müssen wir nach erfolgshungrigen Spieler suchen und ihnen in unserer Liga Geld und Anerkennung bieten. Wir müssen uns aber damit abfinden, dass diese erfolgshungrigen Spieler nicht unbedingt Wiener oder Österreicher sein werden. Es werden viele Zuwanderer dabei sein, und viele werden überhaupt nur wegen des Fußballs zuwandern. Aber wir müssen diese Spieler lieben lernen, so wie wir einen Jimmy Hoffer lieben. Und das ist in diesem Land keine leichte Übung.

Red Bull zeigt vor, wies geht

Klar sind wir gegen die Klubs mit Eigentümern, klar spielt bei uns ein Fußballgott und nicht das Geld.

Aber das Beispiel Red Bull zeigt vor, dass Regelungmechanismen wie eben der Österreichtopf der Bundesliga klar gegen die Leistung der einzelnen Vereine gerichtet ist. Ein leistungsorientierter Fußballklub muss frei in den Entscheidungen den Spielereinsatz betreffend sein. Red Bull will international konkurrenzfähig sein und beschäftigt daher die besten Spieler, die man in unserer Liga bekommen kann, egal, ob es Inländer oder Ausländer sind, egal, ob das dem ÖFB passt oder nicht. Die Folge ist, dass nur wenige inländische Spieler den Sprung in die Kampfmannschaft von Red Bull schaffen.

Rapid kann schon beim Einkauf der Spieler nicht mithalten aber Rapid kann nicht einmal mit der best möglichen Mannschaft (für das vorhandene Geld) auflaufen, denn die bestehenden Einschränkungen bei der Spielerauswahl führen dazu, dass ausländische Spieler (unabhängig von ihrem Spielniveau) weniger wertvoll sind, weil man sie nicht in jedem Spiel einsetzen kann, weil man dann die Vorgaben der Bundesliga verletzt.

Anschluss

Der Anschlussgedanke reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Heute ist er wirtschaftlich praktisch vollzogen, nicht aber sportlich. Was wäre, wenn Rapid - so wie in den Kriegsjahren - in der Deutschen Bundesliga mitspielen würde. Abgesehen davon, dass das nicht ginge, Rapid müsste sich dort wahrscheinlich wie Red Bull Leipzig aus den niedersten Liga nach oben kämpfen, was eben nur mit einer neuen Mannschaft funktionieren würde. Aber nehmen wir einmal an, es wäre möglich. Also Rekordmeister wären wir dann einmal nicht. Aber dass wir dann auch in dieser Liga mitmischen könnten, daran zweifle ich keine Sekunde, denn wenn statt Kapfenberg, Mattersburg und Ried der HSV, Schalke und Bayern-München bei uns in Wien spielen, wäre die derzeitige finanzielle Situation überwunden und Rapid mit einem Mal international konkurrenzfähig. Nicht das wir gleich Deutscher Meister werden würden (immerhin ist das schon einmal gelungen) aber dass wir mit den deutschen Mannschaften mithalten könnten, daran habe ich keine Zweifel.

Aber leider ist das wegen des unmöglichen Einstiegs in die deutsche Bundesliga nur eine Phantasie. Aber eine Phantasie, die Didi Mateschitz mit Red Bull Leipzig umsetzt.

Betrachten wir einmal die aktuelle Situation. Damit irgendeine österreichische Mannschaft im europäischen Klubfußball wettbewerbsfähig wird, muss die österreichische Bundesliga ein starke Liga werden oder muss die österreichische Mannschaft in einer starken Liga spielen.

Wege zum europäischen Niveau

Didi Mateschitz zeigt, dass er das erkannt hat. Nicht nur, dass er versucht, seine Salzburger Mannschaft auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen, es ist ihm auch klar, dass das erreichbare Niveau durch die Qualität und Attraktivität der österreichischen Bundesliga begrenzt ist. Daher hat er auch damit spekuliert, seine Salzburger Mannschaft in der Deutschen Bundesliga mitspielen zu lassen, was aber daran scheitert, dass man eben ganz unten, in der untersten Liga beginnen muss und dieser Weg sehr steinig ist.

Die Reste der ehemaligen Austria Salzburg http://www.austria-salzburg.at/saison/ zeigen diesen Weg in Österreich erfolgreich auf, immerhin spielen sie in der kommenden Saison bereits in der Regionalliga mit den Red Bull Amateuren und werden wohl eher früher als später auch den Aufstieg in die erste Liga schaffen. Und genau diesen Weg bestreitet Didi Mateschitz in Deutschland mit den Red Bulls Leipzig http://redbulls.com/soccer/leipzig/de/home.html wo man mit 22 Punkten Abstand die dortige Regionalliga gewonnen hat und heuer in die Dritte Bundesliga aufsteigt.

Jede Leistungssteigerung der heimischen Liga hilft den Vereinen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Allein die Existenz von Red Bull und der Millionen des Besitzers bringen Geld in die Liga ein, dass ansonsten anderswo investiert werden würde. Und genau das brauchen wir: Top-Gegner. Dem Top-Gegner Red Bull Salzburg haben wir es also auch zu danken, dass wir die Gruppenphase der Europa-Liga erreicht haben, so kurios das klingt.

Auch wenn der Rapid-Anhang Berührungsängste mit Geldgebern wie Stronach und Mateschitz hat (immerhin sind die Beziehungen zwischen Stronach und Austria an der Ablehnung der Fans zerbrochen - und das wäre bei Rapid kaum besser; Manu-Fans sind da ganz ähnlich: "love manchester hate glazer" http://blogs.tampabay.com/bucs/2010/03/love-manchester-hate-glazer-man-u-takeover-bid-continues.html), so müssen wir uns wünschen, dass sie ihr Geld in unserer Liga (und nicht anderswo) investieren. Das sind zwei Fliegen auf einen Schlag: wir bekommen neue Feindbilder (das ist gut für die Zuschauerzahlen, gut für die Stimmung) und wir bekommen leistungsstarke Sparringpartner (das ist gut für das Spielniveau der Liga), die unseren Spielern eine Leistung abverlangen, die auch international abgerufen werden muss.

Leider sind diese Geldgeber nicht so weit verbreitet wie es erforderlich wäre; genau genommen bräuchten wir neun davon. Für jeden der Gegner in der Bundesliga einen :-) Diese Geldgeber haben auch den Vorteil, dass für die anderen Bundesliga-Vereine mehr Werbemittel verbleiben, denn Red Bull ist zum Beispiel Alleinsponsor und auch Magna würde ohne Austria nicht in der Bundesliga geworben haben, daher bleibt der ganze Werbekuchen für die restlichen Vereine.

Wäre es möglich, in einer stärkeren Liga mitzuspielen?

Das Beispiel Red Bull Salzburg zeigt, dass es praktisch nicht geht und man (wie bei Red Bull Leipzig) ganz von unten beginnen muss.

Man kann aber eine eigene Liga gründen, die über der nationalen Bundesliga angesiedelt ist und die länderübergreifend konzipiert ist und an der sich mehrere Kleinstaaten beteiligen, die im Prinzip alle mit denselben Problemen wie die Österreichische Bundesliga kämpfen. Die ersten Vereine in der Bundesliga steigen in diese übernationale Liga auf und erst die Erstplatzierten in dieser Superliga nehmen an den europäischen Bewerben teil.

Die Superliga, die durchaus Ähnlichkeiten mit dem seinerzeitigen Mitropacup haben kann, besteht aus den Top-Vereinen benachbarter Länder. Sie sichert größere Öffentlichkeit, mehr Fernsehzuschauer, mehr Geld aus Werbeeinnahmen, höheres Spielniveau. Alles Merkmale, die für europäische Spitzenklasse erforderlich sind. Eine überregionale Liga bestehend aus Mannschaften aus Schweiz, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und eben Österreich, das hätte was.

Was steht daher dem internationalen Durchbruch entgegen?

  • Zu wenig Kapital
  • Xenophobie
  • Lenkungsmaßnahmen, Protektionismus
  • Stärke (Schwäche) der Liga, Kleinheit des Wirtschaftsraums
  • Zu geringe Wertschätzung des Fußballs durch das Publikum und dadurch
  • Zu geringe Zuschauerzahlen und dadurch
  • Zu geringe Bedeutung des Fußballs für die Politik

Wenn ich was z'reden hätt', dann würd' ich

  • eine überregionale Liga gründen mit den Spitzenvereinen, der Nachbarländer (weil wir sonst das spielerische Niveau nicht erreichen)
  • ab sofort Ausländern ungehinderten Zugang zur Liga gewähren
  • leistungsabhängige Bezahlung bei Spielern und Trainern einführen (da der Spielerfolg das Budget des Vereins maßgeblich mitbeeinflusst, müssen die Spielergehälter sich am Erfolg oder Misserfolg des Vereins beteiligen und das bitte nicht nur im Fußball sondern bei allen Arten erfolgsorientierer Verträge, wie auch jenen von Bankmanagern; Bonus bei Meistertitel, kleinerer Bonus bei internationalem Platz, sonst aber deutlicher Malus. Wenn Rapid zwei bis drei Jahre einen internationalen Platz verpasst, ist entweder Konkurs oder Gesundschrumpfung angesagt und davor muss der Malus schützen.)
  • Lobbying bei Politik und Wirtschaft betreiben. Aber auf ÖFB- und Bundesliga-Ebene. Damit der Fußball auch in der Öffentlichkeit den Stellenwert bekommt, den er in Deutschland un England hat.

Wohin mit Rapid?

Der Rekordmeister hat Platzprobleme. Das Hanappi-Stadion ist in schlechtem Bauzustand und für Spitzenspiele viel zu klein. Noch vor dem Stadion ist die Nachwuchsakademie dran. Es ist also noch Zeit. Aber was kommt statt dem Hanappi-Stadion?
Wäre bei uns eine Fußballbegeisterung wie zum Beispiel im Ruhrgebiet oder in Spanien gegeben, würden sich die Politiker darum reißen, einen Stadionneubau an ihre Fahnen zu heften, wüssten sie doch die Wählermassen hinter sich.

In Österreich hat aber Fußball eine weit geringere Popularität. Mit neuen Stadien kann man nicht punkten. Wenige aktive Politiker verirren sich ins Stadion.

Die Ausnahme war weiland Jörg Haider, der keinerlei Berührungsängste hatte und der die Popularität des Fußballs und für seine Auftritte nutzte und der es auch geschafft hat, einen völlig unsinnigen Stadionbau in die Wiese zu setzen. Seine Nachfolger sehen diesen Zusammenhang zwischen dem Fußball und der Politik nicht und schon sind die Vereine weg vom Fenster.

Für Rapid ist weit und breit kein Politiker in Sicht, der diese Mechanismen für sich und für Rapid ausnützen wollte. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Happel für die Gemeinde die Lösung ist, mit der sie sich am billigsten aus ihrer Verantwortung gegenüber dem populärsten Club im Land ziehen kann.

Wie wir aus dem Mund von Andy Marek wissen, ist es kein Problem, Gutachten über den schlechten Bauzustand unseres Stadions zu bekommen, wenn man danach fragt.

Man kann daher seitens der Gemeinde eine solche Übersiedlung auch durchsetzen, wenn "Gefahr im Verzug" ist.

Wenn es also bei diesen schlechten Aussichten und der offensichtlichen technischen und rechtlichen Probleme eines Neu-, Um- und Ausbaus irgendeine andere realistische Alternative in der Nähe (Bahngelände, Auhof) oder aber auch anderswo (Transdanubien) gäbe, die auch der Stadt nutzt und daher realisierbar ist (zum Beispiel als Multifunktionsstadion), sollte man religiöse Überlegungen einmal beiseite schieben und nicht gleich aus ideologischen Gründen an einen kollektiven grün-weißen Selbstmord denken.

Obwohl das nur von einem Bezirkspolitiker dahergesagt wurde, ein Standort in Auhof könnte auch für die Gemeinde attraktiv sein. Die ohnehin zweckmäßige U-Bahn-Verlängerung würde damit gleich erledigt, das brachliegende Gelände wird genutzt. Die religiösen Gefühle der Rapidler könnte man mit einer zwar etwas skurrilen aber sicher möglichen Änderung der Bezirksgrenzen berücksichtigen.

Aber auch weiter weg liegende Standorte sollte man nicht einfach verwerfen. Es gibt viele Beispiele von Vereinen, die man sich in Ruhe anschauen kann, die auch den Stadtteil gewechselt haben und die es noch immer gibt und die auf keinen Fall zurücktauschen würden.

Das sich Einbetonieren "Wir san in Hütteldorf daham", wie es in Reden unseres Präsidenten immer wieder anklingt, ist zwar Musik in des Rapidlers Ohren aber weniger kategorische Festlegungen wären bei so geringen Chancen auf eine Realisierung des Neubaus in der Keisslergasse besser.

Man muss ich ja nur daran erinnern, dass der ursprüngliche Standort an der Seltzergasse im 15. Bezirk von der Stadtenwicklung überrollt wurde und in gewisser Weise wäre das jetzt wieder so, denn die Gegnerschaft der Anreiner ist ein wesentliches Hindernis für Neubauten am Standort.

Man stelle sich einmal nur theoretisch eine Abstimmung unter Mitgliedern vor (wenn andere Lösungen nicht bestehen), mit der Frage: "Happel oder Neubau in Transdanubien?" Nicht, dass ich das wollte aber bevor man sich das Happel antut...

Rapid ohne Hofmann und Ivanschitz

Nach dem Abgang dieser beiden Führungsspieler im Dezember 2005 folgte ein Krisenjahr.

Steffen Hofmann spielte wieder ab 11.11.2008 im Rapid-Dress, also ziemlich genau im Kalenderjahr 2006.

Wie war die Leistung von Rapid vorher, während und nach dieser Zeit?

Damit die Leistung möglichst vergleichbar ist, werden nur Ligaspiele betrachtet, denn Cup und internationale Spiele könnten diesen Vergleich in die eine oder andere Richtung verzerren.

Vergleich

Jahr sp S   U   N   Pkte Besuch Tore
2005 37 49% 22% 30% 1.68 12.595 1.7 Hickersberger
2006 35 26% 31% 43% 1.09 11.606 1.2 Zellhofer/Pacult
2007 38 50% 21% 29% 1.71 13.033 1.7 Pacult
2008 35 66% 17% 17% 2.14 14.839 2.5 Pacult

Wir wissen nicht, wie groß der Einfluss von Zellhofer ist, denn seine Zeit fiel gerade mit der Zeit zusammen als Steffen Hofmann nicht bei Rapid war. Steffen Hofmanns fiel gleich nach dem ersten Spiel bei seiner Rückkehr in Ried aus und Zellhofers Performance blieb schlecht.

Wie immer man diesen Umstand aber bewertet. Fest steht, dass Rapid nach dem Abgang von Ivanschitz und Hofmann Ende 2005 im darauffolgenden Jahr 2006 deutlich schlechtere Erfolge verzeichnete. Mit Pacult kamen die Erfolge, die zwar nicht ganz an die historischen Erfolge der 50er Jahre anschließen können aber das waren auch andere Fußballzeiten.

Man sieht aber auch eine direkte Auswirkung auf die Zuschauerzahlen, gar nicht zu zählen, dass ja kein internationaler Bewerb erreicht wurde. Eine schlimme Zeit für Rapid!

Um diese Zahlen zu verifizieren kann man so vorgehen:

http://rapid.iam.at/default.aspx?id=games&id1=search
  • Rechts: National Meisterschaft einstellen
  • Links Zeitraum: Jahr und dann die Jahre verändern
  • In der Mitte "Relativ" wählen

Donnerstag, 1. September 2011

Fernsehen und Fußball

In Österreich erfolgt die Verteilung der Fernsehgelder proportional an die Vereine (mit einer Auländerklausel, die von allen Vereinen außer RedBull eingehalten wird). Davon profitieren aber die Kleinen, bzw. die konkrete Leistung des Vereins ist eigentlich egal.

Dazu zwei Vergleiche:

Wenn jemand arbeitslos wird oder in Pension geht, dann richtet sich sein Bezug nach der Höhe seiner Aktivbezüge. Eine große Wohnung, ein Haus müssen ja erhalten werden. Seine Leistung als Aktiver wird daher honoriert. Das ist die eine Möglichkeit.

In der Schweiz aber gibt es für alle Pensionisten einen einheitlichen, bescheidenen Bezug. Will man/frau mehr, muss dafür Versicherungen bezahlt haben. Man kann beiden Möglichkeiten etwas Positives abgewinnen.

Fußballvereine sind aber keine Pensionisten; man kann daher Wünsche nach einer Selbstvermarktung der Großen durchaus verstehen.

Bei den Fußballvereinen müssen die Großen auch einen größeren Betrieb am Laufen halten. Außerdem sind sie es, die die Zuschauer an den Fernseher locken.

Da aber eine Selbstvermarktung der Großen die Kleinen ziemlich unter Druck setzen würde, wäre - um so eine Zweiklassengesellschaft zu verhindern - eine größenproportionale Verteilung der Fernsehgelder ein realistischer Kompromiss gegenüber einem Alleingang mit ungewissem Ausgang.

Drei-Punkte-Regel und das Päpstliche am Fußball

Die Fifa hat ab der Saison 1995/96 die Drei-Punkte-Regel eingeführt, d.h. für einen Sieg wurden nicht mehr zwei sondern drei Punkte vergeben. Die Absicht war, Anreize für Offensivfußball zu bieten.

Christoph Biermann berichtet in seinem Buch "Die Fußball Matrix" auf Seite 77, dass bis zur Saison 1994/95 im Schnitt etwa 3 und mehr Tore pro Spiel gefallen sind, dass diese Grenze aber nach Einführung dieser Regel nie wieder überschritten wurde. Biermann berichtet weiter, dass die Anzahl der Tore pro Spiel in den großen Ligen bis auf einen Wert von 2.1 Toren pro Spiel fiel, nur in der Bundesliga war der Wert noch auf etwa 2.7.

Das heißt, die Einführung der Drei-Punkte-Regel brachte gerade das Gegenteil des gewünschten Effekts. Die Mannschaften versuchten vielmehr, die Defensive zu stärken. Wenn man daher ein bestimmtes Verhalten belohnt, bedeutet das nicht gleichzeitig, dass die eigenen Anstrengungen verstärkt werden, sondern es kann auch bedeuten, dass die Bemühungen des Gegners sabotiert werden. Und genau das geschah durch die Drei-Punkte-Regel.

Auswirkung der Drei-Punkte-Regel bei Spielen von Rapid

Die Zahlen in Biermanns Buch waren Anlass, die Torquote für Rapid-Spiele zu ermitteln. Hier das Ergebnis:

Bis 1995 fielen 3.2 Tore pro Spiel und nach 1995 nur mehr 2.8 Tore, das entspricht also ziemlich genau den internationalen Werten. http://rapid.iam.at/statistics.aspx?id=perf&id1=POINTSFORWIN&p=&pmode=2&pview=0

Da es sich bei einer einzelnen Mannschaft bei diesen Schwankungen auch um individuelle Leistungsschwankungen handeln kann, sollte man versuchen, den Effekt der Leistungsschwankungen herauszurechnen.

Zwischen 1980-1995 wurden 1.89 Punkte pro Spiel und 1995-2009 1.68 Punkte pro Spiel erspielt. Das ist eine Abnahme 0.21 Punkten oder 11 Prozent. Im selben Zeitraum wurden 2.1 Tore pro Spiel geschossen und 1995-2009 1.7 Tore. Das ist eine Abnahme von 0.4 Toren oder 19 Prozent.

Also auch wenn man die um 11 Prozent geringere Spielstärke berück sichtigt, ergeben sich darüber hinaus immer noch eine Reduktion der Zahl der Tore um 8 Prozent.

Dazu soll noch angemerkt werden, dass die Torquote bei Spielen von Rapid in den Saisonen 2008/09 und 2009/10 deutlich über der von Biermann angegebenen magischen Grenze von 3 Toren liegt. Das ist ein außergewöhnlich hoher Wert und wurde 2008/09 nur deshalb nicht durch einen Meistertitel belohnt, weil gleichzeitig Salzburg mit den 40 Toren von Marc Janko Rapid knapp überholt hat.

2008/09: 3.7 Tore pro Spiel (2.4 Tore von Rapid, 1.4 Tore des Gegners)
2009/10: 3.5 Tore pro Spiel (2.4 Tore von Rapid, 1.1 Tore des Gegners), Stand 22. Dezember 2009

http://rapid.iam.at/statistics.aspx?id=perf&id1=SEASON&p=200&pmode=2&pview=0

Die FIFA und der Papst

Eigentlich hätten bei den FIFA-Verantwortlichen die Alarmglocken schrillen müssen. Das war aber nicht der Fall; vielmehr hat man versucht, diese Entwicklung durch das bessere Training, die bessere Taktik und anderswie zu erklären. Nachdem aber durch wissenschaftliche Arbeiten aus dem Bereich der Spieltheorie (siehe Biermanns Buch) die ungünstige Wirkung der der Drei-Punkte-Regel klar dargelegt wurde, sollte die FIFA diese Regel umgehend wieder durch die frühere Regelung ersetzen, eventuell ergänzt durch andere Motivatoren*). Das aber geschieht nicht.

Diese Haltung erinnert stark an die Unfehlbarkeitsthese des Papstes in der katholischen Kirche oder des Zentralkomitees einer kommunistischen Partei. Und der Grund ist da wie dort der undemokratische Aufbau dieser Organisationen und leider auch der FIFA oder des ÖOC und anderer sportlicher Dachverbände. Diese Organisationen unterwerfen sich selbst nicht einer Falsifikation durch einen Wahlmechanismus und daher wenden sie ihre eigene Unverrückbarkeit auch auf ihre Entscheidungen an. Einmal getroffene Entscheidungen sind einbetoniert.

Die Sommerzeitregelung lässt grüßen. Niemand braucht sie mehr, der Energieeinsparungseffekt ist marginal, die Regelung kostet viel mehr als sie bringt, jedenfalls bringt sie Ärger. Und dennoch besteht sie.

Das Gute an der Sache

Da man aber auch dem größten Übel eine gute Seite abringen kann, ist das auch bei dieser Entwicklung der Fall. Die geringe Torquote im Fußball hat auch seine Vorteile, denn die enthält auch eine größere Unvorhersagbarkeit eines Ergebnisses. So mancher Favorit hat mit einer knappen Niederlage ein Spiel verloren, weil bei wenigen Toren auch bei stark unterschiedlicher Spielstärke es eine reelle Chance gibt, dass auch einmal der Underdog als Sieger vom Platz geht. Ein typisches Beispiel dafür war die EM in 2004 in Portugal und der damalige Gewinner Griechenland.

Wenige Tore erhöhen die Chancen für die schwächere Mannschaft, was gerade die Statistik der Rapid-Spiele deutlich zeigt. Die Tore der Gegner blieben vor und nach Einführung der Drei-Punkte-Regel gleich mit 1.1 Toren pro Spiel. Die Anzahl der Tore von Rapid hingegen sind von 2.1 auf 1.7 zurück gegangen. Die Siegchance der Gegner ist gestiegen, das Spielergebnis wird weniger gut voraussagbar.

John Wesson analysiert diesen Effekt präzise in seinem Buch "Fußball - Wissenschaft mit Kick" ab Seite 99, "Tore schießen". Die Aussage ist kurz: Je weniger Tore fallen, desto höher ist die Siegwahrscheinlichkeit für das schwächere Team.

Journalisten über Fußball

In einer unlängst veröffentlichen Umfrage unter Journalisten nach ihrer politischen Ausrichtung in den Dimensionen "links" und "rechts" ergab sich ein Mittelwert "links der Mitte" (bei den Politik-Journalisten allein "noch mehr links").

Sport im Allgemeinen aber besonders der Fußball ist nach meiner Ansicht eine kultivierte Form des Rassismus, entstanden im 19. Jahrhundert, offenbar als eine intellektuelle Antwort auf die damals sehr deftigen Rassismen. Also tendeziell "rechts".

Der Kampf zwischen den "Rassen" "grün-weiß" und "violett" muss nicht wie sonst in der Gesellschaft unterdrückt sondern kann und soll im Stadion ausgelebt werden.

Und daher kommt es zu dieser Frontenbildung zwischen den eher linken Journalisten und den am Fußballplatz eher rechten Fußballpublikum (oder jenen rechten Emotionen der Zuschauer, die in jedem Menschen zu stecken scheinen), noch verstärkt durch den stets vorhandenen Hunger der Journalisten nach Sensationen (aber auch durch den Wunsch der Vereine und Spieler in den Medien präsent zu sein, denn das ist ja unbezahlte wertvollste Werbung (und wer in der Presse zu wenig präsent ist, muss halt die Gewista bemühen)).

Das Spiel stellt eine Situation nach, die wir uns im Leben eigentlich nicht wünschen, denn wer lebt schon gern mit seinen Nachbarn in einem Kriegszustand. Fußball schenkt uns diesen fehlenden Kick. Dass diese Trennung von Spiel und Leben nicht immer leicht fällt, kann man durch allerlei Äußerungen im Publikum leicht nachvollziehen. Fußball ist ein Spiel, dessen Regeln nicht mit dem sonst gepflegten gesellschaftlichen Ausgleich zu vergleichen sind: Wegen dieser Andersartigkeit sollten weder die Fans die Politik ins Stadion tragen noch umgekehrt die Politiker im Stadion mitregieren wollen. Es bedeutet auch, dass im Stadion eine durchaus andere Diktion herrscht als sonst in der Gesellschaft. Aussprüche, für die man im öffentlichen Leben vor den Kadi zitiert werden könnte, werden im Stadion zum kollektiv ungestraften Sager.

Journalisten (und Politiker) sollten daher den Unterschied zwischen der realen Welt und dem Biotop Stadion unterscheiden und nicht alle Sager des Fußballpublikums real einschätzen.

Das Fußballspiel erzeugt eine künstliche Gegnerschaft zwischen Parteien, die genau so gut am selben Biertisch sitzen könnten, weil sie ja aus demselben Holz geschnitzt sind. Und diese (künstliche) Gegnerschaft am Spielfeld ist ein Abbild des Gegensatzes zum Beispiel zwischen Inländern und Türken oder zwischen Katholiken und Protestanten usw. Das Spiel macht es entbehrlich, sich die Köpfe auf der Straße einzuschlagen. Es ist ein Ventil für die Verarbeitung Rassismus.