Donnerstag, 27. Juni 2013

Wo der Schuh (auch) drückt

Die Einnahmen eines Fußballvereins kommen hauptsächlich aus Sponsoring, Fernsehgeldern, Merchandising und Ticketing. Mitgliedsbeiträge gibt es auch, aber die finanzieren in erster Linie mitgliederbezogene Leistungen und spielen für den Spielbetrieb keine Rolle.

Während die Einnahmen von Sponsoren und von den Übertragungsrechten konstant sind (wenn nicht ein Sponsor seinen Vertrag beendet), sind die Einnahmen aus dem Ticketing und Merchandising sehr stark erfolgsabhängig.

Erfolg ist steuerbar, aber nur im Mittel und kann in einzelnen Jahren auch einmal weit unter den Erwartungen bleiben; nicht nur bei Rapid.

Bleibt der Erfolg aus, sinken die Zuschauerzahlen und auch das Fanartikel-Verkauf ist stark rückläufig.

Die Kosten des Spielbetriebs sind aber konstant, ganz egal, ob man Meister wird oder den internationalen  Bewerb verpasst.

Rapid hat in jeder der vergangenen zwei Saisonen um je etwa 2 Millionen weniger aus dem Verkauf von Eintrittskarten erwirtschaftet. Und da ist kein Sponsor weit und breit, der das auffangen könnte. Das macht die heurige Kaderplanung so schwierig.

Gleichzeitig findet im Herbst die Hofübergabe an eine bisher unbekannte Präsidentschaft statt. Hätte Präsident Edlinger noch einige Jahre vor sich, hätte er vielleicht gewagt, einen Spieler zu engagieren und damit zu spekulieren, die Gruppenphase der Euroleague zu erreichen. So aber ist er offenbar bemüht, ein möglichst geordnetes Haus zu übergeben. Schuldenfrei wird es nicht sein aber überschaubar.

Hier die Zahlen:

Saison  Zuschauer Gewinn    BL-Heimschnitt 
2008/09 321.200   3.212.000 16.900
2009/10 484.350   4.843.500 16.322
2010/11 491.791   4.917.910 15.340
2011/12 304.350   3.043.500 16.018
2012/13 364.619   3.646.190 12.970

Die Spalte Zuschauerzahl zeigt alle Heimspiele, national und international. Für die Spalte Gewinn wurden 10 Euro pro Eintrittskarte angenommen. Im BL-Heimschnitt sind auch Cupspiele enthalten.

Dienstag, 25. Juni 2013

Pyrotechnik "modern style"

Ich bin ein bequemer, älterer Fußballplatzbesucher, meist im Hanappi-Stadion, und beobachte die Aktivitäten der diversen Fangruppen des Block-West, teils mit Anerkennung, teils aber auch mit Sorge.

Als Amateur-Fotograf beobachte ich mich dabei, gerade jene Szenen (siehe Bilder) festzuhalten, die bei den offiziellen Stellen so gar nicht beliebt sind. Und das ist nicht nur bei mir als Amateur so, die Profis bei den Zeitungen reagieren genauso.

Man nimmt sogar an, dass ein Teil des Publikums außerhalb der eigentlichen Fanszene gerade wegen dieser martialischen Stimmung die Fußballspiele gerne besucht. Für sie gehört Pyrotechnik einfach dazu.

Ich bin aber als Zuschauer in einer Art Geißelhaft mit diesen Pyro-Aktivisten. Die Sanktionen der Bundesliga (Geisterspiele) sind uns bekannt und seitens der FIFA droht Rapid eine mehrjährige Sperre im Wiederholungsfall.

Ich schlage daher vor, dass man sich seitens der Bundesliga, der Vereine und auch der Fangruppen aktiv an einer Art „Ersatzdroge“ arbeitet, die ähnlich effektvolle Choreografien ermöglichen wie Feuer und Rauch aber keine nervösen Reaktionen der Sicherheitsbeauftragten auslösen..

Bühnen- und Discotechnik machen es vor. Es gibt verschiedenstes Lichtequipment, Rauch-Generatoren, die im Grunde dieselbe optische Wirkung haben aber eben besser kontrollierbar sind als offene Feuer. Spezialisten wissen das sicher viel besser.

(Theoretisch) kann ich mir auch gesteuerte Netzwerke aus Lampen(LEDs)sätzen vorstellen, die einzelne Fans bei sich haben und die zentral angesteuert werden und damit ein flächiges Bild ergeben. Hier müsste man forschen, ob man das nicht etwa mit Handies bewerkstelligen kann, an die man die LEDs ansteckt. Die olympischen Spiele in London haben bestätigt, dass es geht.

Die Überwindung der technischen Probleme wäre etwas, was aus den Pyro-Strafgeldern finanziert werden könnte.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Landfriedensbruch


Oliver, der Capo des Block-West, muss für 14 Monate ins Gefängnis, weil er den "Landfrieden" gebrochen haben soll. Sein nicht minder engagierter Partner fasste 10 Monate aus. Ein Exempel.

Die Anwendung des Paragrafs des "Landfriedensbruchs" ließe ich mir einreden, wenn es um die Gefährdung der allgemeinen Sicherheit gegangen wäre. In diesem Szenario war das aber nicht der Fall. Niemand am Westbahnhof war von den Rapid-Fans gefährdet worden. Allein ihre violetten Kontrahenten waren im Visier der Auseinandersetzung. Und die Zeitungen berichteten damals, dass die Violetten einer solchen Auseinandersetzung nicht gerade ablehnend gegenüber standen. Es waren daher zwei rivalisierende Gruppen aber einer wurde die ganze Schuld zugeschoben. Wie sonderbar sich doch der Fangesang der Rapid-Kurve "...Stolz der Polizei" bewahrheitet.

Als langjähriger Beobachter der Aktivitäten des Blocks im Rapid-Stadion hätte ich die beiden Frontmen des Block-West eher zu einer öffentlichen Anerkennung ihrer Leistungen vorgeschlagen als für eine exemplarische Verurteilung. Anders als die Tierschützer, für die der Mafia-Paragraf herhalten musste, hatten die Rapidler keinerlei Unterstützung in der Öffentlichkeit.

Unterstützung? Wofür eigentlich?

Vielleicht sollte man den einen oder anderen mit der Szene befassten Sozialarbeiter befragen, wie leicht oder schwer ihre Arbeit im Block ist. Wie man an die problematischen Leute herankommt, wie man ihr Vertauen gewinnt, um mit ihnen zu arbeiten. Genau das konnten die jetzt Verurteilten. Dass sie dabei eine Gratwanderung an den Grenzen der Legalität gingen, war den Beobachtern klar. Diese Grenzen beginnen bei verbotenen pyrotechnischen Artikeln, geworfenen Gegenständen, bei Sachbeschädigungen und eben bei kleineren oder größeren Scharmützel mit ihren Lieblingsfeinden. Das ist alles nicht wünschenswert. Aber die einzigen in dieser Szene, die Einfluss auf das Geschehen haben, waren die beiden Verurteilten. Und sie haben immer wieder bewiesen, dass sie es schaffen, dieser eigentlich unlenkbare Masse eine Richtung zu geben. Ich gebe zu bedenken, dass eine Zerschlagung oder Aussperrung dieses Blocks gar nichts verbessert. Sie werden draußen sein aus dem Stadion aber die nächste, so ausgesperrte Generation wird sich uns in unangenehmer Weise in Erinnerung rufen, ähnlich wie in den Pariser und Londoner Vorstädten. Das waren die Kinder jener Generation, die man erfolgreich aus den Stadien entfernt hatte.

Die beiden Verurteilen genießen das Vertrauen des Blocks. Sie sind dabei in einer ähnlichen Rolle wie Politiker. Sie müssen in die Menge hineinhören und müssen wissen, was der Anhang will. Dass sie in Westbahnhof-Aktion zu weit gegangen sind, das hat ihnen der Richter klar gezeigt aber wie gesagt, der Richter ist mit dieser sozialen Schicht nicht gerade vertraut, denn wie wichtig die Rolle der beiden Verurteilten ist, kann man daran ablesen, dass sie in der Rapid-Reformarbeitsgruppe nominiert waren.
Man muss nur hoffen, dass man nicht als Folge dieses Urteils wirklich den Landfriedensbruch-Paragrafen auspacken wird müssen, denn dass die Anhänger wegen des Urteils zu Sängerknaben mutieren werden, kann man nicht annehmen.

Unverhätnismäßig

Abgesehen von den Gesetzen. Die Gewalttaten richteten sich nicht gegen Dich oder mich, also gegen die Allgemeinheit. Die Befragung eines Szenekundigen hätte zur Aufklärung beigetragen. Die violette Gegenseite war zu eben diesen Gewalttaten in gleicher Weise bereit, war aber bei dem Prozess nicht einmal Zeuge. Ich fühle mich als Bürger von einer Fahrt von Arnautovic mehr bedroht als vom ganzen Block West in einer ganzen Saison. Daher finde ich das Urteil - Strafe muss ja vielleicht sein - völlig unverhältnismäßig. Zum "Gegenwert" von 14 Monaten kann man als Ersttäter schon einmal auf einen "Bruch" gehen, Verkehrsdelikte werden ohnehin meist bedingt abgeurteilt. Kinderschänder bekommen 2 Jahre Bewährung und Freisprüche. (Links dazu gibt es genügend).

Wenn es mich etwas früher auf den Fußballplatz verschlagen hätte, ich wäre sicher ein Anhänger von Oliver geworden. Jemand, der eine Sache so enthusiastisch vertritt wie er, verdient Bewunderung. Schade, dass unsere Gesellschaft meint, dass für solche Begabungen kein Platz wäre. Aber für mehr Polizei ist immer noch Platz. Aber wir wissen, dass mehr Polizei nicht gleichzeitig mehr an Sicherheit bedeutet, wohl aber Achtung aller Gruppen, wie sonderbar sie auch dem Durchschnittsbürger erscheinen mögen.

Capo

Capo sein ist nicht so einfach. Diese Rolle, die Oliver einnimmt, kann er nur behalten, wenn er auch im Sinne seiner Gefolgschaft handelt. Er ist wie ein Leitwolf. Und er muss seine Position laufend bestätigen, sonst ist er weg vom Podest. Die Opfer, die er bereit ist, für diese ausgezeichnete Stellung im Block zu bringen, sind groß. Rapid verdankt ihm eine langjährige Geschlossenheit, die den Block über jeden anderen im Lande gestellt hat. Natürlich ist er auch mitverantwortlich für das derzeitige Stimmungstief, das vielleicht sogar durch die zu geringe Unterstützung (seitens des Vereins, seitens der Berichterstattung) in Zuge dieses Prozesses mitbeeinflusst war. Um diese selbstgewählte Rolle beizubehalten, muss er "mit den Wölfen heulen", also bei der einen oder anderen grenzwertigen Aktion mitmachen und sie sogar anzetteln. Dass man sich in diesem Fall sehr ungeschickt verhalten hat (wenn man mitbekomme, dass die Polizei von der Aktion Wind bekommen hat, geht man vom Gas und verschiebt die Aktion halt aufs nächste passende Event) ist ein bisschen ein Pech.

Oliver hat eine ähnliche Rolle wie unser HC oder eben politische Führungspersönlichkeiten allgemein. HC erscheint in seinen Reden unmenschlich, radikal, ausgrenzend, ewiggestrig und was weiß ich noch alles. Aber er hätte "kein Leiiberl" mit diesen Ansichten, wenn er dem Volk nicht nach dem Maul reden würde. So geht's auch dem Oliver. Er hat sich sicher zu weit aus dem Fenster hinausgewagt.

Seine Gruppe hat ein eigenes Rechtsverständnis, das mit dem der Normalbürger nichts zu tun hat. Sie will ja nicht Dich oder mich in einen Konflikt hineinziehen und daher ist es kein "Landfriedensbruch". Sie trifft sich mit einer Gruppe, die diesem eigentümlichen Rechtsverständnis zustimmt.

Dass sich die Polizei schützend vor die armen, bedrohten Violas hinstellt ist ja die Heiterkeit schlechthin, denn die Violas verkörpern in diesem Prozess die Gesellschaft, gegen die sich der Landfriedensbruch wendet. Die Violas, die aus demselben Holz geschnitzt sind wie unsere Ultras sind auf einmal die Lieblinge der Justiz. "Stolz der Polizei". Ist das nicht komisch?

Ich würde die Betroffenen beider Parteien zu einem verpflichtenden Sozialdienst mit einer gewissen Lernkomponente verpflichten. Mit dieser Rache- und Exempeljustiz aus dem Mittelalter kommen wir nicht weiter. Auch auf anderen Gebieten nicht.




Samstag, 8. Juni 2013

WLAN in Stadien

Der Zuschauerboom ist vorbei, die Zuschauerzahlen sinken. Wie kann man den Besuch eines Fußballspiels attraktiver machen? Es ist sicher nicht ein „Knopf“ allein, an dem man drehen muss. Es sind viele Kleinigkeiten.

Eine dieser Kleinigkeiten könnte sein, dass man „mit der Zeit“ gehen muss.

Und in unserer Zeit spielt das Handy eine große Rolle.

Aber derzeit nicht im Fußballstadion (wenigstens nicht in den größeren mit vielen Zuschauern). Denn dort ist die Internet-Nutzung aus technischen Gründen durch die große Zahl der gleichzeitig eingeschalteten Geräte nur stark eingeschränkt möglich.

Die Folge: wenn jemand dringend etwas am Handy nachschauen will, dann kann er das während eines Spiels nicht oder nur zäh. Und er wird sich daher möglichst vom Stadion fernhalten.

Man könnte daher den Stadion-Betreibern die Installation von offenen WLANsempfehlen. Es kostet praktisch nichts und wäre ein Grund mehr die Zuschauer zu motivieren, ins Stadion zu kommen.

Weitergehende Nutzung eines solchen WLAN

Der Verein kann sich bei der Verbindungsaufnahme mit einer Werbeseite präsentieren, auf der auch die wichtigsten Ankündigungen des Tages zusammengefasst sein können.
Vielleicht kann man sogar bestimmte Dienste exklusiv im Stadion-Netz anbieten, die eine Anwesenheit erfordern, wie zum Beispiel die online-Teilnahme an einer Tombola.
Vielleicht wäre es denkbar, eine Stunde vor dem Spiel ein gemeinsames Video-Spiel der Zuschauer über das Handy zu organisieren (Stichwort „LAN-Party“).