Mittwoch, 26. Dezember 2012

Ewige Rapid-Statistik

Rapid-Statistik 1899-2012

Jetzt, in der Saure-Gurken-Zeit des heimischen Fußballs, ist genau die richtige Zeit, statistisches Material herzustellen. Die folgenden Tabellen fassen die Ergebnisse des SK Rapid zusammen. Unterschieden wird zwischen nationalen und internationalen Bewerben (Liga-Resultate herausgerechnet).

"Ewig" will sagen, dass keinerlei Einschränkung bezüglich des Zeitraums getroffen wird und daher ein Spiel in den Anfängen dasselbe Gewicht hat wie das letzte Spiel.
Bild
http://rapid.iam.at/d/i/img/statistik01.jpg

Abgelaufene Saison

Man kann diese Zahlen dazu benutzen, eine bestimmte Saison vor diesem historischen Hintergrund zu bewerten, zum Beispiel die abgelaufene Saison.
56% 22% 22% Sieg/Unentschieden/Niederlage 100 Jahre Liga
46% 36% 18% Sieg/Unentschieden/Niederlage Saison 2011/12
Dass diese Saison uns überdurchschnittlich viele Unentschieden beschert hat, kostete schließlich den Titel. Erfreulich ist aber, dass die Zahl der Niederlagen unter dem Langzeitschnitt ist und das stimmt optimistisch.

Heimstadien

Rapid hatte vier Heimstadion: das Schmelzer Exerzierfeld, die Selzergasse, die Pfarrwiese und das Hanappi-Stadion. Dass in der Tabelle 25 Heimstadien angegeben sind, liegt daran, dass es immer wieder vorkam, dass Heimspiele auch einmal auswärts ausgetragen wurden. Bekannt sind das Happel-Stadion, der Horr-Platz und daneben noch einige anderen Stadien, die bei einzelnen Spielen benutzt als Heispielstätte benutzt wurden.

Reise-km

Damit's nicht allzu kompliziert wird, wurde als Heimstandort das Hanappi-Stadion angenommen. Das stimmt heute, war aber in der Vergangenheit anders. Daher werden Heimspiele auf der Pfarrwiese mit etwa einem Kilometer Luftlinie einberechnet, andere Orte, zum Beispiel Praterstadion entsprechend länger; und daher ist die Wegstrecke bei Heimspielen nicht Null sondern ein bisschen darüber. Die Reise-Kilometer bestehen bei einem Spiel aus der doppelten Distanz zu dem jeweiligen Stadion (Hin- und Rückreise). In früheren Darstellungen waren die Zahlen halb so groß, weil auf das Zurückfahren vergessen wurde. Interessant ist die Berechnung der Distanz zu den jeweiligen Stadien. Eingetragen sind pro Spielort die geografischen Koordinaten. Die Wegstrecke wird aus der kürzesten Verbindung auf einer Kugeloberfläche berechnet, was bei den lokalen Begegnungen noch keine Rolle spielt, schon aber bei größeren Wegstrecken.
Details zu der Entfernungsbrechnung

Weitere Details zu den Reisezielen


Weitere Details zu den Reisekilometern pro Saison

Zuschauer

In der Anfangszeit des Fußballs wurden die Zuschauerzahlen nicht so genau erfasst, in den ersten Jahren fehlen sie zur Gänze. Wenn also die Rechnung eine Gesamtzahl von 39.424.20 ergibt, muss man diese Zahl besser als "größer als 39 Millionen" lesen.

Fehler

Fehler sind immer und überall möglich. Diese Tabelle ist eine berechnete und nicht eine editierte. Fehler sind daher entweder Rechenfehler oder Fehler in der Datenbasis aber keine Tippfehler. Ich bin immer auf der Suche nach Fehlern. Wenn jemandem welche auffallen, bitte um eine Mail.

Donnerstag, 29. November 2012

Die Nahrungspyramide des Fußballs

Eine Runde vor Ende der Gruppenphase schaut das Ranking der Clubs in europäischen Bewerben so wie im folgenden Bild aus. Die Clubs die in die KO-Phase kommen, werden noch kräftig an Punkten (und Euros) zulegen; die anderen hoffen auf eine nächste Chance. Die Hoffnung ist aber gering, einen von dort oben verdrängen zu können.

19,58 FC Porto
19,54 Málaga CF
19,54 FC Barcelona
19,39 Schalke 04
19,39 Borussia Dortmund
19,06 Manchester United
18,78 Paris Saint-Germain
18,54 Valencia
18,39 Bayern München
18,06 Arsenal
17,67 Shakhtar Donetsk
17,54 Real Madrid
16,82 AC Milan
12,82 Juventus
11,06 Chelsea
10,78 Olympique Lyon
10,67 Metalist Kharkiv
10,58 Benfica
10,54 Atlético Madrid
10,39 Hannover 96
10,32 Rubin Kazan
10,08 CFR Cluj
10,00 Fenerbahçe
10,00 Galatasaray
9,67 Dnipro Dnipropetrovsk
9,58 Celtic
9,54 Levante UD
9,39 Bayer Leverkusen
9,18 Racing Genk
9,06 Manchester City
9,06 Newcastle United
8,85 BATE Borisov
8,82 Internazionale
8,82 Lazio Roma
8,80 Olympiakos Piraeus
8,78 Girondins Bordeaux
8,67 Dinamo Kiev
8,39 Borussia Mönchengladbach
8,39 VfB Stuttgart
8,32 Zenit St, Petersburg
8,32 Anzhi Makhachkala
8,25 Viktoria Plzen
8,18 Anderlecht
8,08 Steaua Bucuresti
8,06 Tottenham Hotspur
7,82 Napoli
7,78 Lille OSC
7,73 Ajax
7,58 Sporting Braga
7,32 Spartak Moscow
7,25 Sparta Praha
7,08 FC Basel
7,06 Liverpool
6,78 Montpellier
6,08 Young Boys
5,78 Olympique Marseille
5,62 FC København
5,62 FC Nordsjælland
5,58 Académica Coimbra
5,54 Athletic Bilbao
4,90 Rosenborg BK
4,83 Dinamo Zagreb
4,82 Udinese
4,80 Panathinaikos
4,73 FC Twente Enschede
4,60 FC Fehérvár
4,58 Maritimo Funchal
4,18 Club Brugge
3,93 AIK Stockholm
3,73 PSV Eindhoven
3,65 NK Maribor
3,58 Sporting CP Lisbon
2,93 Helsingborg IF
2,90 Molde FK
2,82 Dinamo Moscow
2,82 CSKA Moscow
2,75 Slovan Liberec
2,70 AEL Limassol
2,68 KSC Lokeren
2,67 Metalurg Donetsk
2,67 Arsenal Kiev
2,58 FC Vaslui
2,58 Dinamo Bucuresti
2,58 FC Luzern
2,55 Hapoel Kiryat Shmona
2,55 Neftchi Baku
2,55 Partizan Belgrade
2,55 Hapoel Tel-Aviv
2,50 Bursaspor
2,50 Trabzonspor
2,40 Tromsø IL
2,35 Rapid Wien
2,30 PAOK Thessaloniki
2,30 Atromitos FC
2,25 Mladá Boleslav
2,23 Feyenoord
2,23 Heerenveen
2,23 AZ Alkmaar
2,20 APOEL Nicosia
2,18 AA Gent
2,15 Mura Murska Sobota
2,12 AC Horsens
2,12 FC Midtjylland
2,10 DVSC Debrecen
2,08 Motherwell
2,08 Rapid Bucuresti
2,08 Hearts FC
2,08 Servette FC Genève
2,05 Red Star Belgrade
2,00 Slask Wroclaw
2,00 Eskisehirspor
2,00 Legia Warsaw
1,95 Sheriff Tiraspol
1,93 IF Elfsborg
1,93 Kalmar FF
1,90 HJK Helsinki
1,90 Aalesunds FK
1,85 FC Gomel
1,83 Hajduk Split
1,83 Slaven Koprivnica
1,80 Asteras Tripolis
1,80 Dila Gori
1,78 F91 Dudelange
1,78 Zeta Golubovci
1,73 Vitesse Arnhem
1,73 Ekranas Panevezys
1,70 Anorthosis Famagusta
1,70 Omonia Nicosia
1,58 Dundee United
1,55 Vojvodina Novi Sad
1,55 Bnei Yehuda
1,50 Lech Poznan
1,50 Ruch Chorzow
1,40 KuPS Kuopio
1,35 FC Salzburg
1,35 Naftan Novopolotsk
1,35 Admira Wacker
1,35 Shakhtior Saligorsk
1,35 SV Ried
1,33 NK Osijek
1,30 MSK Zilina
1,30 FC Zestafoni
1,30 Spartak Trnava
1,28 Shakhtyor Karaganda
1,28 Buducnost Podgorica
1,28 FK Aktobe
1,25 Zeljeznicar Sarajevo
1,25 Vardar Skopje
1,25 KR Reykjavik
1,25 FK Ventspils
1,25 FK Sarajevo
1,20 Linfield Belfast
1,20 Shamrock Rovers
1,20 St, Patrick's Athletic
1,18 Valletta FC
1,18 Ulisses Yerevan
1,15 Skënderbeu Korçë
1,15 Ludogorets Razgrad
1,15 Olimpija Ljubljana
1,15 Stabæk IF
1,12 AGF Aarhus
1,10 The New Saints
1,10 Honvéd Budapest
1,08 St, Johnstone
1,08 Flora Tallinn
1,05 Inter Baku
1,05 Khazar Lenkoran
1,05 Maccabi Netanya
0,95 Dacia Chisinau
0,95 Zimbru Chisinau
0,95 Milsami Orhei
0,90 MyPa-47
0,90 NK Celje
0,90 JJK Jyväskylä
0,90 Inter Turku
0,85 MTK Budapest
0,80 FK Senica
0,80 FK Baku
0,80 FK Jagodina
0,80 Olimpi Rustavi
0,80 Slovan Bratislava
0,78 Celik Niksic
0,78 Ordabasy Shymkent
0,78 Differdange 03
0,75 Renova Dzepciste
0,75 Thór Akureyri
0,75 FH Hafnarfjardar
0,75 Metalurg Skopje
0,75 Metalurgs Liepaja
0,75 Skonto Riga
0,75 Siroki Brijeg
0,73 Suduva Marijampole
0,73 Zalgiris Vilnius
0,70 Portadown
0,70 Sligo Rovers
0,68 Shirak Gyumri
0,68 Gandzasar Kapan
0,65 SK Tirana
0,65 Lokomotiv Plovdiv
0,65 CSKA Sofia
0,65 Levski Sofia
0,60 B36 Torshavn
0,58 Levadia Tallinn
0,55 Torpedo Kutaisi
0,53 CS Grevenmacher
0,53 Rudar Pljevlja
0,53 Zhetysu Taldykorgan
0,53 Jeunesse d'Esch
0,50 Tre Penne
0,50 FC Lusitanos
0,50 FK Borac Banja Luka
0,50 Daugava Daugavpils
0,50 IBV Vestmannaeyjar
0,50 Shkendija Tetovo
0,48 FK Siauliai
0,45 Crusaders Belfast
0,45 Bohemians Dublin
0,45 Cliftonville
0,43 Floriana
0,43 Hibernians FC
0,43 Birkirkara
0,43 Pyunik Yerevan
0,40 KS Flamurtari Vlorë
0,40 Teuta Durrës
0,35 NSI Runavik
0,35 Cefn Druids
0,35 Llanelli FC
0,35 Víkingur
0,35 EB Streymur
0,35 Bangor City
0,33 Trans Narva
0,33 Kalju Nomme
0,25 Libertas
0,25 FC Santa Coloma
0,25 UE Santa Coloma
0,25 USV Eschen-Mauren
0,25 La Fiorita

Mittwoch, 28. November 2012

Zufälle bestimmen unser Leben - und den Fußball


Das mit dem "Zufall" ist bittere Wahrheit!

Die wichtigsten Dinge im Leben werden nicht geplant sondern erfolgen ganz ohne unser Zutun - wir sind Passagier. Familie, Wohnort, Job, Beziehung, Gesundheit, Wohlstand, Tod. Wir können auf diese Zufälligkeiten nur reagieren und "das Beste draus machen".

"Armselig" ist Zufall aber nicht, es ist das mächtigste Instrument, das eine Entwicklung mit unbekanntem Ausgang (und das sind das Leben und Fußball gleichermaßen aber auch unsere anderen Werke) beeinflussen kann, weil wir auf diese für uns überraschenden, unbekannten Wendungen reagieren müssen, wenn wir nicht untergehen wollen.

Wir können einen Präsidenten nach bestem Wissen "planen". Aber was er dann taugt? Wir wissen es nicht. Ich habe sogar schon "Hansi"-Nennungen gelesen. Ja, wir wollen besser werden aber schon bei dieser Namensnennung bekommt man (berechtigte) Zweifel, ob denn das Neue auch wirklich eine bessere Zukunft verspricht.

Wir wollen das nicht hören und ich selbst gefalle mir dabei - wenn's passt und vorwiegend gegenüber Laien - zu behaupten, "Geld spielt nicht Fußball". Aber realiter tut es das, leider. Wir leisten uns einen großen Verein, das sind wir dem großen Namen schuldig und von den 15 bis 20 Millionen Budget (so genau weiß ja das niemand) wird eine Menge an "Grundlast" abgehen, Geld das gar nicht für die Kampfmannschaft verwendet wird; indirekt vielleicht. Und mit dem Rest springt man eben so weit wie wir eben. Und viele Transaktionen in der Vergangenheit haben schon diesen finanziellen Rahmen ziemlich überzogen.

Nehmen wir an, dass ein Kuhn-II um 2 Millionen mehr lukrieren könnte (was eine tolle Leistung wäre, ja, aber auch solche Ereignisse haben viel mit Zufälligkeiten zu tun, denn vielleicht wäre das ja dem Kuhn-I in diesem Jahr auch gelungen), wo wären wir dann? Viel weiter? Vereine wie Charkiv oder Leverkusen werden uns in finanziellen Belangen auch mit einem Kuhn-II bis in weite Zukunft überlegen sein. (Änderungen sind nur möglich, wenn (1) sich das Wirtschaftssystem ändert, (2) andere FIFA-Regeln eingeführt werden, (3) wir in einer größeren Liga spielen und dadurch zu mehr Einnahmen kommen oder (4) wenn wir einen selbstlosen Sponsor bekommen. Da das alles nicht wirklich realistisch ist, müssen wir auf rein zufällige Erfolge hoffen.

Wir überschätzen ein bisschen die Zugkraft der Marke "Rapid"; das dürfte an den hohen persönlichen Opfern der Anhängerschaft liegen. Es ist ein bisschen wie eine verschmähte Liebe, in die viel an Emotion eingebracht wird. Die Liebe wird (normalerweise) durch Siege der Mannschaft erwidert. Bleiben die Siege aus, schlägt die Liebe in Hass um und wegen der großen Opfer meint man sogar das Recht zu haben, die Beziehung zu zerstören, weil "Rapid Fans mit einer Mannschaft sind".

Für mich war "Ottakringer" am Rücken der Trikots ein unverrückbarer Fixpunkt. Der jetzt aber weg ist. Und niemand rennt uns die Tür ein, sich an dieser prominenter Stelle zu verewigen. Wir mögen jetzt auf den Manager losgehen aber ich erinnere mich gut an die hektischen Bemühungen des Managements, die Sponsoren nach dem Platzsturm "bei der Stange" zu halten. Kann jemand definitiv ausschließen, dass Sponsoren nach den permanenten Negativschlagzeilen (einziger Gewinner unserer Probleme scheinen ja wirklich die Medien zu sein) ein bisschen von Rapid abrücken? Mit Siegern zeigt man sich gern aber mit Platzstürmern und Raketenwerfern? Es kann daher sein, dass der teilweise Auszug von Ottakringer durchaus mit dem Eigenleben in der Rapid-Welt zusammenhängt.

Es mag praktisch sein, einzelne Personen als Schuldige nennen zu können. Da aber Teile des Anhangs auch an der verfahrenen Situation beteiligt sind, halte ich eine einseitige Schuldzuweisung für völlig überzogen. Es gibt ja für alle Situationen geeignete Sprüche. Hier fallen mir zwei ein: der mit dem Werfen des ersten Steins und der mit dem Kehren vor der eigenen Tür.

Leeres Hanappi beim nächsten Heimspiel


Diesen Slogan "Leeres Hanappi beim nächsten Heimspiel" kann man in einem Forum lesen.

Wir sind im internationalen Bewerb in eine ziemliche Blamage geschlittert. Rapid ist zwar der einzige österreichische Verein, der international vertreten ist aber was für eine Presse haben wir! Diese Sieg gegen Saloniki scheint ja geradezu ein Danaer-Geschenk gewesen zu sein. Nicht nur einmal wird über eine Niederlage berichtet, nein, gleich fünf Mal in Folge. Es kommen ja schon Leute auf einen zu, die sonst mit Fußball gar nichts am Hut haben aber diese Niederlagenserie spricht sich halt herum.

"Wir wollen Siege sehen", ja, wer mit einem solchen Slogan in jedes Spiel geht, der wird bitter enttäuscht.

Wären wir heute ebenso enttäuscht, wenn wir gar nicht in die Gruppenphase gekommen wären? Wir wären vielleicht Zweiter in der Liga und niemand würde sich echauffieren, das Ausscheiden gegen Saloniki wäre längst vergessen.

Was wäre denn gewesen, wenn ein paar Unbesonnene ausnahmsweise einmal "besonnen" gewesen wären und in Saloniki keine Leuchtstifte abgefeuert hätten? Vielleicht hätten wir jetzt ein paar Punkte in der Euroleague und niemand würde gegen den Vorstand ins Feld ziehen. Es gäbe eine gute Million mehr am Rapid-Konto, alles wäre entspannter.

Was wäre gewesen, wenn sich nicht alle Leistungsträger gerade in der dichtesten Wettbewerbsphase verletzt hätten?

Warum beschimpft man Spieler und Funktionäre öffentlich und trägt damit zu einem immer verkrampfteren Klima bei? Glaubt denn wirklich jemand, ein Spieler mache absichtliche Fehler? (Weniger mach er sicher nicht, wenn er die Schreie von den Rängen hört.)

Ich möchte mit diesen "was wäre wenn"-Möglichkeiten aufzeigen, dass eine bestimmte Situation nicht unbedingt von jemand "verschuldet" werden muss. Sie ist einfach. Und in allen diesen Fällen, wäre dasselbe Präsidium im Amt gewesen, dieselben Spieler und dieselben Trainer.

Die paranoide "Suche nach dem Schuldigen" ist kein guter Ansatz, weil die Beispiele zeigen, dass die Dinge mit nur wenigen Änderungen ganz anders laufen könnten; es sind einfach Dinge, auf die  die Mannschaft, der Präsident... keinen Einfluss haben, die aber einfach (zu unserem Nachteil) passiert sind. Sie zeigen aber auch, dass unser eigenes Verhalten die Situation eher verschärft.

Es ist praktisch, wenn man jemanden benennen kann, der Schuld trägt. Und wenn der weg ist, zum Beispiel, weil er den Hut draufhaut, was dann? Wie stellt sich denn das pt Publikum vor, dass man einen neuen Präsidenten findet, so auf die Schnelle? Inserat?

"Vielseitig qualifizierter, finanziell unabhängiger, fußballbegeisterter (und -kundiger), medial versierter, mit allen reden könnender, mit allen Wassern gewaschener, mit Beziehungen ausgestatteter Volltrottel mit dicker Haut, die er im Falle immer wieder vorkommender Publikumsbeschimpfungen dringend braucht, für das Ehrenamt des Präsidenten des SK Rapid gesucht" unter "Wunderwuzzi" an den Verlag 

Ja, ich muss auch bei jeder Gelegenheit den weniger Fußballbegeisterten erklären, was da bei Rapid los ist. Aber es ist nichts los. Es wurden nur ein paar Spiele verloren. Und wer das Admira-Spiel gesehen hat, der weiß, dass es sogar mehr hätten sein können.

Ich bin jedenfalls am Samstag an meinem Platz, weil ich zu einer Verbesserung des Klimas beitragen will. Und ja, ich leide auch, wenn es Niederlagen gibt aber ich bin ebenso überzeugt davon, dass die, die es in der Hand haben, etwas zu verändern, auch daran arbeiten. Spieler, Trainer, Vorstand. Warum? Weil das alle tun, die ihre Arbeit mögen.

Montag, 26. November 2012

Lukas und Ján, die besten Torleute der Rapidgeschichte

Lukas Königshofer
beim Tag der offenen Tür 2102,
Ján Novota
beim  Klub der Freunde des SCR am 13.2.2012
Übertriebener Titel, jetzt, wo so viele Spiele verloren wurden?

Durchaus nicht. Spiele werden immer verloren, davor sind auch die Allergrößten nicht gefeit. Verlorene Spiele verletzen unsere Eitelkeit; und sie verstellen den Blick auf die eigentlichen Qualitäten einer Mannschaft.

Ein Tormann ist um so besser, je weniger Tore er kassiert.

Lukas Königshofer hat 46 und Ján Novota  hat 12 Spiele für Rapid absolviert. Beide rangieren in der ewigen Liste der Torquoten aller Torleute von Rapid seit 1911 an der Spitze. Sie kassieren etwa 0.85 Tore pro Spiel.*)  Das ist weniger als alle anderen Torleute, die je bei Rapid gespielt haben.

Von den Legenden kommt nur Ladi Maier mit 0.98 in die Nähe dieses Spitzenwertes; Michael Konsel und Helge Payer sind mit 1,19 und Walter Zeman sogar mit 1,55 deutlich über dem Wert von Jan und Lukas.

LandVonBisSpieleTore RapidTore GegnerGegentore pro SpielToranteil
Novota JánSK201120121242100,830,19
Königshofer LukasA201020124658390,850,40
Pichler RomanA1964196870174680,970,28
Maier LadislavA199820051852901820,980,39
Antrich AdolfA1971197482148861,050,37
Vereš AndrijaSRB1963196670153741,060,33
Feurer HerbertA197619883617503961,100,35
Hedl RaimundA199720111141991261,110,39
Fuchsbichler GeraldA196719711242671401,130,34
Payer HelgeA200120112984743511,180,43
Konsel MichaelA198519974869575781,190,38
Barthold PeterA19731980861361101,280,45
Kraupar AugustA1919192155198711,290,26
Huyer LudwigA1960196365132941,450,42
Kaltenbrunner JosefA19061914922471411,530,36
Zeman WalterA194519602599824011,550,29
Musil JosefA193819521043561741,670,33
Bugala JosefA19291933772711331,730,33
Raftl RudolfA193119442428684361,800,33
Gartner HerbertA19541958712211291,820,37
Feigl WalterA19241928592011141,930,36


Warum empfinden wir das nicht so?

Der Grund ist, dass trotz dieser geringen Zahl von Gegentoren wichtige Spiele verloren werden.

Und tatsächlich ist der Anteil der gegnerischen Tore an den insgesamt geschossenen Tore bei Ján 20% (das ist ein sehr geringer Wert) aber bei Lukas 40%. Das liegt daran, dass Jan hauptsächlich im Cup eingesetzt wird und es sich dort um weniger kampfstarke Gegner handelt. Lukas kassiert zwar ähnlich wenig Tore wie Jan aber in seinen Spielen schießt Rapid nur halb so viele Tore (gewinnt also auch seltener).

Wir verlieren Spiele daher wegen des schwachen Sturms und nicht wegen einer schwachen Verteidigung.

Dieses absolute Torminimum ist aber auch ein Verdienst der überaus stabilen Hintermannschaft (Gerson, Sonnleitner).

Und an diesen Zahlen ändert sich nichts, auch wenn wir alle Gruppenspiele verlieren sollten. Diese Zahlen repräsentieren eine Langzeitleistung. Dass darunter auch Niederlagen sind, mag für uns Anhänger schmerzlich sein, die Leistung kann sich dennoch sehen lassen.

http://rapid.iam.at/default.aspx?id=player&id1=goalies

*) Fairerweise muss man anmerken, dass unsere beiden Torleute erst sehr wenige Spiele absolviert haben (verglichen mit Konsel, Payer oder Zeman) und sie erst durch wenige "Täler der Tränen" durch mussten.

Die Vermessung der Trainer


Peter Schöttel
am Tag der offenen Tür,
8.7.2012
Mir fiel auf, dass Peter Schöttel einen häufigeren Wechsel in der Aufstellung vornimmt als das vor ihm Peter Pacult getan hat. Er verwendet Spieler lieber auf einer anderen als ihrer angestammten Position als dass er sie auf der Bank sitzen lässt (z.B. Pichler, Trimmel). Diese Variabilität hat vermutlich auch das Ziel, die Anhängigkeit von einem einzelnen Spieler zu verringern, was in den nächsten Jahren immer wichtiger werden wird.

Wechselquote

Um das auch zahlenmäßig zu erfassen, wurde für jedes Spiel als "Wechselquote" der prozentuelle Anteil jener Spieler ausgerechnet, die im Bezug auf das jeweils vorige Spiel (unabhängig vom Bewerb) neu zum Team dazugekommen sind. Diese "Wechselquote" gibt es in jedem Spiel. Beim gestrigen Admiraspiel war sie zum Beispiel 21.4% (neu Hofmann, Königshofer, Kulovits). http://rapid.iam.at/?id=@game&detail=2012-1-17

Trainervergleich

In der folgenden Tabelle findet man Rapid-Trainer mit mehr als 50 Pflichtspielen, gereiht wird nach dieser "Wechselquote". Auch das durchschnittliche Alter des Teams, und die erzielten Punkte (S=3, U=1) sind angegeben. (http://rapid.iam.at/default.aspx?id=trainer&id1=compare -> Mehr als 50 Spiele)

Trainer

TrainervonbisSpielePunkte pro SpielAlterWechselquote
Schönecker D.1911192527218346432,1924,736,6
Schöttel P.20112012683316191,6924,823,4
Nitsch L.1936194520111831521,9225,620,4
Pesser H.1945195218113120302,2826,519,6
Bauer E.1926193629719330742,0524,219,2
Hlozek E.197219751136129231,8826,119,1
Krankl H.198919921316824391,7424,619,1
Pacult P.2006201121010948531,7926,019,0
Dokupil E.199419981738939451,7726,318,4
Hickersberger J.200220051547038461,6125,717,9
Springer G.196819711145628301,7225,817,6
Baric O.198619891347828281,9625,917,3
Weber H.19982000985321241,8427,117,0
Dokupil E.20002001512514121,7527,916,9
Merkel M.19561958684410142,0926,816,9
Schlechta K.19781979602719141,6724,715,2
Vytlacil R.196519681098015142,3424,614,1
Körner R.1959196621012139501,9125,513,3
Baric O.198219851338829162,2025,513,1
Brzezanczyk A.19761977532515131,7023,812,7
Skocik W.197919821134829361,5323,812,6

Diese Tabelle zeigt Peter Schöttel im Spitzenfeld. Die ebenfalls hohe Wechselquote von Schönecker, Nitsch und Pesser könnte auch auf die schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre zurückzuführen sein, sodass nach Abzug dieser Besonderheiten Peter Schöttel im Bezug auf die Aufstellung tatsächlich ein auffällig variabler Trainer ist.

Freitag, 23. November 2012

"Sautrottln..."

"Sautrottln...", ein Facebook-Kommentar im ersten Zorn nach der Auswärts-Niederlage gegen Trondheim am 22.11.2012. Und dieser Kommentar ist kein Einzelfall. 

Die Anhänger des SK-Rapid sind reif für eine kollektive Psychotherapie, weil sie in dieser Gruppenphase vor Augen geführt bekommen haben, wo Rapid in Europa steht; genauer: wo der österreichische Fußball in Europa steht.

Die Firma Niemetz-Schwedenbomben schwankt zwischen Untergang und Überleben. Es fehlt an Geld, an einem Firmengebäude, an Vertrauen der Käufer usw. Aber niemand aus den Reihen der Kunden, die "ihre Schwedenbombem" in den Regalen vermissen, schimpft die dortige Belegschaft "Sautrottln". Das ist eine besondere Qualität der Kunden des Fußballgeschäfts.

Und warum ist Niemetz in diese Situation hineingeraten? Der Grund heißt "Dickmanns". Vielleicht waren ja Niemetz und Dickmanns ursprünglich gleich große Unternehmungen aber der der größere deutsche Markt und die ganzjährig verkaufbare Creme gaben den Ausschlag, dass unsere (viel besser schmeckende) Schwedenbombe vom Markt verdrängt wurde. 

Ob Niemetz oder Rapid gewinnen und überleben, hängt von Umständen ab, die man besser als "Glück auf hohem Niveau" und nicht als Leistung bezeichnen sollte. Auch unser Präsident ist in diesem Spiel nur Passagier. Die Leistung wurde nach dem Menschenmöglichen erbracht. Aber, ob ein Ball ins Tor geht oder nicht, ist keine Leistung, das ist Zufall. 

Diese Gruppenphase stand unter einem schlechten Stern und unser Unglück ist, dass wir diese 6 Spiele mit einem nicht ganz konkurrenzfähigen Kader bestreiten müssen. Daher schmerzen uns diese Niederlagen gar so sehr. Wir sind in der Situation eines nach oben strebenden Mitarbeiters, der (in der Qualifikation) gerade noch befördert wurde und jetzt (in der Gruppenphase) einen Posten bekleidet, dem er nicht mehr gewachsen ist. 

Leider muss Rapid diese sechs Spiele "aussitzen". Nach dem letzten Gruppenspiel am 6. Dezember sollten wir feiern, dass wir diese schlimme Zeit überstanden haben. Es war für uns Anhänger nicht leicht. Wir widmen uns nach einer Niederlage unserem Tagesgeschäft aber die Spieler tragen diese psychische Belastung die ganze Woche herum, die sehr an ihrem Selbstvertrauen nagt. Und das nicht einmal sondern gleich sechsmal und: niemand verliert mit Absicht. 

Und das fußballerische Vermögen von Rapid ist jenes unserer Liga, denn dort wird es erlernt. Schuld an den Niederlagen sind daher unsere Trainingsumstände, die es uns nicht erlauben, ein höheres Niveau zu erreichen; schuld ist die Liga.

Und warum das so ist? In einem Konkurrenzsystem, bei dem Produkte auf einem Markt selektiert werden, muss ein Produkt besser sein als ein anderes. Aber es muss nur so gut sein, wie dieser Markt es verlangt. 

Ein Löwe läuft ein bisschen schneller als seine Beute, zum Beispiel ein Zebra; aber kein Löwe läuft so schnell wie ein Gepard, denn der muss sich auf einem anderen Markt bewähren.

Das österreichische Spitzenquartett ist im Mittel ein bisschen besser als seine Konkurrenz, aber keine Mannschaft aus diesem Quartett könnte in der spanischen Liga auf diesem Platz bestehen. 

Wenn wir uns in Europa bewähren wollen, müssen wir in unserer Liga auf höherem Niveau spielen. Dazu braucht es entweder eine andere, größere Liga oder einfach mehr Geld. Nicht mehr Geld für Rapid oder RedBull, nein, es braucht mehr Geld für alle Vereine. Mehr Öffentlichkeit, mehr Sponsorengelder, mehr Fernsehgelder, mehr Zuschauer, mehr Aufmerksamkeit der Politik. Ich plädiere für eine größere, stärkere Liga, etwa gemeinsam mit starken Vereinen der Nachbarstaaten.

Fußball ist ein Spiel mit einer sehr hohen Zufallskomponente. Die Erfolgswahrscheinlichkeit für Tor, Sieg und Titel, ist  durch verschiedenste Parameter von der Liga abwärts über den Präsidenten, den Trainer, die Spieler, den Anhang, die Sponsoren, das Wetter, das Geld usw. steuerbar. Der vordergründige Beobachter interpretiert einen Misserfolg als ein Versagen der konkreten Akteure, also der Spieler. Dass das Tor von Alar und Boyd nicht getroffen wird, gilt als deren Unfähigkeit, Faulheit - "Sautrottln" eben - obwohl wir wissen, dass es nicht am Wollen sondern an der Unberechenbarkeit der Details liegt, auch der Psyche zum Beispiel.

Solange die öffentliche Hand sich in Österreich gegenüber dem Fußball zugeknöpft zeigt, verglichen etwa mit Spanien oder auch mit Deutschland, wo Fußball ein nationales Anliegen ist, werden wir nicht weiter kommen. Zufällig einmal ja aber nicht als eine fixe Größe.

Mich ärgern diese Niederlagen auch, speziell, wenn sie nicht zwingend waren, wie die gestrige und viele andere. Aber wir sind in einem Boot, dass in einem Wasser fährt, dessen Strömungen wir nicht beeinflussen können, auch wenn wir einen neuen Kapitän bestimmen; denn unser Boot ist klein; zu klein für den Wellengang.

So, wie uns die Gruppenphase im Jahr 2005 nicht gut getan hat (auch damals wurde alles verloren und wir landeten in der Meisterschaft am 5. Platz), wiederholt sich das in diesem Jahr. Wir können nur hoffen, dass wir uns nicht einen "Zellhofer II" einfangen, und dass wir schließlich doch wieder in die internationalen Ränge kommen, weil wenn diese Niederlagen vorbei sind, wird hoffentlich wieder Normalität einkehren.  Aber vielleicht sollte man sich Letzteres, nämlich den internationalen Platz gar nicht wünschen, weil er den Aufbau einer konkurrenzfähigen Mannschaft behindert. 

Sonntag, 18. November 2012

Mattersburg-Rapid 0:3



  • "Zieht die Konsequenzen aus Eurem kollektiven Versagen, Eure Fehler sind nicht mehr zu ertragen." 
  • "Unverbesserliche, die dem Verein dauerhaft schaden, sind beim SK RAPID nicht länger erwünscht" 
  • "Kuhn und Ebner raus" 
  • "Rapid kann nicht nur von unserer Stimmung leben" 
  • "Bewahren von Traditionen und Streben nach Fortschritt sind kein Widerspruch!" 
  • "Jetzt oder nie; Bonzen-Netzwerk zerschlagen, Neuanfang wagen!" 

Die wenig konstruktiven verbalen Rundumschläge der letzten Zeit und insbesondere beim Mattersburg-Spiel sind von so gar keiner Selbstkritik begleitet obwohl diese mehr als nur abgebracht wäre. Wenn ich auch den Satz "Rapid, Fans mit einer Mannschaft" so nicht unterschreiben kann, muss man doch zugestehen, dass RAPID eben so wenig ohne Fans wie ohne Mannschaft existieren kann, es ist vielleicht wie eine Ehe. Vieles im heurigen Jahr wäre anders gelaufen wenn, ja wenn... Und kein Präsident, Manager oder Trainer ist für die konkrete Lage verantwortlich, die leiden - wie wir alle - unter einer selbst-verursachten und ans Apokalyptische erinnernde Situation. Die Lage ist depressiv und sie wird durch einige dieser Plakate weiter verschlimmert. Es kommt mir fast so vor, als wollte man durch Attacken gegen alle anderen von den eigenen Problem ablenken. "Wenn jeder vor der eigenen Türe kehrt, kann RAPID erstarken." (frei nach Goethe).

In Fußballspielen ist viel Psychologisches und Gruppendynamisches enthalten, das oft auch von Spielern ausgedrückt wird, dass sie nämlich selbst nicht wissen, warum es einmal läuft, das andere mal nicht.

Ich zitiere daher hier aus einer "Rede an die Deutsche Nation (Auszug)" von Gerhart Hauptmann (ca. 1930) (gesendet am 18.11. in "gehört gewusst")

"Es gibt Leute genug, die dem Deutschen Volke täglich vorhalten, 
wie schlimm seine Lage sei,
aber man macht eine schlimme Lage dadurch nicht besser, 
dass man den Betroffenen statt ihn zu ermutigen, täglich entmutigt..."

Montag, 12. November 2012

Wie konnte das passieren?

2012-11-11 Rapid-Wolfsberg 0:2

Gestern präsentierte sich Rapid in einem sehr schlechten Zustand und Foren und Zeitungen sind voll von Schuldzuweisungen. Geschont werden nur die jungen Spieler, die für die vielen Ausfälle ins kalte Wasser gestoßen wurden und für die diese Niederlage nicht gerade ein ermutigender Schritt in Richtung Profifußballer ist.

Ich frage mich, ob nicht die Beteiligten einfach Opfer einer sehr ungünstigen Spielphase sind, die von uns Fans viel dramatischer empfunden wird als sie es tatsächlich ist.

Gruppenphase kontra Cup-System

Erinnern wir uns an das Jahr 1995 als Rapid in den Bewerb der Cupsieger einzog. Bis zum Finale waren 9 Spiele zu absolvieren. Heute sind es 4-6 in der Qualifikation, dann 6 in der Gruppenphase und danach noch 7 Spiele bis zu Finale, also insgesamt bis zu 19 Spiele.

Im Cup-System scheidet man auf irgendeinem Niveau aus und kehrt danach zur Tagesordnung über. Dieser Bewerb ist von Siegen begleitet und irgendwann ist halt Schluss.

1995 waren es die Stationen Petrolul Ploiesti, Sportin Lissabon, Dynamo Moskau, Feyenoord Rotterdam und Paris Saint Germain. Und in diesem Finale schied man eben aus.

2012 hat man mit allergrößtem Engagement die Gruppenphase erreicht und das Entscheidungsspiel in Wien gegen Saloniki war tatsächlich sehenswert. Wäre es jetzt im KO-System weitergegangen, hätten wir vielleicht Trondheim überwunden, doch dann wäre mit Leverkusen Schluss gewesen. So aber bekommen wir Runde für Runde vorgeführt, dass uns diese Gegner leider alle überlegen sind. Das ist nicht gut für die Moral der Mannschaft. Sie ist eine Art Prügelknabe.

Das gab's schon einmal!

Als Rapid 2005 mit Josef Hickersberger Meister wurde, kamen wir durch das "Wunder von Moskau", verkörpert durch den Kopfball von Josef Valachovic in die Gruppenphase. Wie diese Spiele ausgegangen sind, das wissen wir: sie wurden alle verloren. Und hier ein Auszug:

2005-09-27 0:3-Auswärtsniederlage gegen Juventus Turin
2005-10-01 0:2-Auswärtsniederlage gegen Pasching
2005-10-15 2:3-Heimniederlage gegen Red Bull
2005-10-18 0:1-Heimniederlage gegen Brügge

Also auch nicht gerade rosige Zeiten, ziemlich ähnlich wie heuer. Damals hat aber niemand das Stadion verlassen obwohl wir alle ziemlich deprimiert waren, ganz ähnlich wie heute.

Und auch in der damaligen Saison, in die man als Meister gegangen ist, hat sich der Misserfolg in der Gruppenphase sehr massiv auf die Leistung in der Liga ausgewirkt. Man wurde nur Fünfter.

Was bedeutet eine Niederlage?

Von 267 Heimspielen der letzten 12 Jahre wurden 54 (20%) verloren, 60 (22 %) waren unentschieden und 153 (57 %) wurden gewonnen. Bei Spielen, die man verliert, schaut man meist schlecht aus. Also so ein Malheur ist das nun wieder nicht. Diese Niederlagen sind natürlich nicht zwingend aber der Wert von 20% ist  ein sehr abgesicherter Wert. Rapid verliert jedes fünfte Heimspiel, jedes vierte ist Unentschieden und jedes zweite wird gewonnen.

Ist unser Trainer schlecht?

Diese Frage kann man so beantworten: zählen wir die Spieler der einzelnen Trainer zusammen und bestimmen wir die Punktezahl, die sich aus diesen Spielen ergeben hat. Zum Beispiel für die letzten zwölf Jahre. Hier das Ergebnis:

TrainervonbisSpielePunkte pro Spiel
Schöttel P.20112012653116181,68
Barisic Z.20112011104241,4
Pacult P.2006201121010948531,79
Zellhofer G.200620062374121,09
Hickersberger J.200220051547038461,61
Matthäus L.200120023299141,13
Dokupil E.20002001512514121,75
Persidis P.2001200162131,17
Weber H.19982000985321241,84
Dokupil E.199419981738939451,77

Also es wurden schon erfolgreichere Trainer "gegangen" (Beispiel: Heribert Weber, am zweiten Tabellenplatz) und erfolglosere "befördert" (Beispiel: Josef Hickersberger).

Publikumsreaktion

Dass man aber seitens des Publikums eine Niederlage so krass bewertet, lässt uns nichts Gutes für die Zukunft erwarten. Es spielen ja keine Roboter. Jedes Schimpfwort wird gehört und registriert. Psychologie spielt eine gewichtige Rolle, ist aber schwer zu trainieren. Wir können aber alle dazu beitragen, dass es bergab geht.

Schauen wir einmal, wie wir selbst reagieren, wenn etwas nicht läuft und dann kommt noch der Chef, um das noch mit seinem weisen Kommentar zu unterstreichen.

Besonders trifft es die jungen Spieler.

Meine Befürchtung ist, dass wir im Vergleich mit den Spielen im Jahr 2005 etwas durchaus Ähnliches erleben aber unsere Reaktion ist eine andere geworden.

Diese glücklich erreichte Gruppenphase tut uns einfach nicht gut. Wenn man wo ausscheidet, das kommt vor. Wir sind schon gegen schlechtere Gegner als die derzeitigen Gegner ausgeschieden und es war eben ein Spiel, das man verloren hat. In diesem Jahr bekommen wir aber dieses Ausscheiden gleich sechs Mal präsentiert und das rüttelt am Nervenkostüm der Spieler.

Ich plädiere für ein bisschen mehr Zurückhaltung und mehr Fairness gegenüber den eigenen Spielern. Niemand spielt absichtlich schlecht aber alle werden zunehmend verunsichert, wenn's nicht läuft und dann auch noch das ganze Stadion pfeift. Der Grund für die Niederlagen(n) muss nicht "Edlinger" und nicht "Schöttel" heißen. Diese eingelernten Muster der "Suche nach dem Schuldigen", des "Buhmanns" sollten wir ablegen und anerkennen, dass es Situationen gibt, die wir einfach nicht beherrschen; einfach ein unglückliches Zusammentreffen mehrerer Kleinigkeiten
  • Erfolglosigkeit im internationalen Bewerb, 
  • gleichzeitiger Ausfall mehrerer Leistungsträger, 
  • junge Spieler können nicht behutsam eingebaut werden und werden ins kalte Wasser gestoßen, 
  • ein gut eingestellter motivierter Gegner und der wichtigste: 
  • "Wir sind RAPID - und wer sei ihr?" ist ja ein netter Spruch aber allzu oft vorgetragen glauben ihn vielleicht auch die Spieler und meinen, es würde genügen, bei RAPID zu sein, um besser zu sein, statt es wöchentlich aufs Neue beweisen zu müssen; also eine Art Überheblichkeit, die wir selbst ihnen suggerieren).

Was sich daher geändert hat, ist nicht das Spielglück oder die individuellen Fähigkeiten, sondern die Geduld des Anhangs.

Freitag, 5. Oktober 2012

Am Roulette-Tisch des Fußballs

Warum geht jemand auf den Fußballplatz?

Dazu hat schon Sepp Herberger eine Antwort gewusst: "Weil wir nicht wissen, wie das Spiel ausgeht!"

Und je weniger wir den Ausgang voraussagen können, desto mehr Zuschauer kommen. Wir brauchen nur den Buchmachern bei der Quotenfestsetzung zuschauen. Je größer die Quotendifferenz zwischen dem Favoriten und dem Außenseiter, desto geringer die Zuschauerzahl. Wenn Rapid gegen einen unterklassigen Verein spielt, kommen ein paar Hundert Zuschauer, wenn Rapid gegen einen der Top-Klubs in der Liga spielt, ist das Stadion voll. Wenn am Ende einer Saison die Favoriten knapp beisammen liegen, tut das den Zuschauerzahlen gut. Liegt aber ein Verein uneinholbar voran, sinkt das Interesse.

Allein die Zufälligkeit der Ereignisse, die schließlich zu Toren, Siegen und Titeln führen, macht Fußball (und andere Sportarten) interessant.

Tore, Ergebnisse und Titel sind Zufall, oder?

Tatsächlich können wir weder voraussagen, wann das nächste Tor fällt, wer schließlich gewinnt und ob die Mannschaft am Saisonende einen Titel holt. Alles Zufall?

Ja, aber Zufall auf hohem Niveau! Tore, Ergebnisse und Titel sind zwar zufällig aber wir bestimmen die Wahrscheinlichkeiten dafür, indem wir mehr oder weniger investieren (und das Investment muss nicht allein Kapital sein).

Der Spielausgang ist daher (fast) wie das Ergebnis eines Spiels am Roulette-Tisch in einem Casino. Der Unterschied ist aber, dass die Anzahl der Felder "rot" (=SIEG) und "schwarz" (="NIEDERLAGE") nicht im Verhältnis 50:50 ist, sondern sich aus den Spielstärken der Mannschaften ableitet.

Diese Wahrscheinlichkeit, ein Spiel zu gewinnen, ist nicht die Quote, denn die Quote ist eine subjektive Einschätzung von Spezialisten, sondern wird durch die reale Spielstärke bestimmt, etwas, was man kaum quantifizieren kann, bestenfalls mehr oder weniger gut einschätzen. Aber auch die beste Einschätzung sagt uns schließlich nur eine Wahrscheinlichkeit aber weder ein Tor, noch einen Spielausgang und auch nicht einen Titelgewinn.

Die tatsächliche Spielstärke einer Mannschaft unterliegt sehr vielen Einflussfaktoren, die der Verein steuern kann.  Das sind zum Beispiel  Spielerqualität, Umfeld, Personal, Training, Fitness, Spielerausfälle durch Verletzung oder Karten, Motivation, Teambuilding, Sparring-Partner, Support, Heimvorteil, Belastung durch vergangene Spiele. Alle diese Faktoren können die Anzahl der "roten" Felder erhöhen. Aber natürlich hat auch der Gegner dieselben Chancen und die Bemühungen beider Teams können sich gewissermaßen egalisieren und man endet in einem Chancengleichstand. Aber auch wenn wir viel Geld investieren, können wir die Zahl der für uns günstigen "roten" Felder nur erhöhen aber niemals wird es nur "rote" Felder geben, immer gibt es auch "schwarze". Und daher ist kein Spiel "eine g'mahde Wiesn" und kann immer so oder so ausfallen.

Wenn wir uns "gegen den modernen Fußball" wenden, bei dem fast unbegrenzter Kapitaleinsatz den Spielausgang zu steuern versucht, wissen wir doch, dass es nicht Schöneres gibt, als einen Sieg in Wals-Siezenheim einzufahren. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht hoch, denn die Bullen belegen am fußballerischen Roulettetisch, verdammt viele Felder; aber es ist möglich, wie der 2:0-Sieg von Rapid gegen RedBull am 12.8.2012 gezeigt hat.

Alle wissen um die Faktoren, die den Spielausgang beeinflussen. Superreiche versuchen durch Kapitaleinsatz diese Faktoren zu ihren Gunsten zu beeinflussen und dennoch kann der konkrete Spielausgang nicht gekauft werden, denn immer werden "schwarze" Felder am Roulette-Tisch des Fußballs sein, die dem Favoriten einen Strich durch die Rechnung machen können; nicht oft, aber doch manchmal.

Das Spiel der vergebenen Chancen

Und schon wieder wird in diversen Foren von der "schlechten Leistung" der Mannschaft gesprochen, obwohl es ein packendes Spiel auf hohem Niveau war mit einem Chancenplus für Rapid; das Spiel am 4.10.2012 in Charkiw.

Ich sehe das Spiel sehr positiv. Rapid spielte selbstbewusst und konnte mit einem starken Gegner gut mithalten. Die Niederlage fällt zwar unterm Strich klar aus, aber sie hatte etwas von österreichischer Tragik. Gut gespielt aber leider...

Tore, Ergebnisse und Titel im Fußball haben Zufallscharakter

Bälle, die Zentimeter neben das Tor gehen, haben nichts mit einer Minderleistung zu tun; das passiert auch im Training und auch ohne Gegner. Dasselbe Spiel nimmt "mit ein bisschen Glück" - wie die Werbung so schön sagt - eine ganz andere Wendung.

Schüsse, die letztlich zu einem Tor führen, werden nicht auf den Tormann geschossen (obwohl das viele Stürmer genau so tun) sondern es wird das Eck, also praktisch die Stange anvisiert, damit der Tormann eben den Ball nicht erreicht. Auch Steffen Hofmann hat einen solchen Schuss abgegeben.

Aber diese Schüsse sind wie eine Münze. Manchmal kommt Kopf und manchmal Adler. Ob ein solcher "gut angetragener" Schuss trifft, hängt von Dingen ab, die wir nicht kontrollieren können. Es geht hier um Millimeter, die der Fuß den Ball weiter links oder rechts berührt.

Wäre Rapid deutlich schwächer als Charkiv gewesen, dann kommen die Rapidler überhaupt nicht in die Lage, einen solchen Schuss abgeben zu können. Dass es aber oft der Fall war, das zeigt die Stärke der Mannschaft.

Die Leistung einer Mannschaft ist es daher, in eine Position zu kommen, in der man eine realistische Chance auf einen Torschuss hat. Und wir hatten viele solcher Chancen. Wir waren mehr als ebenbürtig.

Die Leistung einer Mannschaft auf so einem Schuss oder zum Beispiel auf einem verschossenen Elfer zu reduzieren, ist nicht fair.

Den Ball in einer hart erarbeiteten Schussposition richtig zu treffen, ist letztlich eine Art Glücksspiel; Glücksspiel auf hohem Niveau, bei dem wir alle am Einsatz mitbeteiligt sind und daher leiden, wenn die Kugel falsch fällt.

Mittwoch, 29. August 2012

Vor dem Spiel des Jahres

Wer an einem internationalen Fußballbewerb teilnimmt, muss die Bedingungen des Veranstalters akzeptieren; er muss ja nicht unbedingt dabei sein.

Ich stelle mir hier die Frage, ob die in erster Instanz ausgesprochene Strafe für Rapid von

  • 75.000,- Euro, 
  • einem Geisterspiel und 
  • der Androhung des Ausschlusses von internationalen Spielen im Wiederholungsfall

von einem Gremium ausgesprochen wurde, das mit ausgebildeten Juristen oder Soziologen besetzt ist oder es einfach die Exekution des Vertrags ist, der im Sinne der ökonomischen Vorteile der Firma UEFA erfolgt; nicht aber nach einer ernsthaften Bemühung um eine Wahrheitsfindung und Ursachenforschung. Wir können nur hoffen, dass sich nach der Anhörung in der zweiten Instanz das unbedingte Geisterspiel auf eine bedingtes reduziert.

Warum dieses Urteil unfair ist

  • weil es eine Kollektivschuld ausspricht (und das widerspricht juristischen Grundsätzen). 
  • weil es nicht die gesamten Umstände der Vorfälle betrachtet und gewisse Vorgänge, nur weil sie von keiner Kamera festgehalten wurden, als unwesentlich abtut (man würde von Richtern erwarten, dass sie alle Umstände berücksichtigen) 
  • weil man sich nicht wundern muss, dass es brennt, wenn man mit dem Feuer spielt
  • weil das Urteil unverhältnismäßig ist, denn ein einziger Zündler genügt morgen Donnerstag und Rapid kann das internationale Pflaster für die nächsten Jahre vergessen. Das Urteil nimmt dem Verein jede Perspektive, denn unbedachte Einzelaktionen können immer wieder passieren. 

Kollektivschuld

Es ist ein Rechtsgrundsatz, das Verschulden einzelner Personen nicht einer Gruppe von Personen oder einer juristischen Person anzulasten. Dieses Prinzip einer Kollektivhaftung "widerspricht der aufgeklärten Grundhaltung europäischer Kulturtradition, wonach jeder für seine Taten eine individuelle Verantwortung trägt" (Zitat Wikipedia).

Solche Strafen sind in undemokratischen Systemen durchaus bekannt, man erinnere sich an die Schule oder das Militär. Wer kennt nicht Lehrer (wenn nicht persönlich, dann doch aus alten Filmen), die eine Klasse nachsitzen lassen, nur weil ein Übeltäter nicht ausgeforscht werden kann. Zu Ehrenrettung dieser Institutionen Schule und Militär muss man aber bemerken, dass solche Auswüchse selten geworden sind. Immerhin geht es um die Vermittlung demokratischer Werte, von Menschenwürde und dass eben jede Strafe einen Straftatbestand voraussetzt. Daher sind in der Schule und beim Militär Kollektivstrafen nicht mehr gebräuchlich.

Warum verwenden aber Fußballverbände so archaische Methoden?

Fußballverbände sind wenig demokratisch und erinnern eher an den obersten Sowjet als an eine demokratische Institution. Sie sind übrigens in schlechter Gesellschaft mit dem IOC, dem Schiverband, die FIA und leider auch der zahlreichen NGOs. Alle diese Verbände haben einerseits ehrenwerte Ziele aber ihre Strukturen und Strafen sind eher antiquiert.

Wahrscheinlich haben diese Konzepte ihren Ursprung darin, dass nicht etwa Juristen oder Soziologen die ersten Satzungen entworfen haben sondern die Betroffenen selbst, zum Beispiel verdiente Sportler.

Aber Fußballer gehen durch die harte Schule des Fußballs, nicht durch die Schule demokratischer Strukturen. Am Spielfeld gilt das Wort des Schiedsrichters, nicht eine objektivierbare, erarbeitete Sichtweise. Mit ungerechten Entscheidungen zu leben, das haben sich Fußballer längst angewöhnt. Nur Anfänger lassen sich in Diskussionen mit dem Schiedsrichter ein. Die Profis reagieren mehr oder weniger gelassen; resigniert könnte man sagen.

Und diese Erfahrungen eines Fußballers geben sie weiter - sofern sie sich in den Verbänden weiter engagieren.

Kollektivstrafen sind eine Form der Ohnmacht

Aus meiner Sicht ist eine Kollektivstrafe ein Zeichen von Ohnmacht. Man kennt den Täter nicht und übergibt die Problemlösung der Gruppe. Ein grausames Kollektivurteil ist uns dem Zweiten Weltkrieg bekannt. Der Ort Lidice wurde am 9. Juni 1942 dem Erdboden gleichgemacht, weil der Attentäter auf Richard Heydrich dort versteckt gewesen sein soll. Und geradezu als Retourkutsche sind uns die schrecklichen Ereignisse während der Austreibung der deutsch-sprachigen Bevölkerung aus Böhmen nach dem Krieg bekannt.

Man sollte eigentlich der Meinung sein, dass angesichts dieser schrecklichen Erfahrungen Kollektivstrafen ein für alle Mal aus den juristischen Handbüchern verschwunden wären. Sind sie auch! Nicht aber auf weniger beobachtete Teilbereichen des Rechts wie eben beim Fußball; dort blüht die Kollektivstrafe weiter.

Kann eine juristische Person, ein Verein, für einen Stadionbesucher haften?

Meine Antwort ist "nein".
Zwischen dem Besucher im Rapid-Fansektor und dem Verein besteht nur ein Vertrag: der Besucher erwirbt das Recht, das Spiel zu besuchen und der Verein überprüft die Voraussetzungen gemäß den Vorgaben der betreffenden Liga. Sind diese gegeben, muss er die Karte abgeben. Mit dem Vertrag akzeptiert der Besucher die Stadionordnung.
Wenn einzelne Besucher unerlaubterweise Pyrotechnik mitbringen und einsetzen, dann kann der Verein nichts weiter dagegen unternehmen. Was er hat tun können, nämlich überprüfen, ob der Kartenkäufer berechtigt ist, das hat er getan.

Woher kommt daher das Problem?

Die Besucher der Fußballarenen bringen ihre Welt ins Stadion. Neigt ihre Welt zur Bandenbildung, zur Mutprobe, zur Aggression, leben sie das in der Anonymität des Fanblocks auch aus.

Nur bei Rapid?

Ja, Rapid hat immer schon die meisten Probleme mit diesen Personen gehabt, weil Rapid der einzige Verein ist, der durch die große Zahl von Anhängern den Einzelnen ausreichend anonymisiert.

Aber das Problem hat nichts mir Rapid selbst zu tun, in dem Sinn, dass bei Rapid etwas falsch laufen würde. Es hat aber mit der Größe des Vereins mit dessen Geschichte, mit dessen Symbolkraft zu tun. Es ist ein gesellschaftliches Problem, das bei Rapid sichtbar wird. Rapid ist sozusagen der Marker, an dem man bemerkt, wessen die Gesellschaft fähig ist. Es ist außerdem ein Problem der Großstadt. Mattersburg, wo jeder jeden kennt, ist gegen solche Auswüchse immun. Eine gewisse Anonymität ist erforderlich und die steigenden Zuschauerzahlen und der immer voll gefüllte BlockWest geben die richtige Bühne für eine Selbstdarstellung von Pyro-Zündlern ab.

Nicht die Rapid-Anhänger sind gewaltbereit. Gewaltbereite Gruppen missbrauchen Fußballvereine, um ihre Bedürfnisse auszuleben.

Raus mit diesen Gruppen aus dem Stadion!

Ja, genau, das ist es ja, was die UEFA will. Der Verein soll gefälligst dafür sorgen, dass wir diese Zuschauer "nie wieder im Stadion sehen" (soweit ich mich erinnere, waren das die ersten Worte von Präsident Edlinger nach dem Platzsturm am 22.5.2011).

Aber so einfach ist das nicht, und auch die Wortwahl unseres Präsidenten hat sich seit 2011 geändert.

Primus England

Fußballfelder ziehen problematische Gruppierungen an, das wissen wir.

Aber es gibt geradezu ein Vorzeigeland, nämlich England, wo man den Eindruck hat, dass man all diese Probleme in den Griff bekommen hat. Bei einem Spiel in einer oberen Liga in England hat alles seine Ordnung. Kleinigkeiten werden von den Ordnern geahndet, und die Ordner haben dort auch eine sehr große Autorität. Es gibt keine Fahnen, kaum Transparente, alles sitzt. Schön für den englischen Fußballverband, schön für die UEFA.

Das war aber nicht immer so.

Es gab 1985 die Katastrophe von Heysel mit 39 Toten als Anhänger von Liverpool den neutralen Sektor stürmten und  1989 die Hillsborough-Katastrophe mit 96 Toten . Als Folge dieser verheerenden Unglücke hat man sowohl die Bauformen der Stadien als auch die Marketingstrategien in England neu gestaltet und herausgekommen ist eben diese ziemlich sterile Atmosphäre englischer Stadien.

Durch extreme Eingangskontrollen, wo es zu jedem Teilbereich des Stadions eigenen Eingänge gibt, durch strikte Durchsetzung der Stadionordnung und gleichzeitige Anhebung der Eintrittspreise hat man erreicht, dass sich die Struktur der Stadionbesucher (zumindest in den Spielen der Premier League) geändert hat.

Es war also Ende der 80er Jahre als man in England eine Umschichtung der Stadionbesucher vorgenommen hat. In der obersten Spielklasse gab es nur mehr selektiertes Publikum, sehr zur Freude der UEFA und wahrscheinlich auch des englischen Verbandes.

Alles supersauber, oder?

Man hat zwar die Struktur de Stadionbesucher verändert, nicht aber die Struktur der Gesellschaft. Fans, die sich den Stadionbesuch in der obersten Liga  nicht mehr leisten konnten, wanderten in die unteren Ligen ab. Die Presse vom 26.8.2009 berichtet von kriegsähnlichen Krawallen beim Cupspiel West Ham gegen Millwall.

Die Kinder der Heysel-Generation randalieren nicht mehr in den Stadien, denn die sind für sie unerschwinglich, nein sie randalieren auf Englands Straßen, so geschehen 2011, als in England die schwersten Ausschreitungen erlebt und die Süddeutsche Zeitung berichtet über "Plündern und Prügeln als Freizeitsport".

Als Ursachen für diese Unruhen werden genannt: Armut, Ohnmacht, Sparmaßnahmen, Rassismus, Langeweile usw., sie haben vordergründig nichts mit Fußball zu tun und dennoch scheinen sie auch das Motiv für Besucher von Fußballstadien zu sein, dort an diesem sehr begrenzten Ort geradezu aufschreiend auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Wenn also die UEFA die Vereine zwingt "englische Verhältnisse " einzuführen, dann bekommen wir diese auch aber eben mit der Folge, dass die Ausschreitungen nicht im Biotop Fußballstadion statt finden sondern eventuell in Deiner oder meiner Wohnung oder wo es uns sonst noch mehr schaden wird.

Dieses Problem ist daher nicht allein ein Problem eines Fußballvereins, denn der ist in keiner Weise auf diese Problematik vorbereitet; weder finanziell noch personell. Aber der Fußballverein ist jener Kondensationskeim an dem sich gesellschaftliche Probleme zuallererst zeigen.

Nicht der Fußballverein erzeugt unangepasstes Verhalten von Stadionbesuchern, nein, die Gesellschaft ist es, die eine Radikalisierung erzeugt und im Stadion zeigt sich diese Entwicklung zuerst.

Wenn wir jetzt so handeln, wie es halt üblich ist, und wie wir es von England gelernt haben, mit Stadionverboten, Aussperrungen, Preiserhöhungen, rigorose Durchsetzung der Stadionordnung (Sitzplatzgebot, jeder sitzt auf seinem Platz, keine Fahnen, keine Pyrotechnik, mehr Ordner, mehr Polizei, Rauchverbot, Verbot des Essens auf den Rängen, Ausschluss bei Zuwiderhandlung usw.) dann wird der Verein vielleicht langfristig erfolgreich sein. Was aber tatsächlich geschieht, ist eine Verlagerung des Problems aus dem Stadion in die Vorstädte, wo die aus dem Stadion Verbannten andere Betätigungsfelder suchen und finden.

Während es aber im Stadion immerhin noch ein Spiel war und ein Säbelrasseln, wird es später ein Ernst werden, den wir uns nicht wünschen wollen, weil die Gruppen viel weniger kontrollierbar auftreten werden.

Rassismus

Ich habe mich immer schon über die Transparente "gegen Rassismus" und die Aktion "Respect" gewundert. Nicht, dass ich nicht auch dagegen wäre, aber wie immer man Fußball interpretieren will, man kann ihn auch als eine Art des "gespielten Rassismus" verstehen.Es geht um die Vernichtung des Gegners, auch wenn man das im VIP-Bereich anderswie formuliert; es bleibt immer diese virtuelle Gegnerschaft gegen Menschen, die sich in keiner Weise von uns selbst unterscheiden, außer durch die Farbe ihres "Kampfanzugs". Fußball soll kein Rassismus sein, aber es ist ein Spiel, das alle Facetten von Rassismus aufweist und vielleicht ist Fußball nicht zufällig in einer Zeit entstanden als auch der Nationalitätenhass geboren wurde, als das Angebot eines Ventils. Wenn man schon eine Gegnerschaft ausleben will, dann nicht auf einem realen Schlachtfeld oder auf der Straße sondern in einem künstlich dafür geschaffenen Raum, dem Fußballfeld.

Wenn das aber so ist, dass Fußball eine rassistische Seite hat, dann ist es nicht unlogisch, dass Fußball gerade jene Schichten anzieht, die solche Gefühle besonders abbauen müssen. Daher ist Fußball geradezu eine therapeutische Angelegenheit. Fußball ist ein Blitzableiter gegen Rassismus, in dem er erlaubt am Fußballplatz Dinge zu sagen, die sonstwo nie ausgesprochen werden.

Was kann man tun?

Ernst nehmen! Wenn es Menschen gibt, deren Lebensziele die "Vernichtung des Gegners" sind und nicht ein sportlich fairer Wettkampf, dessen Ergebnis man anerkennt, dann gibt es sie und wir müssen uns fragen, wie es dazu kommt und wo die eigentlichen Ursachen sind.

Außerdem muss man den Fußball auch als eine wertvolle Möglichkeit akzeptieren, mit den problematischen Gruppen überhaupt in Kontakt zu kommen. Hier hat der Fußball eine enorm wichtige Funktion aber nur dann, wenn man alle Gruppen im Stadion hält und nicht, wenn man sie von dort verbannt.

Es wird nicht genügen, dass Fans ein Mal in der Woche bei einem Fußballspiel zusammenfinden. Man wird mehr Arbeit seitens der Gesellschaft in diese Gruppen investieren müssen; sie näher an den Verein heranführen, denn derzeit bilden sie eher einen Verein neben dem Verein. Leider aber einen Verein ohne weitere Verantwortung für das Geschehen. Würde sich zum Beispiel der "Fanblock West" so definieren, dass auf "seinem Territorium" gewisse Grundregeln an Disziplin eingehalten werden müssen (um dem Fußballverein nicht zu schaden), dann wäre das bereits ein Ansatz. Aber solche Regeln dürfte es derzeit nicht geben.

Warum sind Fußballspiele für "Pyro-Extremisten" so anziehend?

Bei aller Sportlichkeit des Großteils des Publikums; aber ein Fußballspiel bildet einen Krieg ab. Und der Gegner, der, dessen "Waffen" nicht "vom eigenen Pfarrer" gesegnet worden sind, ist "zur Vernichtung ausgeschrieben". Natürlich ist alles nur symbolisch und alle Beteiligten können sich nach dem "Krieg" unverletzt die Hände schütteln.

Wer ein Foto von einer Choreografie des Block West betrachtet, kann sich einer gewissen Magie nicht entziehen, auch dann, wenn man vor dem Mikrofon meint, "die Pyrotechnik müsse weg". Wenn ein Spiel im Hanappi-Stadion beginnt, richten sich Hunderte Fotoapparate auf die Westtribüne; ja, einige fotografieren auch die Mannschaftsaufstellung aber alle bannen das Geschehen am Altar des Fußballs, auf der Westtribüne auf das Bild.

Und wiederholt konnte ich in einem Forum lesen, "gibt es eine Choreo?".

Wenn sich die Nebelschwaden verziehen...
...wird der Blick auf das Schlachtfeld freigegeben. Was früher bitterer Ernst war, findet heute mit der Pyrotechnik eine symbolische Fortsetzung.

Aber dieser "Krieg", die Beseitigung der Ungewissheit, das "es wissen wollen", das ist für alle Zuschauer im Stadion, gleichermaßen anziehend, auch und vielleicht gerade für Randgruppen, die aus der Symbolik allzu leicht in die brutale Realität einer "dritten Halbzeit" abgleiten.

Beweiswürdigung

Unstrittig wird wohl sein, dass es unerlaubt ist, pyrotechnische Gegenstände ins Stadion zu bringen.

Aber es macht einen Unterschied, wenn die "Pyro-Fans" unter dem Eindruck eines unmittelbar vorher erlebten kriegsähnlichen Zustandes handeln.

Die UEFA hat bei ihrem Ersturteil diese Umstände nicht  berücksichtigt und lediglich jene Szenen in Betracht gezogen, die bei eingeschalteten Kameras zu sehen waren.

Der Worst-Case

Warum auch immer, es kann sein, dass am Donnerstag irgendjemand von irgendwo eine Rakete abfeuert (so schnell wird man das ja nicht abstellen können). Es kann ja auch aus Nichtwissen sein, aus einer überschwänglichen Freude oder aus eben solchem Leid oder allein deshalb sein, um Rapid zu schaden; egal. Dann kann Rapid seine internationalen Hoffnungen für die nächste Jahre begraben. Nicht nur, dass man nicht spielen kann, nicht nur, dass es keine Einnahmen gibt, es fallen auch Jahre ohne irgendeinen UEFA-Wertungspunkt an, die das Erreichen der Riege der gesetzten Vereine in der Qualifikation immer unmöglicher machen. Dazu kommt, dass die Million aus Schottland ausbleiben wird und das trotzdem die UEFA so auf Sauberkeit bedacht ist. Eine einzige Negativspirale.

Rapid, das sind "Fans mit einer Mannschaft"

.. und die Fans bestimmen auf eine tragische Weise mit, welche Rolle der Verein in der Liga und international spielt.

Sonderbarerweise passiert das alles gerade in der Zeit, in der die Fans Hoffnungen hegen, doch wieder ein bisschen  in Europa mitmischen zu können. Die Aufbruchsstimmung ist unübersehbar, die Zahl der mitfahrenden Rapidler ist enorm groß.

Fußball hat natürlich sehr viele Facetten und es ist nicht möglich, alles auf einen einzelnen Aspekt zu reduzieren. Aber man kann durchaus postulieren, dass die lange Liste der verhängnisvollen Unentschieden im abgelaufenen Jahr auch eine Folge des schlechten Klimas auf den Rängen war und damit einen Meistertitel gekostet hat.

Und die Ereignisse im heurigen Jahr zeigen, dass der Spruch, dass "Rapid, Fans mit einer Mannschaft" sind, traurige Wahrheit wird. Der Gegner Saloniki war nicht einfach nur ein Gegner sondern der Erzfeind eines befreundeten Klubs und diese Rolle wird über das Wohl des eigenen Vereins gestellt. Dieser Spruch ist daher nicht nur ein Sager, nein, er wird auch gelebt. Und die Folgen tragen wir alle. Auch eine Art Kollektivschuld.