Donnerstag, 1. September 2011

Journalisten über Fußball

In einer unlängst veröffentlichen Umfrage unter Journalisten nach ihrer politischen Ausrichtung in den Dimensionen "links" und "rechts" ergab sich ein Mittelwert "links der Mitte" (bei den Politik-Journalisten allein "noch mehr links").

Sport im Allgemeinen aber besonders der Fußball ist nach meiner Ansicht eine kultivierte Form des Rassismus, entstanden im 19. Jahrhundert, offenbar als eine intellektuelle Antwort auf die damals sehr deftigen Rassismen. Also tendeziell "rechts".

Der Kampf zwischen den "Rassen" "grün-weiß" und "violett" muss nicht wie sonst in der Gesellschaft unterdrückt sondern kann und soll im Stadion ausgelebt werden.

Und daher kommt es zu dieser Frontenbildung zwischen den eher linken Journalisten und den am Fußballplatz eher rechten Fußballpublikum (oder jenen rechten Emotionen der Zuschauer, die in jedem Menschen zu stecken scheinen), noch verstärkt durch den stets vorhandenen Hunger der Journalisten nach Sensationen (aber auch durch den Wunsch der Vereine und Spieler in den Medien präsent zu sein, denn das ist ja unbezahlte wertvollste Werbung (und wer in der Presse zu wenig präsent ist, muss halt die Gewista bemühen)).

Das Spiel stellt eine Situation nach, die wir uns im Leben eigentlich nicht wünschen, denn wer lebt schon gern mit seinen Nachbarn in einem Kriegszustand. Fußball schenkt uns diesen fehlenden Kick. Dass diese Trennung von Spiel und Leben nicht immer leicht fällt, kann man durch allerlei Äußerungen im Publikum leicht nachvollziehen. Fußball ist ein Spiel, dessen Regeln nicht mit dem sonst gepflegten gesellschaftlichen Ausgleich zu vergleichen sind: Wegen dieser Andersartigkeit sollten weder die Fans die Politik ins Stadion tragen noch umgekehrt die Politiker im Stadion mitregieren wollen. Es bedeutet auch, dass im Stadion eine durchaus andere Diktion herrscht als sonst in der Gesellschaft. Aussprüche, für die man im öffentlichen Leben vor den Kadi zitiert werden könnte, werden im Stadion zum kollektiv ungestraften Sager.

Journalisten (und Politiker) sollten daher den Unterschied zwischen der realen Welt und dem Biotop Stadion unterscheiden und nicht alle Sager des Fußballpublikums real einschätzen.

Das Fußballspiel erzeugt eine künstliche Gegnerschaft zwischen Parteien, die genau so gut am selben Biertisch sitzen könnten, weil sie ja aus demselben Holz geschnitzt sind. Und diese (künstliche) Gegnerschaft am Spielfeld ist ein Abbild des Gegensatzes zum Beispiel zwischen Inländern und Türken oder zwischen Katholiken und Protestanten usw. Das Spiel macht es entbehrlich, sich die Köpfe auf der Straße einzuschlagen. Es ist ein Ventil für die Verarbeitung Rassismus.
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