Samstag, 30. November 2013

Die Weihnachtsfeierkartenschlange

Eintrittskarte, Programm und Parkkarte

Die Nacht der Nächte

Wir, Alexandra, Claus und Franz waren etwa Freitag um 14:00 vor dem Rapid-Fancorner. Hier fand ab Samstag 9:00 eine Art "Versteigerung für Arme" statt. Der Einsatz, mit dem gesteigert wird, ist die Zeitdauer, die man bereit ist, vor dem Beginn der "Auktion" zu warten; bei jedem Wetter. Es kommt also nicht darauf an, wie viel Geld man bereit ist, für eine Karte zu zahlen sondern wie viel man bereit ist, an Ungemütlichkeit zu investieren. Das hat zur Folge, dass ziemlich leidensfähige (und nicht reiche) Mitglieder den Tisch ganz vorne haben können.

Dieses Vergabeverfahren ist für Rapid nicht untypisch und wurde früher auch für die West-Abos angewendet. Dort, bei den West-Abos, ist man aber zur Verlosung übergegangen. Die Karten für die Weihnachtsfeier könnte man natürlich auch verlosen, aber dann wird es schwierig, die richtigen Leute auf denselben Tisch zu bekommen.

Man könnte ja genau so gut (und es wäre besser für die Kassa von Rapid) die Karten auf die sonst übliche Art versteigern. Das hätte aber zur Folge, dass nur betuchte Mitglieder Zugang zu dieser Feier, insbesondere zu den vorderen Tischen hätten.

Niemand ist krank geworden - hoffentlich. Keine Angst; Mensch hält das locker aus; und es war auch nicht all zu kalt. Krank wird man vielleicht, wenn man das nicht gewöhnt ist. Aber Fußballfreunde werden durch Spiele bei jedem Wetter ohnehin an diese Temperaturen vorbereitet.

Was man sich als Verbesserung vorstellen könnte, dass man diese kleine Versammlung mit einem Betreuer vom Verein in die Aula des Stadions verlagert, denn wir hatten in den letzten Jahren und auch heuer wieder Wetterglück. Es hätte ja genauso gut regnen oder -10 Grad haben können und da schaut es dann mit der Gesundheit schon anders aus. Allerdings muss man befürchten, dass dann wegen der angenehmeren Bedingungen in der Aula viel mehr Mitglieder bereit sein würden, früher zu kommen. So ist also das Wetter ein willkommener Selektor, um die Opferbereitschaft der Fans auf die Probe zu stellen.

Bilder 

Die nachfolgenden Handy-Bilder illustrieren unsere gemeinsame Nacht in der Keisslergasse. Wärmelampe, Glühwein, Weber-Kugelgrill, feiner Schweinslungenbraten mit gegrillten Aubergingen und Zuchini; alles organisiert von Claus aus Petzenkirchen. Daaanke! Die Warteschlange um 7:00 schaut vielleicht gar nicht so lang aus, man muss aber bedenken, dass praktisch jeder in der Reihe sehr viele Karten für andere Mitglieder oder für seinen Fanclub kauft. Manche organisieren das Warten wie beim Wachdienst beim Bundesheer; sie wechseln sich während der Nacht ab. Die Fotos zeigen auch den Ablauf der "Auktion". Clemens markierte die verkauften Plätze, Martina stellte die Kuverts zusammen und kassierte das Geld (komischerweise machen das immer die Frauen) und Andy Marek übergab die begehrten Karten. Die Karte kostete 58,- Euro und umfasst auch ein viergängiges Abendessen.

Hier der Text von der Facebook-Seite von Rapid (bezieht sich auf das erste Bild und wurde etwa um 18:00 gemacht): Unglaublich! Am morgigen Samstag beginnt um 9 Uhr - wie gewohnt exklusiv für Vereinsmitglieder - der Vorverkauf für die grün-weiße Weihnachtsgala - diese drei haben ihre Tickets wohl schon sicher, denn sie haben es sich bereits jetzt vor der Geschäftsstelle gemütlich gemacht - Respekt!

Bilder zur Weihnachtskartenschlange

Wir freuen uns schon auf das alljährliche "Fest der Feste", die Rapid-Weihnachtsfeier in der Eventpyramide in Vösendorf!

Freitag, 29. November 2013

Hurra, wir haben den Zaubertrank!

Rapid siegt gegen den FC Thun 2:1!

Die Euphorie bei den Fans ist groß im Hinblick auf das kommende "Endspiel" gegen Kiev; auch ihre Opferbereitschaft, denn vier Großflugzeuge nach Kiev sind ausgebucht. Aber gemessen an dem Plan, zu den Top-50 in Europa aufzusteigen, ist ein Sieg gegen Thun erst ein kleines Etappenziel. Aber immerhin!

Ich erinnere an den Asterix Band I. Wir sind in unserer Freude über den Sieg ein bisschen wie die Legionäre, die glaubten den Zaubertrank getrunken zu haben und probierten, einen schweren Stein zu heben (Beispiel CL-Gruppenphase unter Hickersberger). Na, ja, war halt zu schwer. Dann wurden die Steine immer kleiner und irgendwann, schafften es die Legionäre, einen kleinen Stein zu heben. Objektiv betrachtet war es aber ein sehr kleiner Stein, so wie Thun einer ist. Es stellte sich heraus, dass sie gar keinen Zaubertrank getrunken hatten.

Leider ist für Rapid unmittelbar auch kein starker Zaubertrank in Sicht aber vielleicht sind ja der neue Präsident, die neuen Mitglieder und die Hoffnung auf ein neues Stadion kleine "Zaubertrankerln", die uns weiterbringen können.

2013 stand Rapid im UEFA-Team-Ranking auf Platz 133. Mit heutigem Stand schaut das Ranking so aus:

Red Bull wird es heuer schaffen, in die Top-50 aufzurücken - aber mit Zaubertrank. Rapid hat sich immerhin auf Platz 97 verbessert. Ob wir noch weitere Plätze gutmachen können, wird natürlich vom kommenden "Endspiel" gegen Kiew abhängen. 

Das Erfreulichste ist, dass der neue Präsident durch seine Botschaft der Zuversicht, der Gemeinsamkeit wieder so etwas wie eine Aufbruchsstimmung herbeigeredet hat, die sich durch eine große Zahl neuer Mitglieder ausdrückt. Das ist das Zaubertrankerl von Rapid.

Freitag, 9. August 2013

Budget und Ranking in der Bundesliga

Heute, am 09.08.2013 kann man auf den Webseiten Transfermarkt und Bert Kassies folgende Zahlen ablesen: 

Kader   Wert     Wert/Spieler         UEFAr. Verein
28 41.500.000 1.482.143  29.285 Red Bull Salzburg
25 21.650.000   866.000  16.285 Austria Wien
27 16.050.000   594.444  14.285 Rapid
27 13.625.000   504.630  11.785 Sturm Graz
25  9.850.000   394.000   7.285 Ried
24  8.350.000   347.917   4.785 Wolfsberg
27  7.350.000   272.222   5.785 Admira Wacker
25  5.975.000   239.000   4.785 Wiener Neustadt
24  6.575.000   273.958   4.785 Wacker Innsbruck
23  5.475.000   238.043   4.785 Grödig

Man kann gespannt sein, wie nach 36 Runden das Budget die Reihung dominiert.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Ohne Vertrauen, kein Verein, keine Gesellschaft

Wie in 90minuten.at berichtet wird, drohen die Initiatoren der Mitgliederinitiative "Rapid bin ich", dem Präsidium die Entlastung zu verwehren.

Man kann sich bei diesen kämpferischen Ansagen des Eindrucks nicht erwehren, dass man sich in Vereinsfragen nicht so besonders auskennt.

So ein Verein ist eine wichtige Zelle in unserem Staat. Hier werden grundsätzliche Elemente unseres Zusammenlebens im Kleinen geübt.

Da in einem großen Kollektiv nicht alle alles machen können, werden Aufgaben an Personen delegiert, die das Vertrauen der Mitglieder genießen. Auch die Kontrollaufgaben. Diese Kontrollorgane hat man bei der letzten Generalversammlung gewählt und akzeptiert. Das ist die akzeptierte Vereinbarung.

Das von der Vereinsbehörde akzeptiertes Kontrollorgan sind im einfachsten Fall zwei von den Mitgliedern akzeptierte Rechnungsprüfer sind und im Falle von Rapid die Perfekta Treuhandgesellschaft. Wenn die Rechnungsprüfer, also die Perfekta bei der Generalversammlung die Gebarung als korrekt bestätigt, muss man das akzeptieren, was sonst.

Die Gebarung der abgelaufenen Periode wird durch die Prüftätigkeit der Rechnungsprüfer entlastet. Finden die Rechnungsprüfer Unregelmäßigkeiten, kann man drüber diskutieren, wenn aber nicht, muss man das akzeptieren, sonst ist man was anderes als ein Verein im Sinne des Vereinsgesetzes, würde ich meinen.

Ohne Vertrauen in Vereinbarungen, die wir laufend treffen, geht es nicht, funktioniert nichts, kann man nur demolieren aber nichts konstruktiv gestalten. Die Mitglieder brauchen Vertrauen zu jenen Organen, die sie selbst gewählt haben.

Das haben sie nicht. Sie vermitteln bei jeder Wortmeldung den unausgesprochenen Hintergrundtext, dass es in der Gebarung Unregelmäßigkeiten gibt und sich da jemand auf die Kosten von Rapid bereichert. Und für solche Verdächtigungen gibt es überhaupt keinen Anhaltspunkt, außer den, dass die aufgebrachten Mitglieder in wirtschaftlichen Fragen etwas unterbelichtet sind und ihre Erwartungshaltungen von irreal anmutenden Visionen "Rapid hat eine große Zukunft in Europa wenn wir nur einen anderen Vorstand haben usw." geprägt sind.

Fußball hat eben eine nicht zu leugnende religiöse Komponente, denn auch wenn viele Menschen irgendeinen fiktiven Gott beschwören (andere Menschen, andere Götter), dann wird dieser auch durch Millionenfache Wiederholung nicht wahrer, so wie der zum Stereotyp der Unzufriedenheit skandierte Slogan "Vorstand raus". Und dann? Was dann? Hat jemand darauf auch nur einen Zipfel einer Antwort, die erwähnenswert wäre?

Dienstag, 16. Juli 2013

Selbsterfüllende Prophezeiung

Ich zitiere hier aus der Denkweise von Esoterikern:

Warum ist es so wichtig an Schönes zu denken ?

Nach dem Resonanz- und auch Spiegelgesetz*) kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit das auf uns zu, was wir an Gedanken hegen und pflegen. Also bringt ständiges Denken an Währungscrashs, Wirtschaftskrise, Krankheiten und Weltuntergang …. nur Unannehmlichkeiten. Daher rasch umschwenken …
.

Das ist nun nicht nur etwas Nebuloses, wenn auch von Esoterikern nacherfunden, denn das Prinzip der "Selbsterfüllenden Prophezeiung" ist ein wohlbekanntes Prinzip, das zum grundlegenden Repertoire der Verhaltensmuster von Führungspersonal zählt. Paul Watzlawick erklärt es in seinem Werk Anleitung zum Unglücklichsein

Wenn nämlich in einem System einmal "der Wurm" drinnen ist und alle Beteiligten alles, was passiert, negativ interpretieren, dann wird es umgekehrt schwer, wieder rauszukommen. 

Ein Paradebeispiel für so eine Negativspirale ist das Verhalten der Anhänger des SK Rapid während der beiden letzten Saisonen, die in einem Prozess der Selbstzerfleischung jeden Misserfolg als ausschließlich selbst verschuldet deuten und immer gleich die eigene Mannschaft, das Trainerteam und die Vereinsführung als unfähig bezeichnen**), was die ohnehin verfahrene Situation nicht gerade erleichtert hat. Und das bezieht sich keineswegs nur auf die Blöcke Ost oder West, es hat mehr oder weniger alle Tribünen erfasst. Und das "Goldene Wiener Herz" tut sein Übriges, um diese Selbstzerfleischung munter voranzutreiben.

Umso höher ist es dem Blöcken West und Ost anzurechnen, dass sie am Beginn der aktuellen Saison diese Negativ-Spirale bewusst aufgebrochen haben und sich wieder positiv der Mannschaft zuwenden. Und das, obwohl die Randbedingungen nicht gerade die besten sind. Vernichtende Urteile im Westbahnhof-Prozess, nicht gerade erfolgversprechende Jungmannschaft, die einen schmerzhaften Lernprozess verspricht, spricht mit vielen Misserfolgen begleitet.

Diese Bereitschaft zur Unterstützung der Mannschaft wurde gleich im ersten so entscheidenden Spiel auf eine harte Probe gestellt und es war sehr erfreulich zu sehen, dass man die durchaus beachtlichen Anstrengungen der Mannschaft mit einer freundlichen Verabschiedung belohnt hat.

Wir werden sehen, ob diese sehr praktische Befolgung des Prinzips der Selbsterfüllenden Prophezeiung, welches man nunmehr ganz entgegen der bestehenden Grundstimmung anwendet, der Mannschaft in dieser Saison helfen wird. Und dieses Prinzip bedeutet, Anfeuern unserer Spieler unabhängig von allen Widrigkeiten der rauen Wirklichkeit. Und nicht nur auf West und Ost sondern auch auf Nord und Süd. 




*) Dieses "Resonanzgesetz und Spiegelgesetz" ist nicht etwas, das man im Vokabular von Psychologen oder Soziologen wiederfindet. Die Begriffe kommen aus den Bereichen der Esoterik und des Mentaltraining.

**) Ich glaube auch, dass man Rapid in Zukunft anders wird aufstellen müssen aber das nichts mit der Qualifikation der handelnden Personen zu tun. 

Donnerstag, 27. Juni 2013

Wo der Schuh (auch) drückt

Die Einnahmen eines Fußballvereins kommen hauptsächlich aus Sponsoring, Fernsehgeldern, Merchandising und Ticketing. Mitgliedsbeiträge gibt es auch, aber die finanzieren in erster Linie mitgliederbezogene Leistungen und spielen für den Spielbetrieb keine Rolle.

Während die Einnahmen von Sponsoren und von den Übertragungsrechten konstant sind (wenn nicht ein Sponsor seinen Vertrag beendet), sind die Einnahmen aus dem Ticketing und Merchandising sehr stark erfolgsabhängig.

Erfolg ist steuerbar, aber nur im Mittel und kann in einzelnen Jahren auch einmal weit unter den Erwartungen bleiben; nicht nur bei Rapid.

Bleibt der Erfolg aus, sinken die Zuschauerzahlen und auch das Fanartikel-Verkauf ist stark rückläufig.

Die Kosten des Spielbetriebs sind aber konstant, ganz egal, ob man Meister wird oder den internationalen  Bewerb verpasst.

Rapid hat in jeder der vergangenen zwei Saisonen um je etwa 2 Millionen weniger aus dem Verkauf von Eintrittskarten erwirtschaftet. Und da ist kein Sponsor weit und breit, der das auffangen könnte. Das macht die heurige Kaderplanung so schwierig.

Gleichzeitig findet im Herbst die Hofübergabe an eine bisher unbekannte Präsidentschaft statt. Hätte Präsident Edlinger noch einige Jahre vor sich, hätte er vielleicht gewagt, einen Spieler zu engagieren und damit zu spekulieren, die Gruppenphase der Euroleague zu erreichen. So aber ist er offenbar bemüht, ein möglichst geordnetes Haus zu übergeben. Schuldenfrei wird es nicht sein aber überschaubar.

Hier die Zahlen:

Saison  Zuschauer Gewinn    BL-Heimschnitt 
2008/09 321.200   3.212.000 16.900
2009/10 484.350   4.843.500 16.322
2010/11 491.791   4.917.910 15.340
2011/12 304.350   3.043.500 16.018
2012/13 364.619   3.646.190 12.970

Die Spalte Zuschauerzahl zeigt alle Heimspiele, national und international. Für die Spalte Gewinn wurden 10 Euro pro Eintrittskarte angenommen. Im BL-Heimschnitt sind auch Cupspiele enthalten.

Dienstag, 25. Juni 2013

Pyrotechnik "modern style"

Ich bin ein bequemer, älterer Fußballplatzbesucher, meist im Hanappi-Stadion, und beobachte die Aktivitäten der diversen Fangruppen des Block-West, teils mit Anerkennung, teils aber auch mit Sorge.

Als Amateur-Fotograf beobachte ich mich dabei, gerade jene Szenen (siehe Bilder) festzuhalten, die bei den offiziellen Stellen so gar nicht beliebt sind. Und das ist nicht nur bei mir als Amateur so, die Profis bei den Zeitungen reagieren genauso.

Man nimmt sogar an, dass ein Teil des Publikums außerhalb der eigentlichen Fanszene gerade wegen dieser martialischen Stimmung die Fußballspiele gerne besucht. Für sie gehört Pyrotechnik einfach dazu.

Ich bin aber als Zuschauer in einer Art Geißelhaft mit diesen Pyro-Aktivisten. Die Sanktionen der Bundesliga (Geisterspiele) sind uns bekannt und seitens der FIFA droht Rapid eine mehrjährige Sperre im Wiederholungsfall.

Ich schlage daher vor, dass man sich seitens der Bundesliga, der Vereine und auch der Fangruppen aktiv an einer Art „Ersatzdroge“ arbeitet, die ähnlich effektvolle Choreografien ermöglichen wie Feuer und Rauch aber keine nervösen Reaktionen der Sicherheitsbeauftragten auslösen..

Bühnen- und Discotechnik machen es vor. Es gibt verschiedenstes Lichtequipment, Rauch-Generatoren, die im Grunde dieselbe optische Wirkung haben aber eben besser kontrollierbar sind als offene Feuer. Spezialisten wissen das sicher viel besser.

(Theoretisch) kann ich mir auch gesteuerte Netzwerke aus Lampen(LEDs)sätzen vorstellen, die einzelne Fans bei sich haben und die zentral angesteuert werden und damit ein flächiges Bild ergeben. Hier müsste man forschen, ob man das nicht etwa mit Handies bewerkstelligen kann, an die man die LEDs ansteckt. Die olympischen Spiele in London haben bestätigt, dass es geht.

Die Überwindung der technischen Probleme wäre etwas, was aus den Pyro-Strafgeldern finanziert werden könnte.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Landfriedensbruch


Oliver, der Capo des Block-West, muss für 14 Monate ins Gefängnis, weil er den "Landfrieden" gebrochen haben soll. Sein nicht minder engagierter Partner fasste 10 Monate aus. Ein Exempel.

Die Anwendung des Paragrafs des "Landfriedensbruchs" ließe ich mir einreden, wenn es um die Gefährdung der allgemeinen Sicherheit gegangen wäre. In diesem Szenario war das aber nicht der Fall. Niemand am Westbahnhof war von den Rapid-Fans gefährdet worden. Allein ihre violetten Kontrahenten waren im Visier der Auseinandersetzung. Und die Zeitungen berichteten damals, dass die Violetten einer solchen Auseinandersetzung nicht gerade ablehnend gegenüber standen. Es waren daher zwei rivalisierende Gruppen aber einer wurde die ganze Schuld zugeschoben. Wie sonderbar sich doch der Fangesang der Rapid-Kurve "...Stolz der Polizei" bewahrheitet.

Als langjähriger Beobachter der Aktivitäten des Blocks im Rapid-Stadion hätte ich die beiden Frontmen des Block-West eher zu einer öffentlichen Anerkennung ihrer Leistungen vorgeschlagen als für eine exemplarische Verurteilung. Anders als die Tierschützer, für die der Mafia-Paragraf herhalten musste, hatten die Rapidler keinerlei Unterstützung in der Öffentlichkeit.

Unterstützung? Wofür eigentlich?

Vielleicht sollte man den einen oder anderen mit der Szene befassten Sozialarbeiter befragen, wie leicht oder schwer ihre Arbeit im Block ist. Wie man an die problematischen Leute herankommt, wie man ihr Vertauen gewinnt, um mit ihnen zu arbeiten. Genau das konnten die jetzt Verurteilten. Dass sie dabei eine Gratwanderung an den Grenzen der Legalität gingen, war den Beobachtern klar. Diese Grenzen beginnen bei verbotenen pyrotechnischen Artikeln, geworfenen Gegenständen, bei Sachbeschädigungen und eben bei kleineren oder größeren Scharmützel mit ihren Lieblingsfeinden. Das ist alles nicht wünschenswert. Aber die einzigen in dieser Szene, die Einfluss auf das Geschehen haben, waren die beiden Verurteilten. Und sie haben immer wieder bewiesen, dass sie es schaffen, dieser eigentlich unlenkbare Masse eine Richtung zu geben. Ich gebe zu bedenken, dass eine Zerschlagung oder Aussperrung dieses Blocks gar nichts verbessert. Sie werden draußen sein aus dem Stadion aber die nächste, so ausgesperrte Generation wird sich uns in unangenehmer Weise in Erinnerung rufen, ähnlich wie in den Pariser und Londoner Vorstädten. Das waren die Kinder jener Generation, die man erfolgreich aus den Stadien entfernt hatte.

Die beiden Verurteilen genießen das Vertrauen des Blocks. Sie sind dabei in einer ähnlichen Rolle wie Politiker. Sie müssen in die Menge hineinhören und müssen wissen, was der Anhang will. Dass sie in Westbahnhof-Aktion zu weit gegangen sind, das hat ihnen der Richter klar gezeigt aber wie gesagt, der Richter ist mit dieser sozialen Schicht nicht gerade vertraut, denn wie wichtig die Rolle der beiden Verurteilten ist, kann man daran ablesen, dass sie in der Rapid-Reformarbeitsgruppe nominiert waren.
Man muss nur hoffen, dass man nicht als Folge dieses Urteils wirklich den Landfriedensbruch-Paragrafen auspacken wird müssen, denn dass die Anhänger wegen des Urteils zu Sängerknaben mutieren werden, kann man nicht annehmen.

Unverhätnismäßig

Abgesehen von den Gesetzen. Die Gewalttaten richteten sich nicht gegen Dich oder mich, also gegen die Allgemeinheit. Die Befragung eines Szenekundigen hätte zur Aufklärung beigetragen. Die violette Gegenseite war zu eben diesen Gewalttaten in gleicher Weise bereit, war aber bei dem Prozess nicht einmal Zeuge. Ich fühle mich als Bürger von einer Fahrt von Arnautovic mehr bedroht als vom ganzen Block West in einer ganzen Saison. Daher finde ich das Urteil - Strafe muss ja vielleicht sein - völlig unverhältnismäßig. Zum "Gegenwert" von 14 Monaten kann man als Ersttäter schon einmal auf einen "Bruch" gehen, Verkehrsdelikte werden ohnehin meist bedingt abgeurteilt. Kinderschänder bekommen 2 Jahre Bewährung und Freisprüche. (Links dazu gibt es genügend).

Wenn es mich etwas früher auf den Fußballplatz verschlagen hätte, ich wäre sicher ein Anhänger von Oliver geworden. Jemand, der eine Sache so enthusiastisch vertritt wie er, verdient Bewunderung. Schade, dass unsere Gesellschaft meint, dass für solche Begabungen kein Platz wäre. Aber für mehr Polizei ist immer noch Platz. Aber wir wissen, dass mehr Polizei nicht gleichzeitig mehr an Sicherheit bedeutet, wohl aber Achtung aller Gruppen, wie sonderbar sie auch dem Durchschnittsbürger erscheinen mögen.

Capo

Capo sein ist nicht so einfach. Diese Rolle, die Oliver einnimmt, kann er nur behalten, wenn er auch im Sinne seiner Gefolgschaft handelt. Er ist wie ein Leitwolf. Und er muss seine Position laufend bestätigen, sonst ist er weg vom Podest. Die Opfer, die er bereit ist, für diese ausgezeichnete Stellung im Block zu bringen, sind groß. Rapid verdankt ihm eine langjährige Geschlossenheit, die den Block über jeden anderen im Lande gestellt hat. Natürlich ist er auch mitverantwortlich für das derzeitige Stimmungstief, das vielleicht sogar durch die zu geringe Unterstützung (seitens des Vereins, seitens der Berichterstattung) in Zuge dieses Prozesses mitbeeinflusst war. Um diese selbstgewählte Rolle beizubehalten, muss er "mit den Wölfen heulen", also bei der einen oder anderen grenzwertigen Aktion mitmachen und sie sogar anzetteln. Dass man sich in diesem Fall sehr ungeschickt verhalten hat (wenn man mitbekomme, dass die Polizei von der Aktion Wind bekommen hat, geht man vom Gas und verschiebt die Aktion halt aufs nächste passende Event) ist ein bisschen ein Pech.

Oliver hat eine ähnliche Rolle wie unser HC oder eben politische Führungspersönlichkeiten allgemein. HC erscheint in seinen Reden unmenschlich, radikal, ausgrenzend, ewiggestrig und was weiß ich noch alles. Aber er hätte "kein Leiiberl" mit diesen Ansichten, wenn er dem Volk nicht nach dem Maul reden würde. So geht's auch dem Oliver. Er hat sich sicher zu weit aus dem Fenster hinausgewagt.

Seine Gruppe hat ein eigenes Rechtsverständnis, das mit dem der Normalbürger nichts zu tun hat. Sie will ja nicht Dich oder mich in einen Konflikt hineinziehen und daher ist es kein "Landfriedensbruch". Sie trifft sich mit einer Gruppe, die diesem eigentümlichen Rechtsverständnis zustimmt.

Dass sich die Polizei schützend vor die armen, bedrohten Violas hinstellt ist ja die Heiterkeit schlechthin, denn die Violas verkörpern in diesem Prozess die Gesellschaft, gegen die sich der Landfriedensbruch wendet. Die Violas, die aus demselben Holz geschnitzt sind wie unsere Ultras sind auf einmal die Lieblinge der Justiz. "Stolz der Polizei". Ist das nicht komisch?

Ich würde die Betroffenen beider Parteien zu einem verpflichtenden Sozialdienst mit einer gewissen Lernkomponente verpflichten. Mit dieser Rache- und Exempeljustiz aus dem Mittelalter kommen wir nicht weiter. Auch auf anderen Gebieten nicht.




Samstag, 8. Juni 2013

WLAN in Stadien

Der Zuschauerboom ist vorbei, die Zuschauerzahlen sinken. Wie kann man den Besuch eines Fußballspiels attraktiver machen? Es ist sicher nicht ein „Knopf“ allein, an dem man drehen muss. Es sind viele Kleinigkeiten.

Eine dieser Kleinigkeiten könnte sein, dass man „mit der Zeit“ gehen muss.

Und in unserer Zeit spielt das Handy eine große Rolle.

Aber derzeit nicht im Fußballstadion (wenigstens nicht in den größeren mit vielen Zuschauern). Denn dort ist die Internet-Nutzung aus technischen Gründen durch die große Zahl der gleichzeitig eingeschalteten Geräte nur stark eingeschränkt möglich.

Die Folge: wenn jemand dringend etwas am Handy nachschauen will, dann kann er das während eines Spiels nicht oder nur zäh. Und er wird sich daher möglichst vom Stadion fernhalten.

Man könnte daher den Stadion-Betreibern die Installation von offenen WLANsempfehlen. Es kostet praktisch nichts und wäre ein Grund mehr die Zuschauer zu motivieren, ins Stadion zu kommen.

Weitergehende Nutzung eines solchen WLAN

Der Verein kann sich bei der Verbindungsaufnahme mit einer Werbeseite präsentieren, auf der auch die wichtigsten Ankündigungen des Tages zusammengefasst sein können.
Vielleicht kann man sogar bestimmte Dienste exklusiv im Stadion-Netz anbieten, die eine Anwesenheit erfordern, wie zum Beispiel die online-Teilnahme an einer Tombola.
Vielleicht wäre es denkbar, eine Stunde vor dem Spiel ein gemeinsames Video-Spiel der Zuschauer über das Handy zu organisieren (Stichwort „LAN-Party“).

Donnerstag, 23. Mai 2013

Proteste der Rapid-Anhänger


Rückblick über 13 Saisonen:

Während der letzten 13 Jahre hat Rapid folgende Platzierungen erreicht:

Saison Rang S (%) U (%) N (%)

2012/13 3 42,9 25,7 31,4
2011/12 2 44,4 38,9 16,7
2010/11 5 38,9 30,6 30,6
2009/10 3 58,3 27,8 13,9
2008/09 2 58,3 19,4 22,2
2007/08 1 58,3 16,7 25,0
2006/07 4 38,9 27,8 33,3
2005/06 5 36,1 27,8 36,1
2004/05 1 58,3 22,2 19,4
2003/04 4 44,4 25,0 30,6
2002/03 4 36,1 33,3 30,6
2001/02 8 30,6 27,8 41,7
2000/01 2 44,4 33,3 22,0

In dieser Liste fällt das heurige Jahr dadurch auf, dass es nicht auffällt. Auch die Zahl der Siege ist nicht beunruhigend gering oder die Zahl der Niederlagen beunruhigend groß. Auch ein Internationaler Startplatz wurde erreicht.

Die Häufung der Platzierungen
2 1. Platz
3 2. Platz
2 3. Platz
3 4. Platz
2 5. Platz
1 8. Platz

Die durchschnittlich erreichte Platzierung ist 3.4.
Die heurige Saison liegt aus der Sicht dieses Vergleichs komplett im Schnitt, Sie ist nichts Besonderes.

Ich frage mich daher, wie das in Zukunft weiter gehen wird. Welcher Art die Proteste sein werden, wenn Rapid einen schlechteren Tabellenplatz als den dritten haben wird, was immerhin in der Hälfte der vergangenen Saisonen der Fall war.

Die Schmerzgrenze des Block West schein ja irgendwo bei Platz 3 zu sein (so wie bei der Vereinsführung die Schmerzgrenze für die Entlassung des Trainers bei einem Punkteschnitt von 1.0 liegt).

Das kann ja heiter werden.

Das Rapid-Führungsteam ist sich seit zehn Jahren praktisch unverändert im Amt. Es gab Planungen und Fehlplanungen, gute und schlechte Käufe, bessere und schlechtere Saisonen. Jedes Jahr ist man im Titelrennen mit dabei und will natürlich ganz oben stehen. Manchmal gelingt der Titel, wenn (zufällig) alles passt. Manchmal läuft alles schief.

Fußball ist ein Spiel auf hohem Niveau, mit hohen Einsätzen, mit hohem Risiko. Aber es ist ein Spiel und daher weder planbar oder voraussagbar.

Wir erreichen mit dem dritthöchsten Budget im Schnitt den dritten Platz. Wir holen manchmal den Meistertitel, ca. 2x pro Dekade.

Ich habe den Eindruck, dass seit den beiden Meistertitel sich die Erwartungshaltung des Block West erhöht hat. Man sieht einen Sieg nicht als ein Geschenk sondern als Pflicht. Aber es ist ein Spiel.

Vielleicht liegt's einfach daran, dass sich die Struktur des Publikums verändert hat und die Latte zu hoch gelegt wird.

Dienstag, 21. Mai 2013

Ist es riskant, ein Rapid-Mitglied zu sein?

"Rapid gehört den Mitgliedern!" 

Diese Aussage kann man immer wieder von unserem Präsidenten hören. Das freut uns Mitglieder, wenn es etwas zum Feiern gibt.

Ebenso konnte man aber in der letzten Zeit hören, dass Rapid aus der einen Saison ohne Europacup-Teilnahme ein "negatives Betriebskapital" von 1.5 Millionen Euro angehäuft hat, weil eben die teilweise budgetierten Europacup-Gelder ausgeblieben sind. Die Tendenz dieser Mindereinnahmen ist steigend, denn wer kann schon damit rechnen, dass man heuer mit den gebotenen Leistungen einen internationalen Platz erreicht und dann auch noch das Husarenstück eines Einzugs in die Gruppenphase wiederholen kann? Wenn also in der laufenden Saison dieses Kunststück nicht gelingen sollte, dann wächst dieses Defizit 2014 auf mehr als 3 Millionen an. (Mehr deshalb, weil sich weit und breit kein Spieler für einen gewinnbringenden Verkauf anbietet.) An weiter gehende Konsequenzen, wie zum Beispiel eine Verweigerung der Lizenz, wollen wir zunächst einmal nicht denken.

Wenn "Rapid den Mitgliedern gehört", dann gibt es auch so etwas wie Verantwortung für das gemeinsame Projekt und es wäre nicht ganz abwegig zu überlegen, ob nicht die Mitglieder in einem solchen Krisenszenario für Außenstände haften. Ist es riskant, ein Rapid-Mitglied zu sein?

Die Statuten (Dank an OMS!) sagen nichts über die Haftung im Falle von Verlusten. Aber das Vereinsgesetz von 2002 weiß Genaueres. Dort steht im Paragraf 24 einerseits, dass Mitglieder in der Regel nicht haften aber, dass aber "Organwalter" haften, wenn sie "Vereinsvorhaben ohne ausreichende finanzielle Sicherung in Angriff genommen" haben.

Wir, die Mitglieder, sind daher "aus dem Schneider"!

Die im Vereinsgesetz angeführten Haftungen der "Organwalter" sind aber eher eine hypothetische Sache, denn wie soll jemand für Beträge in Millionenhöhe haften, wenn er nicht in dieser Größenordnung vermögend ist? Das Vereinsgesetz hat sich da eher einen Kleingartenverein vorgestellt. Aus dieser irrealen Forderung nach einer Haftung könnte man auch schließen, dass sich eine solche Vereinskonstruktion für modernen Fußball-Profibetrieb nicht eignet. Sie erinnert an eine Bank mit zu geringen Eigenkapital, die aber Risikogeschäfte eingeht, die weit dem Wert der Spareinlagen liegen.

Aber anders als bei Banken kann ein Fußballverein nicht auf eine Rettung aus Gemeindebudgets hoffen. Und auch bei Banken wird in Zukunft eher ein organisierten Konkurs als staatliche Hilfe angestrebt.

Genau das, was jetzt mit Banken passiert, dass sie nämlich ein Konzept für einen eventuellen Bankrott haben müssen und höhere Eigenkapitalquoten, das könnte auch unseren Fußballklubs, die sich in einem ähnlich riskanten Fahrwasser bewegen, nicht schaden. Höheres Eigenkapital, das wären zum Beispiel höhere Mitgliederzahlen, damit der Anteil des Risikokapitals in Relation geringer wird oder auch verpflichtende Rücklagen für den Krisenfall könnte man als Maßnahmen des Vereins zur Risikoabdeckung sehen.

Der Mitgliederverein Rapid

Die Mitglieder eines Vereins verfolgen ein gemeinsames, gemeinnütziges Ziel und nominieren als Vertreter einen Vorstand, der den gemeinsamen Einsatz, die Mitgliedsbeiträge, im Sinne der Vereinszwecks verwendet. Sofern der Verein entgeltliche Leistungen erbringt, dann darf er das, sofern er diese Leistungen ausschließlich an Mitglieder abgibt. Verkauft er auch an andere Personen, ist er ein Gewerbebetrieb. Der SK Rapid lagert deshalb auch seine unternehmerischen Tätigkeiten in die Wirtschaftsbetriebe aus, die als  eigene Firma geführt werden.

Das jährlich von den Mitglieder eingebrachte Kapital beträgt etwa 500.000 Euro (5000 Mitglieder à 100 Euro). Und dieser Betrag wird wahrscheinlich auch für mitglieder-orientierte Leistungen aufgewendet werden müssen (Magazin, Mitgliederversammlungen, Webpräsenz, Fan-Corner, Weihnachtsfeier). Viel Fußball werden wir daher für unsere Mitgliedsbeiträge nicht bekommen können.

Bleibt der Sportbetrieb, der in seinem Ausmaß weit über die Mitgliedsbeiträge hinaus geht (etwa. das dreißig- bis vierzig-fache der Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen) und zusätzlich Einnahmen aus verschiedensten Quellen erschließt. All das ist ja sehr erfreulich. Es kann aber gefährlich werden, wenn dem Spielbetrieb mit konstanten Ausgaben zufallsbedingte, sinkende Einnahmen gegenüberstehen. Wenn es einmal nicht so läuft, wie man sich das vorstellt und der Gleichstand aus Einnahmen und Ausgaben nicht mehr gegeben ist. Eine Saison, vielleicht zwei kann man sich über Wasser halten, aber was dann?

Ein Spieler strauchelt über ein paar Fehler im Spiel, ein Trainer über ein paar verlorene Spiele, ein großer Verein über ein paar Saisonen ohne internationale Spiele oder/und sinkendes Interesse bei Sponsoren.

Quote 1:30

Es muss schon eine verrückte Wette sein, die die Auszahlung des dreißig-fachen Einsatzes verspricht. Und sie funktioniert so: man geht in den Fan-Corner, kauft eine Rapid-Mitgliedschaft und besitzt damit ein jährliches Kapital im Ausmaß des dreißig-fachen Einsatzes - wenn Rapid den Mitgliedern gehört. Aber es ist nur ein ideeller Wert, ausgezahlt werden nur Titel und auch nur dann, wenn alles passt. Derzeit passt nicht viel.

Wer besitzt daher "Rapid" wirklich?

Die eigentlichen Besitzer von Rapid sind alle, die in diese Marke investieren: die Sponsoren, die Medien, die Zuschauer, die Mitglieder, die Wirtschaftsbetriebe. Anteilig eben. Und so gesehen besitzt ein Mitglied eben den Wert seiner 100 Euro, denn die weitaus größere Beteiligung an Rapid kommt von anderswo.

Und unser Interesse als Mitglied muss es sein, diese anderen in ihrem Investment zu bestärken. Wir alle können dazu beitragen, dass unser 100-Euro-Los einen größeren oder kleineren Wert hat.

Rapid zu "besitzen" ist sehr flüchtig, eher so etwas wie der Meisterteller. Weil man laufend investieren muss, um es laufend zu "besitzen".  Eher ein Fluss, der ohne Wasser versiegt und eher wie eine Mietwohnung, die man ohne Mietenzahlung verliert. Auch Anhänger, die nicht mehr ins Stadion kommen, haben ihren Anteil an Rapid abgegeben.

Rapid ist eine Firma

Rapid ist nur dem Namen nach ein Verein, der längst zu einer einer großen Firma geworden ist, und der Vereinsbegriff nur mehr aus emotionalen Gründen ("Rapid gehört den Mitgliedern") aufrecht erhalten wird. Durch verschiedene Konstrukte wie die des Wahlkomitees wird versucht, den eigentlichen Investoren Sicherheit zu bieten.

Aber genau genommen gehören Mitgliederverein und Sportbetrieb getrennt, das sind verschiedene Dinge. Weder können wir, die Mitglieder, Budgetlöcher des Sportbetriebs in einem Krisenfall abdecken, (daher gehört uns eben Rapid nicht, weil wir die Geschicke nicht im Sinne eines Eigentümers verantworten können) noch kann der Sportbetrieb im Sinne der Verantwortung gegenüber den Mitgliedern ein risikoloses Budget erstellen, denn Risiko ist Teil des Geschäfts.

Mein Vorschlag in der Angelegenheit "Rettet Rapid" wäre, die Wirtschaftskundigen auf die Suche nach einer alternativen Betriebsform für den Sportbetrieb zu suchen und dabei die Anliegen der Mitglieder nicht zu vergessen. Wir wollen ja nicht in die Nähe von "Dosenanbetern" gestellt werden.

Risikobeteiligung

Jeder, der durch Rapid verdient, viel verdient, dessen Vertrag könnte mit einem höheren erfolgsbezogenen Anteil versehen sein, damit bei einer Saison ohne internationale Spiele diese Vertragsoption Einnahmenausfälle zumindest leicht abfedern könnte.

Vielleicht könnte man auch bei Sponsorverträgen eine solche Komponente einbauen, in dem Sinn, dass das Investment günstiger wird, wenn Rapid erfolgreich ist, Rapid also etwas zurückzahlt oder eine längere Vertragszeit zum selben Preis bietet.

Woraus besteht daher der Wert von Rapid?

Der Wert liegt in der Marke, die einerseits eine historische Größe ist, und die auch auf die meisten Anhänger unter allen Fußball-Klubs in Österreich zählen kann, in dem Vertrauen der Investoren in diese Marke, den Wert, den wir der Marke durch unsere Anhängerschaft geben und der sportlichen Qualität, die die Mannschaft in jeder Saison, bei jedem Spiel, bei jedem Zweikampf aufs Neue beweisen muss.

Kurz gesagt müssen alle, der Vorstand, die Trainer, die Mannschaft, die Mitglieder und die Anhänger dafür sorgen, dass es möglichst wenig Negativ-Schlagzeilen gibt und der Wert der Marke erhalten bleibt.

"Alle schuldig" ist ein gar nicht so schlechter Sager.

  • Wenn man sieht, wie die Mannschaft Fußball spielt,
  • wenn man liest, dass Rapid budgetäre Schwierigkeiten hat, 
  • wenn weniger Zuschauer im Stadion sind (3450 Zuschauer beim Cupspiel gegen Pasching),
  • wenn man statt einer Choreografie das wenig ermutigende "bis auf Weiteres geschlossen" sieht
  • wenn Rapid Schlagzeilen macht aber nicht sportlich sondern durch Fanproteste,
  • wenn man hört, welche Sprüche man auf den Tribünen von Anhängern hört,
  • sogar, wenn Spieler bei Polizeiaktionen auffallen;

Jede Zeile in dieser Liste beschädigt die Marke "Rapid", und wie sehr, das merkt man, wenn man hört,

  • wie schwer sich Andy Marek tut, die beschädigte Marke "Rapid" bei Spielbeginn anzukündigen, 
  • wie schwer Werner Kuhn einen Rückensponsor findet, 
  • dass sogar begabte Neuzugänge zweifeln, ob ihre Entscheidung zu Rapid zu gehen, die richtige war.

Vielleicht ist ja das Saisonende eine Gelegenheit, diese Negativ-Spirale aufzubrechen.

Solange sich Rapid in internen Schuldzuweisungen ergeht, reiben sich die jeweiligen Konkurrenten um die Gunst des Publikums und der Geldgeber die Hände, weil ja alle im selben Teich fischen. Und da sich alles auch auf den Sportbetrieb auswirkt, freut sich auch die sportliche Konkurrenz.

Wir, die Anhänger, können den Wert unserer Marke "Rapid" beeinflussen. Zum Beispiel durch mehr Solidarität.

Dienstag, 14. Mai 2013

Wir wollen Siege sehen

Der Zufall regiert den Fußball

Wie nahe einander Erfolg und Misserfolg sind, kann man bei vielen Fußballspielen beobachten. Zwei tolle Schüsse aufs Tor von Marcel Sabitzer beim Spiel von Rapid gegen den WAC und beide Male geht der Schuss auf die Stange! Endstand 0:0.

Hätte er getroffen, wäre der weitere Verlauf dieser Nullnummer natürlich ein ganz anderer gewesen, weil der danach offensivere WAC noch für das eine oder andere Tor gut gewesen wäre. Das "Hätti-wari" des Fußballs eben.

Der Mensch mag den Zufall nicht

Der Mensch will sich in seinem Leben eigentlich keinen unberechenbaren Zufälligkeiten aussetzen. Die Zukunft will vorausschaubar geplant sein. Alles steht am Terminkalender, der nächste Urlaub, de nächste Geburtstermin, das nächste Fußballspiel. Alles, was nach Unglück riecht, wird durch Versicherungen abgedeckt. Mögliche größere Schäden werden durch sichere Verluste an kleinen Prämienzahlungen durch eine große Zahl von Versicherten gegengerechnet. Man ist auf der sicheren Seite. Rudi Klausnitzer beschreibt das gleich im ersten Kapitel seines Buches "Das Ende des Zufalls".

Was ist aber ein solches bis in alle Einzelheiten geplantes Leben? Es ist langweilig, weil eben nur das Ungewisse einen gewissen Kick bietet. Zu wissen, wie das ist, mit 300km/h auf der Autobahn zu fahren und sich dann mit Polizei und Gericht auseinander setzen zu müssen, das sind noch Herausforderungen für unseren  Macro Arnautovic.

Der Rest der Welt, der nicht so weit wie Marco gehen will, aber auch diesen Kick des Ungewissen braucht, geht zu Sportveranstaltungen oder/und investiert im Glücksspiel. Mutige klettern auf Berge, machen Expeditionen oder Zocken an den Börsen.

Während man beim Lotto oder Roulette einfach nur Passagier ist, der glaubt, zufällige Ereignisse voraussagen zu können, gibt es beim Sport jede Menge Einflussgrößen, die das Geschehen am Spielfeld beeinflussen und dem Zuschauer suggerieren, dass man das Geschehen auf Grund der vielen Detailkenntnisse voraussagen könne.

Man kann im Wettbewerb einer Liga mit viel Geld, Geschick, Motivation eine Mannschaft so weit bringen, dass die Wahrscheinlichkeit für Erfolge größer wird.

Aber die konkreten Tore, Ergebnisse und Titel im Fußball unterliegen zufälligen Schwankungen. Man kann nur eine Wahrscheinlichkeit steuern aber nicht den konkreten Einzelfall. Daher ist Fußball auch so interessant und daher ist es sehr wohl möglich, dass einerseits Rapid in der laufenden Saison gegen RedBull, den finanziellen Krösus der Liga  drei Mal gewinnt und gleichzeitig gegen den Aufsteiger WAC drei Mal verliert.

Der Rest ist menschliches Unvermögen, den Zufall auch als Zufall zu akzeptieren.

Falsche Erwartungshaltung

Bei ausgeglichenen Leistungsverhältnissen in einer Liga sind Spiele schwer berechenbar.

Eigentlich könnten die Wett-Quoten reale Kräfteverhältnisse abbilden aber sie bilden stattdessen die Erwartungshaltung des Publikums ab. Anders ist es nicht zu verstehen, dass nach den drei Niederlagen von Rapid gegen WAC die Quote für Rapid auf 1.6 und für den WAC auf 4.5 stand.



Und genau diese völlig irreale Erwartungshaltung, die sich am Reporter-Titel "Rekordmeister" orientiert, ist es, die das Publikum mit einer völligen Fehleinschätzung in das Stadion gehen lässt, und weil die Erwartung, die man an den Quoten ablesen kann, nicht erfüllt wird, in Reaktionen wie Support-Verweigerung, Suche nach Schuldigen, Beschimpfung der Akteure mündet.

Man verlässt nach dem 0:0 (das ja eigentlich ein sportlicher Erfolg war) frustriert das Stadion. Man befindet sich in einer Spirale, die man erst dann verlassen kann, wenn die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs steuert.

Der Mensch braucht eine Regel, keinen Zufall

Was würde jemand sagen, der beim Roulette zehn Mal hintereinander auf Rot setzt, die Kugel aber ebenso oft auf Schwarz fällt? Er wird umgehend eine Manipulation vermuten, wahrscheinlich schon beim fünften Mal. Tatsächlich aber kann so was durchaus vorkommen und es war ja auch der Grund zur Einführung eines Maximaleinsatzes beim Roulette.

Ebenso kann der Fußballfan nicht verstehen, warum seine Mannschaft, die schon so viele Meistertitel gewonnen hat, in neun Spielen hintereinander sieglos blieben kann. Aus der Sicht des Zufalls, kein Problem; schon aber für den erfolgsverwöhnten Rapid-Fan, denn der "will Siege sehen".

Wie reagiert nun Mensch auf solche Ereignisse? Keineswegs mit Gelassenheit, sondern mit einer hektischen Suche nach Erklärungen. "Der Kulovits ist schuld", "der Trainer ist Schuld", "der Vorstand ist schuld" und im Reigen dieser Schuldzuweisungen erweist es sich als die billigste (und immer noch sehr teure Lösung) den Trainer zu entlassen. (Irgendwie ist uns dieses Verhalten bekannt, dass eben alle Zufälligkeiten "einen Schuldigen" brauchen, wie seinerzeit die Hexen für das Klima herhalten mussten und heute die Türken für das eigene Unvermögen).

Skinners Lernmaschine

B.F. Skinner zählt zu den größten Psychologen des 20. Jahrhunderts. Auf ihn gehen Experimente mit einer Lernmaschine zurück, die er vor allem mit Tauben durchgeführt hat, die dann aber auf das menschliche Verhalten übertragen wurden und die zeigen, dass Menschen versuchen, zufälligen Ereignissen Sinn zu geben, indem sie Regeln über diese Ereignisse aufstellen.

Auf Seite 47 (rosa Fact Box "Synchonizität) des Buchs "Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln" von Puntigam, Gruber und Oberhummer wird beschrieben, wie sehr wir uns gegen den Zufall wehren und wie sehr wir uns bemühen aus zufälligem Geschehen eine Regel ableiten zu wollen, auch wenn dieses gar nicht existiert. Das im Text erwähnte Taubenexperiment findet man auf YouTube, gezeigt an Hand der Original-Versuchsanordnung von B.F. Skinner.

In einem Versuch der BBC hat man gezeigt, dass Menschen Regeln finden, wo gar keine sind. Mit einigen Schalthebeln ausgerüstet sollten Versuchspersonen über diese Schalthebel die Zählgeschwindigkeit eines Zählers erhöhen und tatsächlich fanden die Versuchspersonen einen Zusammenhang zwischen ihrem Schalten und dem Zähler. Der Clou an der Sache war aber, dass der Zähler mit diesen Schalthebeln gar nicht in Verbindung stand sondern durch einen (für die Versuchspersonen unsichtbaren) Goldfisch gesteuert wurde, der durch seine Schwimmbewegungen für den Zählrhytmus verantwortlich war.

Wir sollten aufgrund des Wissens, dass wir mit dem Zufall nur schlecht umgehen können, vorsichtig sein mit den Schuldzuweisungen nach einem Misserfolg. Wir sollten zumindest in Erwägung ziehen, dass die neun erfolglosen Spiele in Serie von Rapid auch nur reiner Zufall gewesen sein können oder wenigstens eine Folge ziemlich unglücklicher Umstände (Verletzung von Hofmann und Boskovic).

Mittwoch, 8. Mai 2013

Scouting, einmal anders

Rapid-Pasching 0:1
RedBull-Pasching 1:2

Zufall, oder steckt mehr dahinter?
Aus aktuellem Anlass des Ausscheidens sowohl von Rapid als auch von RedBull gegen den Dorfklub FC Pasching frage ich mich, warum Scouts zwar talentierte Spieler suchen aber nicht talentierte Funktionäre. 

Franz Grad, der ehemalige Präsident des FC-Pasching wär' so einer, der mit wenig Mittel aber mit Enthusiasmus viel bewegen kann. Er hat auch Talent in der Auswahl seines Teams. Er hat es immerhin zwei Mal geschafft hat, einen Dorfclub zum Schreck der Bundesliga-Klubs zu pushen. Heuer im Cup und vor einigen Jahren als man dann die Bundesliga-Lizenz verkauft hat.

Wenn sich auch der Transportunternehmer offiziell vom FC Pasching zurückgezogen hat, vielleicht gäbe es für ein Manager-Talent wie ihn, Aufgaben bei größeren Clubs. 

Wäre da nicht die Eitelkeit der etablierten Manager, die sich nicht eingestehen können, dass es einfach für jede Funktion eine bessere Wahl gibt; wie bei den Spielern eben. 

Spieler und Trainer werden laufend infrage gestellt, Funktionäre sind davon ausgenommen. Warum eigentlich?

Samstag, 20. April 2013

Historische Tiefs gegen den Verteilerkreis


Erinnerungen an schlechte Zeiten.
En suite verlorene Spiele gegen den Verteilerkreis:

2013-04-21 ?:?
2013-02-17 1:2
2012-10-21 0:2
2012-08-05 0:3

2005-06-01 1:3
2005-05-26 0:1
2004-03-13 0:1

1993-10-09 1:2
1993-08-11 0:3
1993-06-12 0:4
1993-04-17 1:5

1988-09-27 0:1
1988-09-03 0:3
1988-05-27 2:4
1988-04-02 2:4
1987-11-28 1:2

1980-11-19 1:3
1980-09-20 2:5
1980-06-07 2:3

1979-04-28 1:4
1979-02-24 1:2
1978-10-22 1:5

1978-03-05 0:3
1977-12-11 0:1
1977-10-04 2:3

1976-08-20 0:1
1976-08-14 2:3
1976-05-22 1:4

1962-03-10 0:2
1961-09-02 1:2
1960-04-22 1:2

1943-03-26 0:2
1943-09-12 1:2
1943-12-06 2:6

1931-04-01 0:1
1930-08-31 2:4
1930-03-02 4:8

Da es aber zwischen diesen Pleiten immer wieder eben so große und manchmal sogar größere Serien mit genau umgekehrten Vorzeichen gab, können wir sicher sein, dass es wieder aufwärts gehen wird.

Mittwoch, 17. April 2013

Rapid beseitigt Symptome aber nicht das Problem

Zwei Dinge sind es, die uns, die Anhänger von Rapid sehr nahe gehen. Einerseits sind es die schlechten Ergebnisse und anderseits die abnehmende Kampfbereitschaft, die sogar von motivierten Regionalligaclubs leicht überboten wird.

Ich biete hier für diese Phänomene ein Deutung ab. Die Entlassung des Trainers erscheint in diesem Licht  eher als ein Bauernopfer (um sich eben nicht Untätigkeit nachsagen zu lassen) als eine Bekämpfung der Ursachen, was aber tatsächlich während der laufenden Saison nicht gut möglich ist. Vielleicht wird man aber dem nächsten Trainer (und natürlich auch dem Publikum) durch eine bessere Auswahl der Spieler in der nächsten Saison das Leben ein bisschen leichter machen.

Schlechte Ergebnisse

Das Spiel von Rapid wurde in den letzte Jahren von Steffen Hofmann geprägt. Er gab der Mannschaft Sicherheit und hatte an entscheidenden Stellen des Spiels die richtigen Ideen.

Es ist aber riskant, die ganze Verantwortung auf einem Spieler aufzubauen. Das hat auch die Vereinsführung erkannt und verpflichtete in der Wintertransferzeit mit Branko Bošković einen ähnlich erfahrenen Spieler als Entlastung und Ergänzung.

Aber wenn man Pech hat, dann ordentlich, denn beide Spieler fallen im Frühjahr verletzungsbedingt aus. Seither agiert die Mannschaft mit einer vorher nicht gekannten Unsicherheit. Es mag sein, dass es auch andere, interne Gründe gibt aber solche sind uns Zuschauern nicht einsichtig. Wir sehen nur das Spiel.

Im Anhang gibt es nun eine Tabelle, die für alle Spiele der laufenden Saison zeigt, welche Ergebnisse erzielt werden wenn Steffen Hofmann spielt und wenn er nicht spielt. Das Ergebnis ist deutlich. Mit Steffen Hofmann erreicht Rapid 1.71 Punkte pro Spiel, ohne aber nur 1,01.

Dies Zahlen sind so deutlich, dass man in diesem Punkt das Trainerteam durchaus entlasten kann. Dagegen können sie einfach nichts tun.

Einen solchen Tiefpunkt gab es schon einmal, nämlich unter Georg Zellhofer und auch damals habe ich den Eindruck, musste der Trainer gehen, weil ihm der Spielmacher während seiner Trainerzeit nicht zur Verfügung stand. Am Beginn der Zellhofer-Ära, im Februar 2006 war Steffen noch in Deutschland bei 1860 München und bei seinem ersten Einsatz am 27.7.2006 verletzte sich Steffen Hofmann und fiel auch danach bis zur Ablöse von Georg Zellhofer durch Peter Pacult aus. Unter Georg Zellhofer wurden 1,09 Punkte erreicht, auch dafür ist weiter unten eine Tabelle. Das scheint ungefähr die "Schmerzgrenze" des Rapid-Vorstands zu sein, die bei der heutigen Pressekonferenz der Sportdirektor Helmut Schulte nur unklar mit "irgendwo" andeuten konnte.

Aber damals wie heute wurde ein Trainer unter seinem Wert geschlagen. Man hat das Gefühl, als würde der Vorstand unter dem Druck des Publikums handeln aber nicht nach objektivierbaren Kriterien. Was man dem Vorstand zugute halten kann ist, dass er während der laufenden Saison keine anderen Optionen hat. Reagiert der Vorstand nicht, würde man ihm Untätigkeit vorwerfen. So hat er - wieder einmal - viel Geld liegen lassen, Geld, das für die nächste Kaderplanung nicht zur Verfügung steht.

Was man aber dem Trainerteam durchaus anlasten kann, dass es ihnen nicht gelingt, einen Spielstil zu entwickeln, der diese tragende Rolle des Kapitäns auf die anderen Spieler verteilt. Vielleicht muss dabei Steffen Hofmann selbst seine eigene Rolle im Spiel neu definieren, indem er vom Spielführer zum Lehrer der Spieler avanciert und das müsste auch das Trainerteam aktiv einfordern.

Kampfgeist

Viele junge Spieler in Österreich haben das Ziel bei Rapid zu spielen. Warum? Weil sie dort die größte Öffentlichkeit haben und zu großer Popularität gelangen können. In der Regel ist das gut für beide Teile und vielleicht auch einer der Gründe für diesen "Rekordmeister", einen Titel ohne Wert.

Wenn es Spieler aber erreicht haben und schließlich bei Rapid landen, dann vergessen sie vielleicht, dass man diesem Ruf, dem sie gefolgt sind, auch entsprechen muss. Das Wort "Rekordmeister", das jeder Reporter gerne in den Mund nimmt, will immer wieder bewiesen werden. Wird es aber (derzeit) nicht.

Rapid wurde in den letzten 10 Jahren Meister, wenn es zu einer Spielerkonstellation gekommen ist, bei der einzelne gute Spieler weiter (ins Ausland) kommen wollten und gleichzeitig eine realistische Chance auf einen Meistertitel bestand und diese motivierten Spieler haben den Rest der Mannschaft in der entscheidenden Phase der Meisterschaft mitgerissen. 2004/05 waren es Steffen Hofmann und Andreas Ivanschitz, 2007/08 waren es Jimmy Hoffer und Stefan Maierhofer, in der folgenden Saison Nikica Jelavic.

Mir ist als positivste Erscheinung bei dem Spiel gegen Pasching Marcel Sabitzer aufgefallen, der mit mehr Mut un Entschlossenheit zur Sache ging als seine eher apathisch agierenden Kollegen. Vielleicht ist er ja noch nicht von diesem Gefühl des "Etwas erreicht zu haben" getragen und will wirklich weiter kommen. Wir müssen es für Rapid hoffen.

Dieses Phänomen, dass Menschen, die in einer Hierarchie nach oben wollen, wie das eben auch für Spieler zutrifft, dann gerne auf einer Stufe stecken bleiben, die sie überfordert, nennt man das "Peterprinzip", nachzulesen hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Peterprinzip

Aufgabe der Scouts und des Sportdirektors wäre, solche "Talente mit Obergrenze" zu erkennen. Vielleicht gibt es ja Indikatoren für das Erreichen des Niveaus, von wo aus sich der Spieler nicht mehr weiter  entwickeln kann.

Ergebnisse von Rapid in der Saison 2012/13 

Steffen Punkte
Datum Gegner spielt gesamt mit Steff ohne Steff
Punktezahl 64 48 16
Spiele 43 28 15
Ergebnis pro Spiel 1,49 1,71 1,07
15.07.2012 Heiligenkreuz S 1 3 3
21.07.2012 FCWackerInnsbruck S 1 3 3
28.07.2012 Magna S 1 3 3
02.08.2012 VojvodinaNoviSad N 1 0 0
05.08.2012 AustriaWien N 1 0 0
09.08.2012 VojvodinaNoviSad S 1 3 3
12.08.2012 RedBullSalzburg S 1 3 3
18.08.2012 SturmGraz S 1 3 3
23.08.2012 PAOKSaloniki N 1 0 0
26.08.2012 Wolfsberg N 1 0 0
30.08.2012 PAOKSaloniki S 1 3 3
02.09.2012 SVMattersburg S 1 3 3
15.09.2012 Admira U 1 1 1
20.09.2012 RosenborgTrondheim N 1 0 0
23.09.2012 SVRied S 1 3 3
26.09.2012 Allerheiligen S 1 3 3
29.09.2012 FCWackerInnsbruck S 1 3 3
04.10.2012 Metalist N 1 0 0
07.10.2012 Magna U 1 1 1
21.10.2012 AustriaWien N 0 0
25.10.2012 Bayer N 0 0
28.10.2012 RedBullSalzburg S 1 3 3
31.10.2012 SCRAltach S 3 3
03.11.2012 SturmGraz N 0 0
08.11.2012 Bayer N 0 0
11.11.2012 Wolfsberg N 0 0
17.11.2012 SVMattersburg S 3 3
22.11.2012 RosenborgTrondheim N 0 0
25.11.2012 Admira S 1 3 3
01.12.2012 SVRied S 1 3 3
06.12.2012 Metalist S 3 3
09.12.2012 FCWackerInnsbruck S 3 3
15.12.2012 Magna N 0 0
17.02.2013 AustriaWien N 1 0 0
24.02.2013 RedBullSalzburg U 1 1 1
27.02.2013 SturmGraz U 1 1 1
03.03.2013 Wolfsberg N 1 0 0
09.03.2013 SVMattersburg U 1 1 1
16.03.2013 Admira U 1 1 1
30.03.2013 SVRied N 0 0
06.04.2013 FCWackerInnsbruck U 1 1
13.04.2013 Magna S 3 3
16.04.2013 SVPasching N 0 0

Ergebnisse von Rapid mit dem Trainer Georg Zellhofer

Steffen Punkte
Datum Gegner spielt gesamt mit Steff ohne Steff
Punktezahl 25 0 25
Spiele 23 1 22
Ergebnis pro Spiel 1,09 0,00 1,14
18.02.2006 SVMattersburg S 3 3
25.02.2006 GAK N 0 0
05.03.2006 AustriaWien N 0 0
08.03.2006 AustriaLustenau S 3 3
12.03.2006 SVRied U 1 1
25.03.2006 Admira N 0 0
29.03.2006 Admira N 0 0
01.04.2006 SturmGraz U 1 1
04.04.2006 SVMattersburg N 0 0
08.04.2006 FCWackerInnsbruck S 3 3
11.04.2006 SVPasching N 0 0
15.04.2006 RedBullSalzburg N 0 0
23.04.2006 AustriaWien N 0 0
29.04.2006 GAK S 3 3
06.05.2006 SVMattersburg U 1 1
13.05.2006 SVRied S 3 3
19.07.2006 SVMattersburg N 0 0
23.07.2006 SturmGraz S 3 3
29.07.2006 SVRied N 1 0 0
06.08.2006 SCRAltach S 3 3
12.08.2006 AustriaWien U 1 1
20.08.2006 GAK N 0 0
26.08.2006 SVPasching N 0 0

Mittwoch, 10. April 2013

0:1 1:2 3:3 1:1 1:2 2:2 1:1 2:3 1:1

Fußball hat eine große Zufallskomponente. Bayern, Manchester und Real werden auch nicht jedes Jahr Meister, obwohl dort alle Randbedingungen zu stimmen scheinen.

Der Mensch reagiert auf Niederlagen wie auf das schlechte Wetter. Es will ihm nicht in den Sinn gehen, dass acht Spiele ohne Sieg nichts Besonderes sind. Wir hatten auch einen schlechten Wetterstart in den Frühling aber es gab keinen Schuldigen, auf den man hätte zeigen können. 

Anders beim Fußball, denn dort gibt es offenbar nur Schuldige. Bei Rapid sind es: der Vorstand, die sportliche Leitung, die Spieler, einfach alle. Und daher gibt es einen Protestmarsch im Vorfeld des Spiels gegen Wiener Neustadt.

Ein bisschen erinnert die Szenerie an einen Wild-West-Film in dem die aufgebrachte Menge den oder die Schuldigen lynchen will, oder wenigstens an den Pranger stellen will. Der Mittelkreis würde sich gut dafür eignen.

Hexenverfolgungen sind auch so ein Phänomen. Sie waren eine unmittelbare Folge der Kleinen Eiszeit, die ab dem 15 Jahrhundert bei uns herrschte? Ein endlos scheinender Winter, Missernten, verzweifelte Menschen und man suchte Schuldige und fand sie. Viel von dieser Vergangenheit sitzt uns offenbar noch in den Knochen. Dazu kommt eine Portion fehlenden Mitgefühls, eine Überdosis an Egoismus, Narzismus und leider auch fehlendes Wissen rund um Wahrscheinlichkeiten und Statistik.

0:1 1:2 3:3 1:1 1:2 2:2 1:1 2:3 1:1
Das ist die Negativ-Serie von Rapid im dritten Quartal der Meisterschaft.

Kein einziges Spiel mit mehr als einem Tor Unterschied. Und wir haben alle diese Spiele und die kritischen Szenen gesehen, wie knapp diese fehlenden Tore auf einen Sieg oder auf ein Unentschieden eben nicht gefallen sind obwohl alles angerichtet war: die Chance war da, das Können durchaus auch aber gefehlt haben Zentimeter. Wären diese Chancen verwertet worden, hätten wir statt heute vier ganze achtzehn Punkte mehr und würden sogar in der Griffweite der Austria liegen.

Diese Rechnung mit dem einzigen zusätzlichen Tor pro Spiel ist keine Phantasie sondern auch eine völlig plausible Ergebnisfolge, die durchaus den gebotenen Leistungen entsprochen hätte.

Dass diese paar Zentimeter nicht zu unseren Gusten sondern zu Gunsten der jeweiligen Gegner gefallen sind, liegt völlig im Ermessen des Fußballgottes "Zufall" aber leider begünstigt durch ein völlig unangebrachtes Verhalten der Zuschauer; nicht nur der West sondern aller Tribünen.

Es gibt einen alten Ausspruch von Gerhart Hauptmann, der sinngemäß lautet, dass man jemanden, der am Boden liegt (er meinte Deutschland) aufrichten muss und ihm Mut zusprechen muss, statt ihn ständig zu demütigen. Das gilt für Kinder, für Staaten und auch für den Fußball. Meine These ist daher: wenn der Rückhalt der Zuschauer gegeben gewesen wäre, wir wären schon viel weiter. Da aber eine Stimmung herrscht, die ich vorher noch nie erlebt habe, kann die Mannschaft gar nicht anders. Es fehlen ihr zum Erfolg einige Zentimeter, die wir ihr geben könnten. Aber wir marschieren lieber.