Donnerstag, 23. Mai 2013

Proteste der Rapid-Anhänger


Rückblick über 13 Saisonen:

Während der letzten 13 Jahre hat Rapid folgende Platzierungen erreicht:

Saison Rang S (%) U (%) N (%)

2012/13 3 42,9 25,7 31,4
2011/12 2 44,4 38,9 16,7
2010/11 5 38,9 30,6 30,6
2009/10 3 58,3 27,8 13,9
2008/09 2 58,3 19,4 22,2
2007/08 1 58,3 16,7 25,0
2006/07 4 38,9 27,8 33,3
2005/06 5 36,1 27,8 36,1
2004/05 1 58,3 22,2 19,4
2003/04 4 44,4 25,0 30,6
2002/03 4 36,1 33,3 30,6
2001/02 8 30,6 27,8 41,7
2000/01 2 44,4 33,3 22,0

In dieser Liste fällt das heurige Jahr dadurch auf, dass es nicht auffällt. Auch die Zahl der Siege ist nicht beunruhigend gering oder die Zahl der Niederlagen beunruhigend groß. Auch ein Internationaler Startplatz wurde erreicht.

Die Häufung der Platzierungen
2 1. Platz
3 2. Platz
2 3. Platz
3 4. Platz
2 5. Platz
1 8. Platz

Die durchschnittlich erreichte Platzierung ist 3.4.
Die heurige Saison liegt aus der Sicht dieses Vergleichs komplett im Schnitt, Sie ist nichts Besonderes.

Ich frage mich daher, wie das in Zukunft weiter gehen wird. Welcher Art die Proteste sein werden, wenn Rapid einen schlechteren Tabellenplatz als den dritten haben wird, was immerhin in der Hälfte der vergangenen Saisonen der Fall war.

Die Schmerzgrenze des Block West schein ja irgendwo bei Platz 3 zu sein (so wie bei der Vereinsführung die Schmerzgrenze für die Entlassung des Trainers bei einem Punkteschnitt von 1.0 liegt).

Das kann ja heiter werden.

Das Rapid-Führungsteam ist sich seit zehn Jahren praktisch unverändert im Amt. Es gab Planungen und Fehlplanungen, gute und schlechte Käufe, bessere und schlechtere Saisonen. Jedes Jahr ist man im Titelrennen mit dabei und will natürlich ganz oben stehen. Manchmal gelingt der Titel, wenn (zufällig) alles passt. Manchmal läuft alles schief.

Fußball ist ein Spiel auf hohem Niveau, mit hohen Einsätzen, mit hohem Risiko. Aber es ist ein Spiel und daher weder planbar oder voraussagbar.

Wir erreichen mit dem dritthöchsten Budget im Schnitt den dritten Platz. Wir holen manchmal den Meistertitel, ca. 2x pro Dekade.

Ich habe den Eindruck, dass seit den beiden Meistertitel sich die Erwartungshaltung des Block West erhöht hat. Man sieht einen Sieg nicht als ein Geschenk sondern als Pflicht. Aber es ist ein Spiel.

Vielleicht liegt's einfach daran, dass sich die Struktur des Publikums verändert hat und die Latte zu hoch gelegt wird.

Dienstag, 21. Mai 2013

Ist es riskant, ein Rapid-Mitglied zu sein?

"Rapid gehört den Mitgliedern!" 

Diese Aussage kann man immer wieder von unserem Präsidenten hören. Das freut uns Mitglieder, wenn es etwas zum Feiern gibt.

Ebenso konnte man aber in der letzten Zeit hören, dass Rapid aus der einen Saison ohne Europacup-Teilnahme ein "negatives Betriebskapital" von 1.5 Millionen Euro angehäuft hat, weil eben die teilweise budgetierten Europacup-Gelder ausgeblieben sind. Die Tendenz dieser Mindereinnahmen ist steigend, denn wer kann schon damit rechnen, dass man heuer mit den gebotenen Leistungen einen internationalen Platz erreicht und dann auch noch das Husarenstück eines Einzugs in die Gruppenphase wiederholen kann? Wenn also in der laufenden Saison dieses Kunststück nicht gelingen sollte, dann wächst dieses Defizit 2014 auf mehr als 3 Millionen an. (Mehr deshalb, weil sich weit und breit kein Spieler für einen gewinnbringenden Verkauf anbietet.) An weiter gehende Konsequenzen, wie zum Beispiel eine Verweigerung der Lizenz, wollen wir zunächst einmal nicht denken.

Wenn "Rapid den Mitgliedern gehört", dann gibt es auch so etwas wie Verantwortung für das gemeinsame Projekt und es wäre nicht ganz abwegig zu überlegen, ob nicht die Mitglieder in einem solchen Krisenszenario für Außenstände haften. Ist es riskant, ein Rapid-Mitglied zu sein?

Die Statuten (Dank an OMS!) sagen nichts über die Haftung im Falle von Verlusten. Aber das Vereinsgesetz von 2002 weiß Genaueres. Dort steht im Paragraf 24 einerseits, dass Mitglieder in der Regel nicht haften aber, dass aber "Organwalter" haften, wenn sie "Vereinsvorhaben ohne ausreichende finanzielle Sicherung in Angriff genommen" haben.

Wir, die Mitglieder, sind daher "aus dem Schneider"!

Die im Vereinsgesetz angeführten Haftungen der "Organwalter" sind aber eher eine hypothetische Sache, denn wie soll jemand für Beträge in Millionenhöhe haften, wenn er nicht in dieser Größenordnung vermögend ist? Das Vereinsgesetz hat sich da eher einen Kleingartenverein vorgestellt. Aus dieser irrealen Forderung nach einer Haftung könnte man auch schließen, dass sich eine solche Vereinskonstruktion für modernen Fußball-Profibetrieb nicht eignet. Sie erinnert an eine Bank mit zu geringen Eigenkapital, die aber Risikogeschäfte eingeht, die weit dem Wert der Spareinlagen liegen.

Aber anders als bei Banken kann ein Fußballverein nicht auf eine Rettung aus Gemeindebudgets hoffen. Und auch bei Banken wird in Zukunft eher ein organisierten Konkurs als staatliche Hilfe angestrebt.

Genau das, was jetzt mit Banken passiert, dass sie nämlich ein Konzept für einen eventuellen Bankrott haben müssen und höhere Eigenkapitalquoten, das könnte auch unseren Fußballklubs, die sich in einem ähnlich riskanten Fahrwasser bewegen, nicht schaden. Höheres Eigenkapital, das wären zum Beispiel höhere Mitgliederzahlen, damit der Anteil des Risikokapitals in Relation geringer wird oder auch verpflichtende Rücklagen für den Krisenfall könnte man als Maßnahmen des Vereins zur Risikoabdeckung sehen.

Der Mitgliederverein Rapid

Die Mitglieder eines Vereins verfolgen ein gemeinsames, gemeinnütziges Ziel und nominieren als Vertreter einen Vorstand, der den gemeinsamen Einsatz, die Mitgliedsbeiträge, im Sinne der Vereinszwecks verwendet. Sofern der Verein entgeltliche Leistungen erbringt, dann darf er das, sofern er diese Leistungen ausschließlich an Mitglieder abgibt. Verkauft er auch an andere Personen, ist er ein Gewerbebetrieb. Der SK Rapid lagert deshalb auch seine unternehmerischen Tätigkeiten in die Wirtschaftsbetriebe aus, die als  eigene Firma geführt werden.

Das jährlich von den Mitglieder eingebrachte Kapital beträgt etwa 500.000 Euro (5000 Mitglieder à 100 Euro). Und dieser Betrag wird wahrscheinlich auch für mitglieder-orientierte Leistungen aufgewendet werden müssen (Magazin, Mitgliederversammlungen, Webpräsenz, Fan-Corner, Weihnachtsfeier). Viel Fußball werden wir daher für unsere Mitgliedsbeiträge nicht bekommen können.

Bleibt der Sportbetrieb, der in seinem Ausmaß weit über die Mitgliedsbeiträge hinaus geht (etwa. das dreißig- bis vierzig-fache der Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen) und zusätzlich Einnahmen aus verschiedensten Quellen erschließt. All das ist ja sehr erfreulich. Es kann aber gefährlich werden, wenn dem Spielbetrieb mit konstanten Ausgaben zufallsbedingte, sinkende Einnahmen gegenüberstehen. Wenn es einmal nicht so läuft, wie man sich das vorstellt und der Gleichstand aus Einnahmen und Ausgaben nicht mehr gegeben ist. Eine Saison, vielleicht zwei kann man sich über Wasser halten, aber was dann?

Ein Spieler strauchelt über ein paar Fehler im Spiel, ein Trainer über ein paar verlorene Spiele, ein großer Verein über ein paar Saisonen ohne internationale Spiele oder/und sinkendes Interesse bei Sponsoren.

Quote 1:30

Es muss schon eine verrückte Wette sein, die die Auszahlung des dreißig-fachen Einsatzes verspricht. Und sie funktioniert so: man geht in den Fan-Corner, kauft eine Rapid-Mitgliedschaft und besitzt damit ein jährliches Kapital im Ausmaß des dreißig-fachen Einsatzes - wenn Rapid den Mitgliedern gehört. Aber es ist nur ein ideeller Wert, ausgezahlt werden nur Titel und auch nur dann, wenn alles passt. Derzeit passt nicht viel.

Wer besitzt daher "Rapid" wirklich?

Die eigentlichen Besitzer von Rapid sind alle, die in diese Marke investieren: die Sponsoren, die Medien, die Zuschauer, die Mitglieder, die Wirtschaftsbetriebe. Anteilig eben. Und so gesehen besitzt ein Mitglied eben den Wert seiner 100 Euro, denn die weitaus größere Beteiligung an Rapid kommt von anderswo.

Und unser Interesse als Mitglied muss es sein, diese anderen in ihrem Investment zu bestärken. Wir alle können dazu beitragen, dass unser 100-Euro-Los einen größeren oder kleineren Wert hat.

Rapid zu "besitzen" ist sehr flüchtig, eher so etwas wie der Meisterteller. Weil man laufend investieren muss, um es laufend zu "besitzen".  Eher ein Fluss, der ohne Wasser versiegt und eher wie eine Mietwohnung, die man ohne Mietenzahlung verliert. Auch Anhänger, die nicht mehr ins Stadion kommen, haben ihren Anteil an Rapid abgegeben.

Rapid ist eine Firma

Rapid ist nur dem Namen nach ein Verein, der längst zu einer einer großen Firma geworden ist, und der Vereinsbegriff nur mehr aus emotionalen Gründen ("Rapid gehört den Mitgliedern") aufrecht erhalten wird. Durch verschiedene Konstrukte wie die des Wahlkomitees wird versucht, den eigentlichen Investoren Sicherheit zu bieten.

Aber genau genommen gehören Mitgliederverein und Sportbetrieb getrennt, das sind verschiedene Dinge. Weder können wir, die Mitglieder, Budgetlöcher des Sportbetriebs in einem Krisenfall abdecken, (daher gehört uns eben Rapid nicht, weil wir die Geschicke nicht im Sinne eines Eigentümers verantworten können) noch kann der Sportbetrieb im Sinne der Verantwortung gegenüber den Mitgliedern ein risikoloses Budget erstellen, denn Risiko ist Teil des Geschäfts.

Mein Vorschlag in der Angelegenheit "Rettet Rapid" wäre, die Wirtschaftskundigen auf die Suche nach einer alternativen Betriebsform für den Sportbetrieb zu suchen und dabei die Anliegen der Mitglieder nicht zu vergessen. Wir wollen ja nicht in die Nähe von "Dosenanbetern" gestellt werden.

Risikobeteiligung

Jeder, der durch Rapid verdient, viel verdient, dessen Vertrag könnte mit einem höheren erfolgsbezogenen Anteil versehen sein, damit bei einer Saison ohne internationale Spiele diese Vertragsoption Einnahmenausfälle zumindest leicht abfedern könnte.

Vielleicht könnte man auch bei Sponsorverträgen eine solche Komponente einbauen, in dem Sinn, dass das Investment günstiger wird, wenn Rapid erfolgreich ist, Rapid also etwas zurückzahlt oder eine längere Vertragszeit zum selben Preis bietet.

Woraus besteht daher der Wert von Rapid?

Der Wert liegt in der Marke, die einerseits eine historische Größe ist, und die auch auf die meisten Anhänger unter allen Fußball-Klubs in Österreich zählen kann, in dem Vertrauen der Investoren in diese Marke, den Wert, den wir der Marke durch unsere Anhängerschaft geben und der sportlichen Qualität, die die Mannschaft in jeder Saison, bei jedem Spiel, bei jedem Zweikampf aufs Neue beweisen muss.

Kurz gesagt müssen alle, der Vorstand, die Trainer, die Mannschaft, die Mitglieder und die Anhänger dafür sorgen, dass es möglichst wenig Negativ-Schlagzeilen gibt und der Wert der Marke erhalten bleibt.

"Alle schuldig" ist ein gar nicht so schlechter Sager.

  • Wenn man sieht, wie die Mannschaft Fußball spielt,
  • wenn man liest, dass Rapid budgetäre Schwierigkeiten hat, 
  • wenn weniger Zuschauer im Stadion sind (3450 Zuschauer beim Cupspiel gegen Pasching),
  • wenn man statt einer Choreografie das wenig ermutigende "bis auf Weiteres geschlossen" sieht
  • wenn Rapid Schlagzeilen macht aber nicht sportlich sondern durch Fanproteste,
  • wenn man hört, welche Sprüche man auf den Tribünen von Anhängern hört,
  • sogar, wenn Spieler bei Polizeiaktionen auffallen;

Jede Zeile in dieser Liste beschädigt die Marke "Rapid", und wie sehr, das merkt man, wenn man hört,

  • wie schwer sich Andy Marek tut, die beschädigte Marke "Rapid" bei Spielbeginn anzukündigen, 
  • wie schwer Werner Kuhn einen Rückensponsor findet, 
  • dass sogar begabte Neuzugänge zweifeln, ob ihre Entscheidung zu Rapid zu gehen, die richtige war.

Vielleicht ist ja das Saisonende eine Gelegenheit, diese Negativ-Spirale aufzubrechen.

Solange sich Rapid in internen Schuldzuweisungen ergeht, reiben sich die jeweiligen Konkurrenten um die Gunst des Publikums und der Geldgeber die Hände, weil ja alle im selben Teich fischen. Und da sich alles auch auf den Sportbetrieb auswirkt, freut sich auch die sportliche Konkurrenz.

Wir, die Anhänger, können den Wert unserer Marke "Rapid" beeinflussen. Zum Beispiel durch mehr Solidarität.

Dienstag, 14. Mai 2013

Wir wollen Siege sehen

Der Zufall regiert den Fußball

Wie nahe einander Erfolg und Misserfolg sind, kann man bei vielen Fußballspielen beobachten. Zwei tolle Schüsse aufs Tor von Marcel Sabitzer beim Spiel von Rapid gegen den WAC und beide Male geht der Schuss auf die Stange! Endstand 0:0.

Hätte er getroffen, wäre der weitere Verlauf dieser Nullnummer natürlich ein ganz anderer gewesen, weil der danach offensivere WAC noch für das eine oder andere Tor gut gewesen wäre. Das "Hätti-wari" des Fußballs eben.

Der Mensch mag den Zufall nicht

Der Mensch will sich in seinem Leben eigentlich keinen unberechenbaren Zufälligkeiten aussetzen. Die Zukunft will vorausschaubar geplant sein. Alles steht am Terminkalender, der nächste Urlaub, de nächste Geburtstermin, das nächste Fußballspiel. Alles, was nach Unglück riecht, wird durch Versicherungen abgedeckt. Mögliche größere Schäden werden durch sichere Verluste an kleinen Prämienzahlungen durch eine große Zahl von Versicherten gegengerechnet. Man ist auf der sicheren Seite. Rudi Klausnitzer beschreibt das gleich im ersten Kapitel seines Buches "Das Ende des Zufalls".

Was ist aber ein solches bis in alle Einzelheiten geplantes Leben? Es ist langweilig, weil eben nur das Ungewisse einen gewissen Kick bietet. Zu wissen, wie das ist, mit 300km/h auf der Autobahn zu fahren und sich dann mit Polizei und Gericht auseinander setzen zu müssen, das sind noch Herausforderungen für unseren  Macro Arnautovic.

Der Rest der Welt, der nicht so weit wie Marco gehen will, aber auch diesen Kick des Ungewissen braucht, geht zu Sportveranstaltungen oder/und investiert im Glücksspiel. Mutige klettern auf Berge, machen Expeditionen oder Zocken an den Börsen.

Während man beim Lotto oder Roulette einfach nur Passagier ist, der glaubt, zufällige Ereignisse voraussagen zu können, gibt es beim Sport jede Menge Einflussgrößen, die das Geschehen am Spielfeld beeinflussen und dem Zuschauer suggerieren, dass man das Geschehen auf Grund der vielen Detailkenntnisse voraussagen könne.

Man kann im Wettbewerb einer Liga mit viel Geld, Geschick, Motivation eine Mannschaft so weit bringen, dass die Wahrscheinlichkeit für Erfolge größer wird.

Aber die konkreten Tore, Ergebnisse und Titel im Fußball unterliegen zufälligen Schwankungen. Man kann nur eine Wahrscheinlichkeit steuern aber nicht den konkreten Einzelfall. Daher ist Fußball auch so interessant und daher ist es sehr wohl möglich, dass einerseits Rapid in der laufenden Saison gegen RedBull, den finanziellen Krösus der Liga  drei Mal gewinnt und gleichzeitig gegen den Aufsteiger WAC drei Mal verliert.

Der Rest ist menschliches Unvermögen, den Zufall auch als Zufall zu akzeptieren.

Falsche Erwartungshaltung

Bei ausgeglichenen Leistungsverhältnissen in einer Liga sind Spiele schwer berechenbar.

Eigentlich könnten die Wett-Quoten reale Kräfteverhältnisse abbilden aber sie bilden stattdessen die Erwartungshaltung des Publikums ab. Anders ist es nicht zu verstehen, dass nach den drei Niederlagen von Rapid gegen WAC die Quote für Rapid auf 1.6 und für den WAC auf 4.5 stand.



Und genau diese völlig irreale Erwartungshaltung, die sich am Reporter-Titel "Rekordmeister" orientiert, ist es, die das Publikum mit einer völligen Fehleinschätzung in das Stadion gehen lässt, und weil die Erwartung, die man an den Quoten ablesen kann, nicht erfüllt wird, in Reaktionen wie Support-Verweigerung, Suche nach Schuldigen, Beschimpfung der Akteure mündet.

Man verlässt nach dem 0:0 (das ja eigentlich ein sportlicher Erfolg war) frustriert das Stadion. Man befindet sich in einer Spirale, die man erst dann verlassen kann, wenn die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs steuert.

Der Mensch braucht eine Regel, keinen Zufall

Was würde jemand sagen, der beim Roulette zehn Mal hintereinander auf Rot setzt, die Kugel aber ebenso oft auf Schwarz fällt? Er wird umgehend eine Manipulation vermuten, wahrscheinlich schon beim fünften Mal. Tatsächlich aber kann so was durchaus vorkommen und es war ja auch der Grund zur Einführung eines Maximaleinsatzes beim Roulette.

Ebenso kann der Fußballfan nicht verstehen, warum seine Mannschaft, die schon so viele Meistertitel gewonnen hat, in neun Spielen hintereinander sieglos blieben kann. Aus der Sicht des Zufalls, kein Problem; schon aber für den erfolgsverwöhnten Rapid-Fan, denn der "will Siege sehen".

Wie reagiert nun Mensch auf solche Ereignisse? Keineswegs mit Gelassenheit, sondern mit einer hektischen Suche nach Erklärungen. "Der Kulovits ist schuld", "der Trainer ist Schuld", "der Vorstand ist schuld" und im Reigen dieser Schuldzuweisungen erweist es sich als die billigste (und immer noch sehr teure Lösung) den Trainer zu entlassen. (Irgendwie ist uns dieses Verhalten bekannt, dass eben alle Zufälligkeiten "einen Schuldigen" brauchen, wie seinerzeit die Hexen für das Klima herhalten mussten und heute die Türken für das eigene Unvermögen).

Skinners Lernmaschine

B.F. Skinner zählt zu den größten Psychologen des 20. Jahrhunderts. Auf ihn gehen Experimente mit einer Lernmaschine zurück, die er vor allem mit Tauben durchgeführt hat, die dann aber auf das menschliche Verhalten übertragen wurden und die zeigen, dass Menschen versuchen, zufälligen Ereignissen Sinn zu geben, indem sie Regeln über diese Ereignisse aufstellen.

Auf Seite 47 (rosa Fact Box "Synchonizität) des Buchs "Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln" von Puntigam, Gruber und Oberhummer wird beschrieben, wie sehr wir uns gegen den Zufall wehren und wie sehr wir uns bemühen aus zufälligem Geschehen eine Regel ableiten zu wollen, auch wenn dieses gar nicht existiert. Das im Text erwähnte Taubenexperiment findet man auf YouTube, gezeigt an Hand der Original-Versuchsanordnung von B.F. Skinner.

In einem Versuch der BBC hat man gezeigt, dass Menschen Regeln finden, wo gar keine sind. Mit einigen Schalthebeln ausgerüstet sollten Versuchspersonen über diese Schalthebel die Zählgeschwindigkeit eines Zählers erhöhen und tatsächlich fanden die Versuchspersonen einen Zusammenhang zwischen ihrem Schalten und dem Zähler. Der Clou an der Sache war aber, dass der Zähler mit diesen Schalthebeln gar nicht in Verbindung stand sondern durch einen (für die Versuchspersonen unsichtbaren) Goldfisch gesteuert wurde, der durch seine Schwimmbewegungen für den Zählrhytmus verantwortlich war.

Wir sollten aufgrund des Wissens, dass wir mit dem Zufall nur schlecht umgehen können, vorsichtig sein mit den Schuldzuweisungen nach einem Misserfolg. Wir sollten zumindest in Erwägung ziehen, dass die neun erfolglosen Spiele in Serie von Rapid auch nur reiner Zufall gewesen sein können oder wenigstens eine Folge ziemlich unglücklicher Umstände (Verletzung von Hofmann und Boskovic).

Mittwoch, 8. Mai 2013

Scouting, einmal anders

Rapid-Pasching 0:1
RedBull-Pasching 1:2

Zufall, oder steckt mehr dahinter?
Aus aktuellem Anlass des Ausscheidens sowohl von Rapid als auch von RedBull gegen den Dorfklub FC Pasching frage ich mich, warum Scouts zwar talentierte Spieler suchen aber nicht talentierte Funktionäre. 

Franz Grad, der ehemalige Präsident des FC-Pasching wär' so einer, der mit wenig Mittel aber mit Enthusiasmus viel bewegen kann. Er hat auch Talent in der Auswahl seines Teams. Er hat es immerhin zwei Mal geschafft hat, einen Dorfclub zum Schreck der Bundesliga-Klubs zu pushen. Heuer im Cup und vor einigen Jahren als man dann die Bundesliga-Lizenz verkauft hat.

Wenn sich auch der Transportunternehmer offiziell vom FC Pasching zurückgezogen hat, vielleicht gäbe es für ein Manager-Talent wie ihn, Aufgaben bei größeren Clubs. 

Wäre da nicht die Eitelkeit der etablierten Manager, die sich nicht eingestehen können, dass es einfach für jede Funktion eine bessere Wahl gibt; wie bei den Spielern eben. 

Spieler und Trainer werden laufend infrage gestellt, Funktionäre sind davon ausgenommen. Warum eigentlich?