Freitag, 5. Oktober 2012

Am Roulette-Tisch des Fußballs

Warum geht jemand auf den Fußballplatz?

Dazu hat schon Sepp Herberger eine Antwort gewusst: "Weil wir nicht wissen, wie das Spiel ausgeht!"

Und je weniger wir den Ausgang voraussagen können, desto mehr Zuschauer kommen. Wir brauchen nur den Buchmachern bei der Quotenfestsetzung zuschauen. Je größer die Quotendifferenz zwischen dem Favoriten und dem Außenseiter, desto geringer die Zuschauerzahl. Wenn Rapid gegen einen unterklassigen Verein spielt, kommen ein paar Hundert Zuschauer, wenn Rapid gegen einen der Top-Klubs in der Liga spielt, ist das Stadion voll. Wenn am Ende einer Saison die Favoriten knapp beisammen liegen, tut das den Zuschauerzahlen gut. Liegt aber ein Verein uneinholbar voran, sinkt das Interesse.

Allein die Zufälligkeit der Ereignisse, die schließlich zu Toren, Siegen und Titeln führen, macht Fußball (und andere Sportarten) interessant.

Tore, Ergebnisse und Titel sind Zufall, oder?

Tatsächlich können wir weder voraussagen, wann das nächste Tor fällt, wer schließlich gewinnt und ob die Mannschaft am Saisonende einen Titel holt. Alles Zufall?

Ja, aber Zufall auf hohem Niveau! Tore, Ergebnisse und Titel sind zwar zufällig aber wir bestimmen die Wahrscheinlichkeiten dafür, indem wir mehr oder weniger investieren (und das Investment muss nicht allein Kapital sein).

Der Spielausgang ist daher (fast) wie das Ergebnis eines Spiels am Roulette-Tisch in einem Casino. Der Unterschied ist aber, dass die Anzahl der Felder "rot" (=SIEG) und "schwarz" (="NIEDERLAGE") nicht im Verhältnis 50:50 ist, sondern sich aus den Spielstärken der Mannschaften ableitet.

Diese Wahrscheinlichkeit, ein Spiel zu gewinnen, ist nicht die Quote, denn die Quote ist eine subjektive Einschätzung von Spezialisten, sondern wird durch die reale Spielstärke bestimmt, etwas, was man kaum quantifizieren kann, bestenfalls mehr oder weniger gut einschätzen. Aber auch die beste Einschätzung sagt uns schließlich nur eine Wahrscheinlichkeit aber weder ein Tor, noch einen Spielausgang und auch nicht einen Titelgewinn.

Die tatsächliche Spielstärke einer Mannschaft unterliegt sehr vielen Einflussfaktoren, die der Verein steuern kann.  Das sind zum Beispiel  Spielerqualität, Umfeld, Personal, Training, Fitness, Spielerausfälle durch Verletzung oder Karten, Motivation, Teambuilding, Sparring-Partner, Support, Heimvorteil, Belastung durch vergangene Spiele. Alle diese Faktoren können die Anzahl der "roten" Felder erhöhen. Aber natürlich hat auch der Gegner dieselben Chancen und die Bemühungen beider Teams können sich gewissermaßen egalisieren und man endet in einem Chancengleichstand. Aber auch wenn wir viel Geld investieren, können wir die Zahl der für uns günstigen "roten" Felder nur erhöhen aber niemals wird es nur "rote" Felder geben, immer gibt es auch "schwarze". Und daher ist kein Spiel "eine g'mahde Wiesn" und kann immer so oder so ausfallen.

Wenn wir uns "gegen den modernen Fußball" wenden, bei dem fast unbegrenzter Kapitaleinsatz den Spielausgang zu steuern versucht, wissen wir doch, dass es nicht Schöneres gibt, als einen Sieg in Wals-Siezenheim einzufahren. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht hoch, denn die Bullen belegen am fußballerischen Roulettetisch, verdammt viele Felder; aber es ist möglich, wie der 2:0-Sieg von Rapid gegen RedBull am 12.8.2012 gezeigt hat.

Alle wissen um die Faktoren, die den Spielausgang beeinflussen. Superreiche versuchen durch Kapitaleinsatz diese Faktoren zu ihren Gunsten zu beeinflussen und dennoch kann der konkrete Spielausgang nicht gekauft werden, denn immer werden "schwarze" Felder am Roulette-Tisch des Fußballs sein, die dem Favoriten einen Strich durch die Rechnung machen können; nicht oft, aber doch manchmal.
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